Folge 18: Heartprint statt Hochglanzbroschüre – Nachhaltigkeitskultur an Hochschulen
Inside HKomm - Der Podcast
Nachhaltigkeit steht in den Strategiepapieren fast jeder Hochschule. Aber wie kommt das Thema vom Papier in den Alltag und vom Alltag in die Köpfe?
In dieser Folge schauen wir hinter die Kulissen von Hochschulen, die Nachhaltigkeit nicht nur berichten, sondern leben wollen. Denn ein 80-seitiger Nachhaltigkeitsbericht ist noch keine Transformation.
Er ist ein Anfang, mehr nicht.
Wir sprechen mit Katrin Greve von der Uni Hamburg und Alexander Balow von 2020 – Agentur für Nachhaltigkeit darüber, was es braucht, um das Thema wirklich in der Organisation zu verankern. Und darüber, warum gute Kommunikation auch den Mut erfordert, über Zielkonflikte und Rückschläge zu sprechen, wie man Studierende als glaubwürdige Akteur:innen einbindet und warum der Weg zur nachhaltigen Hochschule immer im Inneren beginnen muss.
[00:00:02.960] - Ina Teloudis
Ja, es geht los mit Folge 18. Herzlich willkommen, ich bin Ina Teloudis. Schön, dass ihr wieder dabei seid bei Inside HKomm, dem Podcast für alle, die Hochschul- und Wissenschaftskommunikation gestalten und vor allem auch ein bisschen weiterdenken wollen. Unser Thema für Folge 18 ist eines, das mittlerweile fast in jedem Leitbild einer Hochschule auf jeden Fall steht, nämlich das Thema Nachhaltigkeit. Von 80 Seiten PDF in der Schublade bis hin zu dem, was auf Social Media vielleicht bei externen Stakeholdern oder auf dem Campus auch wirklich ankommt. Wie kommunizieren wir Nachhaltigkeit? Wie gehen wir damit um, dass die Erwartung an Transparenz intern, aber auch vor allem extern massiv steigen? Das klären wir heute mit zwei Gästen aus Hamburg und Schwerin digital zugeschaltet. Das ist einmal Katrin Greve von der Uni Hamburg. Hallo!
[00:01:09.780] - Katrin Greve
Hallo, freue mich dabei zu sein.
[00:01:11.560] - Ina Teloudis
Und das ist aus der Mandarin-Agentur-Familie Alexander Balow von 2020, Agentur für Nachhaltigkeit und Kommunikation. Hallo Alex!
[00:01:19.090] - Alexander Balow
Hallo zusammen!
[00:01:20.140] - Ina Teloudis
So, Katrin, stell dich doch bitte einmal kurz vor. Wer bist du? Was ist dein täglich Brot und wie blickst du auf das Thema Nachhaltigkeit?
[00:01:27.610] - Katrin Greve
Ja, vielen Dank. Ich bin Katrin, ich leite die Abteilung Kommunikation und Marketing der Universität Hamburg, das auch schon seit einigen Jahren. Ich bin schon recht lange im Wisskomm- und Hochschulkomm-Zirkus unterwegs. Ich habe auch in dem Bereich volontiert, war damals bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und bin dann nach Berlin gegangen ins dortige Wissenschaftsministerium als Sprecherin und hatte dann 2008 die Gelegenheit, die Leitung der Kommunikationsabteilung zu übernehmen. Also von daher ein alter Hase in diesem ganzen Zirkus.
[00:01:57.850] - Ina Teloudis
Alexander, magst du noch einmal ausholen?
[00:01:59.920] - Alexander Balow
Ja, Alexander, ich komme eigentlich aus der Kommunikation. Ich habe mal den Beruf des Journalisten gelernt und mich frühzeitig mit Transformationskommunikation beschäftigt und bin zu dem Thema Nachhaltigkeit eigentlich tatsächlich sehr intrinsisch motiviert gekommen. Ich habe 3 Töchter und die Große der 3 Töchter stand irgendwann mit großen Augen vor mir und fragte, was tust du eigentlich für diese Welt? Und das war halt so ein Ausgangspunkt für mich, Dinge, die mich betreffen, zu hinterfragen und letztlich auch zu dem Punkt zu kommen: Wo habe ich eigentlich einen Hebel? Und meinen Hebel als Kommunikator habe ich tatsächlich in diesem Thema gesehen und glaube, dass ich durch das, was ich jetzt auch zum Inhalt meines Jobs gemacht habe, tatsächlich auch, also neudeutsch sagen wir mal, Impact zu haben und genau an diesem Thema arbeiten zu können.
[00:02:53.640] - Ina Teloudis
Bevor wir jetzt kopfüber ins ganz, ganz tiefe Nachhaltigkeits Wasser springen, lass uns einmal ganz kurz die Begrifflichkeiten besprechen. Nachhaltigkeit ist ja ein Begriff, der irgendwie alles und nichts bedeuten kann. Wie definiert ihr das für euch persönlich?
[00:03:06.970] - Katrin Greve
Wenn ich beginnen darf, würde ich gerne das Schlagwort der Transformation aufnehmen, denn das ist für uns als Universität, Stichwort nicht persönlich, sondern sozusagen für die Institution, für die ich tätig bin, ein ganz wichtiges Stichwort. Wir haben in unserem Leitbild verankert die digitale Transformation und für uns ist eben das die Twin Transformation aus Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Und genauso leben wir auch den ganzen Komplex der Nachhaltigkeit. Dass es eben bei uns nicht nur ein, ich sag jetzt mal, begleitendes Kommunikationsthema ist, sondern ein echtes Organisationsprinzip, wie wir uns als Institution auf diesem Weg machen, angelehnt an die SDGs und angelehnt eben wirklich an das große Bild der Nachhaltigkeit. Von der Biodiversität zum Klimawandel, aber auch eben wirklich für die Governance, sage ich jetzt mal.
[00:03:57.410] - Alexander Balow
Oftmals stößt man ja auf so eine Definition von Nachhaltigkeit, die entweder sehr zahlengetrieben ist, wenn es darum geht, das Thema Energie und Energieeffizienz oder PV-Anlage auf dem Dach oder ich weiß nicht was da reinzupacken. Oder das andere Extrem ist oftmals so Bienchen, Blümchen, Bäumchen, sagen wir dann. Also Kompensation der Kompensation wegen, ohne Strategie. Und Katrin hat es eben schon sehr schön angetippt, für mich sind halt auch die 17 SDGs so der Nordstern, weil die aus meiner Sicht tatsächlich ein sehr umfassendes Bild geben, was Nachhaltigkeit alles beinhaltet, inkludiert. Und dass wir eben nicht nur über das Thema Energieeffizienz oder Wasserverbrauch, also ne, zählen, messen, wiegen, sprechen, sondern halt auch viel über oftmals softe Faktoren, also das Miteinander, das Soziale, Diversität, Geschlechtergerechtigkeit, Bildung und so weiter. Und es ist ein extrem großer Bereich, aber die 17 Ziele clustern es, aus meiner Sicht, eigentlich ziemlich gut.
[00:05:08.400] - Katrin Greve
Ich würde gern noch einen Punkt ergänzen, denn das sind für uns ja auch, wie ich schon sagte, die 17 SDGs. Aber was mich ganz besonders freut, ist, dass wir, seitdem wir unsere Sustainability Officerin Laura-Marie Edinger-Schons haben, sie eben wirklich vier Wirkungsbereiche sozusagen bei uns etabliert hat an der Universität. Und das ist eben, wie du gerade sagtest, zum einen natürlich der Footprint, also die wirklich zu messenden Auswirkungen im Energiebereich insbesondere, aber eben halt auch der Handprint als wirkliches nachhaltige Entwicklung in Lehre und in Forschung. Dann natürlich der Brainprint, den wir als Universität, die auch ein Klima Exzellenzcluster hat in dem Bereich. Und dann aber viertens, und das ist erst jüngst bei uns ergänzt worden, das Thema Heartprint. Und das finde ich wirklich, also das ist etwas, da hat sie mich sozusagen mit dieser Idee noch mal verstärkt gepackt, eben wirklich auch diese Organisationskultur der Nachhaltigkeit stärker zu verankern und eben nicht immer nur auf die Bienen und die Blumen oder die Emissionen zu achten, sondern eben auch wirklich sich mit diesem ganzheitlichen Verständnis einer Organisation oder auch eines Individuums auseinanderzusetzen.
[00:06:16.770] - Ina Teloudis
Das ist ja ein unglaublich breites Feld. Also ich sehe da ganz viele To-dos, ganz viel Abstimmung. Wie seid ihr da aufgestellt in Hamburg? Personell auch, also ressourcenmäßig ist das ja ein irres Brett.
[00:06:29.920] - Katrin Greve
Das ist vermutlich ein irres Brett, aber das ist bei uns jetzt nicht etwas, wo man sagen würde, es gibt jetzt ein extra Team, was nur Nachhaltigkeitskommunikation macht, sondern im Prinzip ist die Nachhaltigkeit bei uns wirklich in der Kommunikations-DNA verankert. Und das eben in jeglicher Hinsicht, in der internen Kommunikation, in der externen Kommunikation, in der Wissenschaftskommunikation. Und ich glaube, wir haben stark begonnen, gerade im Bereich der internen Kommunikation und des Community-Managements dort wirklich die ersten Akzente zu setzen, weil wir einfach verstanden haben, dass sozusagen Nachhaltigkeit ist eben ein Kommunikationsprojekt, was zunächst innen anfangen muss, damit wir eine Community schaffen, die eine breite Basis Basis und ein breites Verständnis von Nachhaltigkeit als wirkliches Kernelement einer Strategie beinhaltet und das dann auch gelebt wird. Und danach sind wir dann sozusagen sehr stark in die externe Kommunikation gegangen und ja, bespielen eben natürlich dementsprechend unsere Kanäle. Aber ich würde sagen, es ist nicht— du fragtest ja im Sinne der Ausstattung— wir unterstützen unser Sustainability Office ganz stark darin, überall unsere Kanäle und über all unsere Kommunikationsmaßnahmen möglichst das Beste aus diesem Thema herauszuholen.
[00:07:44.300] - Alexander Balow
Ich habe da gleich eine Frage zum Thema Strategie, weil du das gerade angetippt hast. Das ist ja bei euch auch ein sehr großes Papier, womit ich das nicht diskreditieren will, aber wo ihr ja sehr umfangreich auch genau das darlegt, wo ihr hin wollt. Ich glaube, 54 Ziele, über 100 Maßnahmen. Wie stellt ihr denn sicher oder wie erzählt ihr denn diese Geschichte, ohne dass die Leute nach Seite 3 dann aussteigen? Also, was ist euer roter Faden? Wie bindet ihr Menschen auch an diese Strategie? Begeistert sie, um genau diese Community oder in dieser Community auch die Resonanz zu erzielen, die das Thema ja letztlich braucht, um auch getragen zu werden?
[00:08:21.100] - Katrin Greve
Ich würde sagen, das sind vor allen Dingen eben die Menschen, die das Ganze tragen. Also natürlich gibt es unsere Nachhaltigkeitsstrategie, das übergeordnete Ziel, und darunter fungieren eben unterschiedliche Teilstrategien und eben einzelne, ganz konkrete Maßnahmen. Und es ist uns, glaube ich, oder dem Sustainability Office sehr gut gelungen, in recht kleinen Seeds zu denken. In der Zusammenarbeit, die sehr interdisziplinär und auch sehr heterogen aufgestellten Arbeitsgruppen haben wirklich gemeinsam in einem Bottom-up-Verfahren sich überlegt, was könnten erste Maßnahmen sein, wie könnten wir sozusagen erste Schritte gehen, die dann alle am Ende auf eine Nachhaltigkeitsstrategie natürlich einzahlen. Und ja, es ist eine Herausforderung, glaube ich, gerade auch on the long run, da den Atem immer auch zu haben für eben solche Projekte. Aber wir haben sehr viele kurze, kleine Incentives sozusagen gesetzt. Wir haben ein Tiny House bei uns auf dem Campus innerhalb kürzester Zeit etablieren können. Ein wirkliches, ich nenne es immer so wie so ein Stadtteilzentrum, was da geschaffen wurde, wo wirklich eben Begegnungsraum ist und wo man ganz niedrigschwellig einfach in den Austausch kommen kann. Und dahingehend sind sehr viele Maßnahmen einfach entstanden, die eben dann auch sich immer weiter durch uns und durch die Kommunikation verstärkt, eben in die Institution so langsam reinwachsen und einfach auch gelebt werden.
[00:09:42.950] - Alexander Balow
Ihr habt ja mit der CSO und dem Sustainability Office, und ich glaube, es gibt auch ein studentisches Green Office, wenn ich da richtig informiert bin, dein Team in der Kommunikation, das sind ja mehrere beteiligte Rollen und auch mehrere beteiligte Menschen. Wie habt ihr euch darauf geeinigt, wer auch welchen Teil dieser Geschichte erzählt? Also, wie arbeitet ihr da miteinander? Ich glaube, das ist in dieser Größe auch tatsächlich etwas, was nicht sofort gelingt. Also wie habt ihr euch da auch entwickelt, um diese Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven auch erzählen zu können?
[00:10:18.730] - Katrin Greve
Wir haben eine ganz aktive Arbeitsgruppe für diesen Bereich, wo eben verschiedene Leute auch aus meinem Team mit dem Sustainability Office permanent eigentlich im Austausch stehen. Wir sind auch mit Laura permanent im Austausch, weil natürlich sie auch für uns nicht nur eine wichtige Stakeholderin ist, sondern natürlich Influencerin. Sie hat einfach auch eine sehr große Reichweite und wir unterstützen sie, in ihrer eigenen Kommunikationsarbeit, intern wie extern. Und am Ende ist es, glaube ich, ja, ein permanentes Sich-Austauschen und immer wieder zu versuchen, wo könnte man wirkliche Stories finden, wie könnte man nicht nur eine Veranstaltung bewerben, sondern wo könnte man wirklich auch Akzente setzen. Und so haben wir eben eine Reihe von Kommunikations-Formaten entwickelt, unter anderem die Faces of Sustainability, wo wir eben wirklich die Personen hinter den Stories eben auch vorstellen. Und ja, das ist eigentlich so unser tägliches Doing.
[00:11:12.850] - Alexander Balow
Was sind denn die Formate, die besonders gut ankommen?
[00:11:16.050] - Katrin Greve
Formate, die wirklich Personen in den Vordergrund stellen. Ich glaube, gerade für das Thema der Studierenden Kommunikation, auch das, was wir auf Social Media machen, ist es einfach entscheidend, dass eben nicht nur das Berichtswesen dementsprechend über die Pressearbeit oder eine PR-Arbeit skizziert wird, sondern dass wir wirklich echte Maßnahmen, echte Projekte, echte, vielleicht auch Erfolge und eben echte Stakeholder vorstellen. Und du hattest das Green Office angesprochen. Darüber gelingt es uns wirklich auch, dieses Thema innerhalb der Studierendenschaft sehr breit zu verankern. Und ich würde sagen, die Leute haben einfach auch das Gefühl, sie werden gesehen und sie werden auch wertgeschätzt durch die begleitende Kommunikation, weil wir schon auch wirklich jedes Mal versuchen, all das, also unsere gesamte Kommunikationsstrategie, halt auch de facto zu labeln und nicht nur explizit etwas zur Nachhaltigkeit zu machen, sondern diese Kriterien gelten auch für unsere gesamte Kommunikationsarbeit.
[00:12:10.600] - Alexander Balow
Ihr seid ja in einem Nachhaltigkeitsranking die Nummer 1 kürzlich geworden. Das heißt, ganz offensichtlich läuft da vieles richtig und sehr gut, wenn man auch bedenkt, dass ich glaube 80% der deutschen Hochschulen Nachhaltigkeit mittlerweile auch strukturell verankert haben. Für mich stellt sich dann immer die Frage: Hilft so eine Platzierung in der Kommunikation oder erzeugt sie eher Erwartungsdruck? Gucken Leute besonders aufmerksam hin? Was ist da deine Erfahrung?
[00:12:38.210] - Katrin Greve
Ich glaube beides. Es ist ja immer die Frage. Die Nachhaltigkeitsrankings oder ansonsten irgendwelche Nachhaltigkeitsberichte, Klimaschutzberichte etc. haben natürlich eine andere Wirkung auf eine andere Zielgruppe auch. Sie sind da entscheidend, dass wir eben mit unseren Themen, das haben wir beim Audit Nachhaltigkeit der HRK noch mal ganz klar auch zeigen dürfen und auch bestätigt bekommen, dass wir natürlich da einen großen Impact auch haben, was zum Beispiel das Thema Politikberatung angeht, was das Thema Mitarbeit in Entscheidungsgremien angeht etc. Dafür sind natürlich solche Rankings ganz entscheidend und wichtig. Und an anderer Stelle sind es eben doch eher die etwas kleineren Beiträge, die vielleicht nicht mit so einer großen Wirkung von, was heißt jetzt genau eine Nachhaltigkeitsstrategie seit vielen Jahren umzusetzen und diese immer wieder im Sinne auf Impact-Wirkung zu analysieren, sondern es sind eben wirklich die kleinen Formate, die halt auch sichtbar sind. Auch Campus Veränderungen, die sichtbar sind, auch eben neue Studiengänge, die wir im Sinne der Nachhaltigkeit ins Leben gerufen haben. Das sind eben auch Dinge, auf die ganz besonders dann auch geschaut wird.
[00:13:44.830] - Alexander Balow
Nun passiert ja auf so einem Weg, insbesondere wenn es um Strategien und Berichte geht, insbesondere wenn man zeitlich auch ziemlich weit vorne ist, passieren ja auch Dinge, die nicht immer sofort klappen oder wo es halt auch einfach mal schiefgeht. Wie geht ihr damit um? Also habt ihr da eine funktionierende Fehlerkultur? Habt ihr euch herangetastet oder habt ihr erst das fertige Ergebnis gezeigt und möchtet über euren Weg und die kleinen Stolperstellen vielleicht gar nicht so viel preisgeben.
[00:14:11.200] - Katrin Greve
Das ist, glaube ich, ein interessanter Punkt, den du da ansprichst. Ich glaube, wir sind da gerade an so einem Veränderungspunkt angekommen, dass gute Nachhaltigkeitskommunikation sich eben nicht nur in Erfolgen zeigt, sondern auch im Prinzip Fails oder Konflikte skizzieren sollte. Und wir sind schon dabei, dass wir auch Herausforderungen, die wir zum Beispiel vielleicht auch in der Verwaltung haben, also in der Governance oder in Personalstrukturen etc., oder Zielkonflikte, die es einfach gibt aufgrund anderer Rahmenbedingungen, die eine öffentlich geförderte Institution hat, dass wir schon damit auch versuchen, noch objektiver und auch ehrlicher umzugehen, weil wir einfach glauben, die Glaubwürdigkeit entsteht am Ende nicht nur durch Hochglanz, schon gar nicht zum Thema Nachhaltigkeit, sondern eher durch die Fähigkeit, ja, durch die Reflexionsfähigkeit und das auch zu skizzieren und auch zu sagen, ja, wir gehen ja einen Transformationsprozess. Und Transformation heißt eben auch Veränderung und heißt nicht, ein fertiges Ergebnis oder Bild zu präsentieren. Aber ich würde schon sagen, da ist noch ein bisschen Luft nach oben. Da könnten wir bestimmt auch noch ehrlicher sein.
[00:15:17.630] - Ina Teloudis
Alexander, das ist doch bestimmt ein Punkt, den du gerade angesprochen hast, der dir ganz, ganz oft begegnet in deiner Arbeit, oder? Also dass Leute auch denken, na ja, nee, man ist es ja auch so gewohnt in der Kommunikation, dass man eigentlich wirklich nur mit Dingen rausgeht, wo man sagt, das ist jetzt genau das, was wir erreichen wollten. Und es sagt ja keiner gerne: Ja, wir haben es versucht, aber es hat nicht geklappt. Wie berätst du da?
[00:15:40.020] - Alexander Balow
Also ich bin ja ein großer Freund von Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz in der Kommunikation. Und ich glaube, dass es wichtig ist, gerade bei diesem Thema, weil es auch noch ein relativ frisches Thema ist, weil es ein neues Thema ist, weil es noch nicht überall besonders viele Erfahrungen gibt, auch den Prozess aufzuzeigen. Das ist für mich Teil des Handabdrucks. Also nicht nur die Messbarkeit zu zeigen von Dingen, sondern halt auch anderen damit eine Inspiration zu geben, was funktioniert oder was auch eben genau nicht. Also ich finde es überhaupt nicht negativ, auch über Rückschläge zu berichten, wenn man es richtig tut, wenn man halt an der Stelle das gut framed, wenn man es gut einsortiert, daraus seine eigenen Learnings zieht. Aber das kommt natürlich immer auf den Gesamtkontext an. Wenn ich grundsätzlich in meinem Unternehmen eher eine sehr defensive Kommunikationsstrategie fahre, kann ich natürlich nicht bei dem Thema jetzt komplett die Hosen runterlassen, das ist klar. Aber wir haben es halt auch schon erlebt, dass im Kontext mit Nachhaltigkeits-Projekten auch Veränderungen tatsächlich in der Kommunikation stattfinden, weil man auch verstanden hat, dass diese Offenheit und Transparenz auch etwas ist, was Menschen einander vielleicht auch emotional näher bringt und auch Menschen an Marken, an Unternehmen näherbringt, weil man halt tatsächlich ehrlich und eben nicht hochglanz, wie Katrin das auch beschrieben hat, unterwegs ist, sondern auch die Dinge zeigt, die wirklich passieren. Und Fehler passieren, Scheitern passiert. Das Entscheidende ist ja nicht, dass es passiert, sondern was ich daraus mache. Und da ist das fast unabhängig davon, ob das ein DAX-Konzern ist oder ein kleines mittelständisches Unternehmen. Da gibt es viele Parallelen. Wie gesagt, meine Empfehlung ist immer, oder mein Wunsch auch, ist immer, dort transparent und auf Augenhöhe auch mit der Zielgruppe zu kommunizieren, weil ich glaube, das hat den größten Nutzen für alle und fürs Thema.
[00:17:33.470] - Ina Teloudis
Zumal ja die Zielgruppen auch ganz, ganz unterschiedlich zu behandeln sind an der Stelle, ne. Also es sind ja wahnsinnig unterschiedliche Zielgruppen, die alle was erwarten, was wissen wollen, was einfordern vielleicht auch. Also das zu sortieren ist, glaube ich, auch eine Riesenaufgabe, oder, Katrin?
[00:17:48.700] - Katrin Greve
Bestimmt. Bzw. wir merken das natürlich auch. Also ich habe schon das Gefühl, dass das— können wir zumindest auf unseren Social-Media-Kanälen doch durchaus beobachten, dass zum Teil das Interesse in den letzten Monaten, würde ich sagen, auch nicht immer ganz so hoch war wie noch vor einigen Jahren. Und dass man natürlich dann auch versuchen muss, trotzdem die Community irgendwie zu erreichen und nicht so eine Ermüdungserscheinung, dass diese wirklich sich so durchzieht, dass das am Ende schon ein Kriterium ist zu sagen, also mit solchen Stories brauchen wir jetzt gar nicht mehr kommen. Und ich glaube, das ist auch ganz wichtig, jetzt da nicht nachzulassen. Denn ich glaube, vor 2 Tagen hat es Jan-Martin Wiarda gerade in seinem Blogbeitrag geschrieben zum Thema, also zu seinem Essay zum Thema trügerische Sehnsucht nach dem Kern der Wissenschaft. Und er sprach auch das Thema Nachhaltigkeit an und Diversität etc. Und sich dieser Kritik vielleicht oder aufkommenden Kritik zu stellen, zu sagen, na ja, also ist Nachhaltigkeit jetzt nicht wirklich nur irgend so ein Rand-Thema und wir müssen mal wieder zum Kern dazu kommen. Also genau umgekehrt ist das unser Ziel. Und ich denke, das sollte es von uns allen sein, dass eben Nachhaltigkeit nicht ein Nebenzweck ist, sondern natürlich ganz klar auch Voraussetzung für exzellente Wissenschaft, Forschung, Lehre und Transfer. Und dass wir da auf gar keinen Fall nachlassen werden, auch wenn es uns vielleicht manchmal nicht gelingt, dafür die Aufmerksamkeit zu schaffen.
[00:19:10.790] - Alexander Balow
Transfer ist ein super Stichwort, weil die Frage habe ich mir auch gestellt und die würde ich dir gerne stellen, Katrin. Ihr seid mit diesem Thema ziemlich weit vorne und da ist unheimlich viel Wissen da. Was ich mich gefragt habe: Gibt es eigentlich Formate oder Möglichkeiten, wo ihr auch mit anderen Einrichtungen oder auch Unternehmen oder Kommunen zusammenarbeitet, die da vielleicht auch ein Stück weit wissenschaftliche Rückendeckung suchen? Als Hintergrund ist tatsächlich eins, wo wir in der kommunalen Wärmeplanung unterwegs sind. 19 Gemeinden, die sich dort zusammengetan haben, ist wirklich ein sehr großes Projekt. Wir arbeiten aber auch für Stadtwerke und Zweckverbände im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation. Und da erlebe ich das häufiger mal, dass man halt sich so irgendwie noch mal Impulse oder auch Erfahrungen aus der Wissenschaft sucht. Und wie gesagt, ich habe mich gefragt, ob es bei euch da Zusammenarbeit oder Formate sogar gibt, wo ihr das regelmäßig nutzen könnt, um diesen Transfer halt zu ermöglichen.
[00:20:06.600] - Katrin Greve
Also auf jeden Fall ist die Third Mission bei uns ganz klar auch mit der Nachhaltigkeit verbunden und ein ganz wichtiger Auftrag für uns. Wir haben auch in dem Bereich Co-Creation zum Beispiel, was bei uns die Transferagentur verantwortet, sehr viel Austausch mit, wie du es gesagt hattest, mit kommunalen Institutionen, mit Verbänden etc., wo auch diese Themen Nachhaltigkeit, aber auch Biodiversität, aber auch das Thema Resilienz, Demokratieverständnis, was für mich auch eins ist, was sozusagen, wir haben ja vorhin darüber gesprochen, was heißt denn der Begriff Nachhaltigkeit, dieses Thema immer wieder eine Rolle spielt und wir unterschiedliche Formate, Begegnung Formate geschaffen haben und die permanent bei uns auch bespielen, wo wir eben genau schauen, Was braucht es eigentlich, um solche Dinge noch stärker zu verankern? Auch das Thema natürlich, Stichwort Schule. Was braucht es auch, um so etwas noch stärker in den Lehrplan von Schulen zu integrieren? Viele Schulen haben sich ja schon auf den Weg gemacht, sind Nachhaltigkeits Schulen geworden oder sind auf dem Weg, eine zu werden, haben sich ebenfalls den SDGs verschrieben. Und da sind wir auch sehr aktiv. Also es ist schon wichtig für uns, den Transfer in die Gesellschaft, in den Bereich der Öffentlichkeit, aber natürlich auch gegenüber der Wirtschaft zu bekommen.
[00:21:21.120] - Katrin Greve
Und da haben wir mit vielen Unternehmen am Standort, aber auch darüber hinaus, gibt es enge Verbindungen mit unserem Sustainability Office und eine sehr aktive Partnerschaft.
[00:21:30.750] - Alexander Balow
Ich habe vorhin wahrgenommen, du hast ja gesagt, dass bei den Formaten, über die ihr kommuniziert, vor allem die Formate mit Menschen die erfolgreichsten sind, was ja auch absolut nachvollziehbar ist. Wie ist denn das mit den Studierenden? Bindet ihr Studierende auch aktiv ein? In meiner Wahrnehmung wären es für mich, wenn ich mich zurückerinnere an mein Studium, was schon ein bisschen her ist, wären es für mich also die glaubwürdigsten Stimmen auch zu diesem Thema. Aber dazu muss man ja diese Menschen zum einen einbinden, zum anderen für dieses Thema auch zumindest anzünden und im Zweifel ja auch damit umgehen können, wenn die vielleicht etwas kritischer kommunizieren, als es euch vielleicht lieb ist. Wie handelt ihr das?
[00:22:14.660] - Katrin Greve
Das ist genau das Communitymanagement, was eben über unser Tiny House, aber auch über unterschiedliche Arbeitsgruppen, über regelmäßig stattfindendes offenes Plenum zum Beispiel immer wieder versucht wird. Es gibt eine sehr aktive Studierendenschaft bei uns, engagierte Studierendenschaft, die sich da auch sehen möchte und einbringen möchte. Und das ist auch wirklich wichtig, permanent in dem Aushandlungsprozess zu sein und auch immer wieder zu schauen, wo können wir im Bereich der Transformation es wirklich schaffen, noch nachhaltiger zu werden? Aber wo gibt es vielleicht auch gerade im Transferbereich— wir haben immer die Frage, mit welchen Unternehmen kooperieren wir hier am Standort, und dann ist das wirklich auch ein Aushandlungsprozess, den wir da machen, wo eben unterschiedlichste Kriterien gelten. Aber die Studierenden bekommen bei uns eben auch wirklich die Möglichkeit zum aktiven Mitmachen und Mitgestalten, und es sind auch viele Maßnahmen, die wirklich— wir haben einen Fonds ins Leben gerufen, wo wirklich Studierende dann auch ihre Projekte einbringen können und dafür auch Geld bekommen. Sei es in der Verbesserung von irgendwelchen Campus Strukturen, sei es in der Verbesserung im Bereich der Biodiversität zum Beispiel, oder einfach auch im Bereich der Unterstützung von Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, die seitens der Studierendenschaft durchgeführt werden. Und ja, es ist ein ewiges Ringen, aber ich glaube, da ist es eben der wissenschaftliche Diskurs. Und ich denke, wenn nicht an einer Universität, wo dann müsste das möglich sein, eben diese Diskurse auch auszuhalten und durchzuführen und eben wirklich Argumente zu hören und auch ein gemeinsames Verständnis von Perspektiven zu entwickeln. Und ich habe das Gefühl, da gehen wir einen ganz guten Weg.
[00:23:48.750] - Alexander Balow
Habt ihr KPIs, um das ganze Thema auch, also aus kommunikativer Sicht messbar zu machen?
[00:23:54.470] - Katrin Greve
Ja, wir haben auch KPIs entwickelt. Wir sind gerade dabei, seitdem wir im Audit Nachhaltigkeit sind, noch mal stärker zu justieren und jetzt wirklich sozusagen den Transformationsweg, den wir gerade durchlaufen, auch noch mal stärker zu schauen. Ich sprach ja vorhin von den vier Wirkungsbereichen, also gerade seitdem der Bereich Hardprint dazugekommen ist, auch noch mal da nachzusteuern und unsere KPIs dementsprechend anzupassen. Ich bin da nicht so ganz immer der Freund von, es wirklich auch im Sinne der Impact-Messung so stark zu reduzieren auf das Thema Nachhaltigkeitskommunikation, denn Bei uns ist es nicht so, dass ich unterscheiden würde zwischen Nachhaltigkeitskommunikation und Exzellenzkommunikation und wissenschaftspolitischer Kommunikation der Universität Hamburg, sondern das Thema ist wirklich bei uns in der DNA verankert. Und das heißt, wir labeln auch nicht Dinge exklusiv nur im Sinne der Nachhaltigkeitskommunikation, sondern das ist sozusagen eigentlich die DNA, die bei allem mitschwingt und natürlich auch das Betonen der Themen, rund um das Thema Nachhaltigkeit. Und von daher müsste man im Prinzip die KPIs dann runterbrechen auf das Thema Wissenschaftskommunikation, interne, externe, Studierendenkommunikation etc. Zu organisch verwachsen, das Ganze.
[00:25:11.280] - Alexander Balow
Ja, aber das ist im positiven Sinn.
[00:25:13.010] - Katrin Greve
Genau. Ich finde, das ist eigentlich der Weg, den wir in stärkerer Hinsicht immer wieder gehen sollten. Ich meine, wir sind jetzt gerade zum zweiten Mal als Exzellenzuniversität bestätigt worden. Und als wir 2019 das erste Mal Exzellenzuniversität wurden, da kam dann so die Maßnahme, ja, jetzt müsse man eine Strategie zur Exzellenzkommunikation ins Leben rufen. Und ich habe dann immer widersprochen, habe gesagt, wir sind jetzt Exzellenzuniversität, also ist das genau das Gleiche. Und wir machen nicht extra etwas nur für Exzellenz. Und genauso ist es beim Sinne der Nachhaltigkeit auch. Wir haben Themen, die wir bespielen wollen, wir haben Ziele, die wir mit der Kommunikation erreichen wollen, wir haben Zielgruppen definiert und eine Wirkung, die wir erreichen wollen. Aber wir unterscheiden eben nicht nur im Sinne der Impact-Messung für Nachhaltigkeit oder der ganze andere Kommunikations-Krams.
[00:26:00.030] - Alexander Balow
Es ist ja auch diese herausgehobene Position vielleicht von Nachhaltigkeitskommunikation der Neuheit des Themas, vielleicht auch ein Stück weit geschuldet. Und das ist auch etwas, was wir in vielen Projekten beobachten. Wenn es in die Strukturen geht, wenn es verstetigt wird in den Organisationen, dann wird das auch Ein Thema, was gleichberechtigt neben vielen anderen steht, aber was halt organisch immer mitschwingt, immer mitgedacht wird und so ein bisschen von dieser herausgehobenen Geschichte in Anführungszeichen verliert, aber dadurch auch mehr Normalität bekommt. Also das ist durchaus etwas, was wir an ganz vielen Stellen auch beobachten.
[00:26:37.070] - Ina Teloudis
Ja, ich würde gerne noch mal von dir wissen, du hast es ja vorhin schon einmal kurz anklingen lassen, also das Thema Nachhaltigkeit ist gar nicht mehr so im Fokus bei den unterschiedlichsten Zielgruppen, vielleicht auch bei den Studierenden gar nicht mehr so. Da muss man natürlich andere Mittel und Wege finden, um irgendwie sein Schäfchen ins Trockene zu bringen und das zu kommunizieren, was man kommunizieren möchte. Habt ihr da irgendwie neue Wege beschritten? Habt ihr was ganz Wildes gemacht und spielt jetzt Nachhaltigkeitsthemen-Community in TikTok beispielsweise? Oder habt ihr da irgendwie euch mit auseinandergesetzt?
[00:27:07.550] - Katrin Greve
Im Prinzip setzen wir uns damit wirklich permanent auseinander. Natürlich schauen wir uns auch das an, wie performen unsere Reels auf Social Media, welche Themen laufen, welche laufen nicht so gut. Ja, wir haben das beobachtet, dass zum Teil das Interesse nicht gegeben ist. Aber vielleicht eher dann, wenn eben genau das Thema, was hat das mit mir persönlich zu tun, nicht im Fokus stand. Also wenn man zum Beispiel vielleicht über eine Veranstaltung berichtet hat, die stattgefunden hat, wo eben doch vielleicht nicht so viele Studierende oder Beschäftigte oder Wissenschaftler:innen gekommen sind, dann ist das etwas, was verpufft. Das ist ein Thema, was einfach schlichtweg nicht existiert. Und dementsprechend versuchen wir einfach noch mal wieder kleiner zurückzugehen und wirklich eben zu schauen, wie betrifft das Thema mich? Denn die Eingangsfrage war ja vorhin, das ist ein großes Thema. Es ist auch so ein Begriff, wo viele erst mal sagen: Ja, das jetzt auch noch? Oder: Ich höre es aber schon seit 15 Jahren. Genau, was muss ich tun? Und ich glaube, dass genau das Thema ist ja auch Thema mit dem Klimawandel. Unser Exzellenzcluster Klimaforschung hat genau diese Herausforderung, dass wir sozusagen immer in Wellenbewegung unterwegs sind. Zu Zeiten von Fridays for Future war das Thema virulent und aktiv in allen Kommunikationskanälen und wir konnten uns vor Anfragen gar nicht retten, hatten dann aber auch die Herausforderung, immer wieder zu gucken, wie gehen wir damit um? Wir bieten eine wissenschaftliche Expertise, aber wir sind nicht diejenigen, die am Ende politische Entscheidungen treffen. Und genauso ist es beim Thema Nachhaltigkeit, glaube ich, auch. Wir wollen vor allen Dingen darauf setzen, unsere wissenschaftliche Expertise für diesen Bereich— das ist ja auch noch mal ganz entscheidend, nicht nur im Sinne von, wie profilieren wir uns hier als Institution, sondern welche Expertise haben wir in allen Bereichen der Nachhaltigkeit, also sozusagen der Brainprint, ne— die eben noch mal wirklich stärker auch in den Vordergrund zu heben und eben über viele, über Lobbyarbeit, über Gremienarbeit, über aktive Mitarbeit in irgendwelchen Organisationen, eben wirklich dieses Thema immer noch mal wieder auf die Agenda zu setzen und gleichzeitig dann aber zu versuchen, es so runter zubrechen, dass jede, jeder Einzelne eben nicht gleich sagt: Das ist mir zu groß, ich steig da jetzt aus, ich mache lieber gar nichts. Wie beim Thema Klimawandel ja auch gerne mal, sondern eben mit kleineren Geschichten zu kommen und zu sagen: Doch, es berührt uns eben alle. Du bist mittendrin, du bist auch Teil des Transformationsprozesses. Aber was genau ist es im Konkreten, im Kleinen? Und was macht es mit dir? Und wie kannst du vielleicht auch deinen Beitrag dazu leisten in deinem Verhalten, in deinem Agieren oder auch in deinem Denken?
[00:29:41.320] - Ina Teloudis
Das muss relatable sein, ne?
[00:29:43.800] - Alexander Balow
Ja, schönes Wort. Du hast gerade auch die Herausforderungen angesprochen. Wir haben es in der letzten Zeit immer stärker erlebt, wie halt auch die Regulierung in dem Bereich gerade zuschlägt. Also das Thema CSRD, also die Nachhaltigkeitsberichterstattungsregeln, für bestimmte Unternehmen, die ja auch wirklich sehr umfassend sind. Und jetzt kriegen wir ja auch für die Kommunikation irgendwie Regelwerke, was gesagt werden darf und was nicht. Was durchaus, und ich meine das keinesfalls kritisierend, was durchaus auch seine Berechtigung hat, weil bestimmte Aussagen in diesem Umfeld in der Vergangenheit auch wirklich überstrapaziert wurden. Also denn das Wörtchen grün oder nachhaltig oder klimaneutral Ja, das ist ja auch einfach ausgeufert, was alles klimaneutral ist, obwohl bestimmte Dinge dann maximal klima neutralisiert sind, weil sie irgendwie durch Kompensation klimaneutral gemacht wurden. Worauf ich hinaus will: Es gibt ab September mit der EMCO ein Regelwerk, was die Kommunikation hier noch mal stärker reguliert. Das heißt, Begrifflichkeiten müssen, oder Aussagen vielmehr, in dem Thema, in dem Umfeld Nachhaltigkeit müssen belegbar sein. Für mich ist die Frage also zum einen, wie stark tangieren solche Dinge auch deine Arbeit? Weil es ist ja also, dass etwas geregelt wird, haben wir im, wenn ich jetzt als Beispiel das Thema Exzellenz nehme, ja nicht in dem Umfang wie vielleicht hier bei Nachhaltigkeit. Also was macht das mit deiner Arbeit und wie geht ihr da vor? Also das ist ja jetzt auch etwas sehr, sehr Umfassendes. Wer viel kommuniziert, bietet automatisch viele mögliche, auch Angriffspunkte für solche Dinge. Checkt ihr jetzt Seite für Seite, ob ihr irgendwo Formulierungen verwendet, die halt nicht mehr okay sind, die ihr verändern müsst? Was macht ihr da?
[00:31:38.850] - Katrin Greve
Das ist eine gute Frage. Vielleicht unterhalten wir uns in einem Jahr noch mal darüber, weil, ehrlich gesagt habe ich noch keine gute Antwort darauf. Wir stehen sozusagen gerade erst am Anfang und ich würde denken, im Sinne des pragmatischen Vorgehens werden wir es genauso machen wie bei all den anderen Themen, die rund um das Thema Datenschutz, rund um das Thema Transparenzgesetz, rund um das Thema KI die eben auch letztlich uns aufgebürdet werden, aber im Sinne einer natürlich zu Recht eingeforderten Transparenz. Und ich denke, wenn wir, wir haben vorhin das Thema Ehrlichkeit angesprochen, wenn wir ehrliche Kommunikation machen wollen, und am Ende stehe ich dafür auch, dass wir eben nicht nur eine PR-Arbeit machen, sondern dass wir auch ehrlich und transparent und offen und partizipativ kommunizieren und in den Dialog eben wirklich in den echten einsteigen. Dann müssen wir natürlich auch, so wie es die Wissenschaft auch macht und wissenschaftliches Arbeiten natürlich beinhaltet, auch zeigen, wo die Dinge herkommen, sie belegbar machen, Quellenangaben und prüfen und schauen, ob es wirklich etwas ist, was wir so veröffentlichen können. Trotzdem, und deswegen sagte ich, in einem Jahr weiß ich vielleicht ein bisschen mehr, werden wir uns natürlich auch im Sinne der Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, fragen müssen, die schnelllebige Social-Media-Kommunikation, das permanente Community-Management, was stattfindet, Fangen wir dann an, weniger zu machen, weil wir schlichtweg die Ressourcen nicht haben oder weil wir uns angreifbar machen? Ich hoffe nicht. Das ist genau das Gleiche, was ich in der Wisskomm-Beratung ständig mache. Bitte lasst es nicht sein, aktiv zu sein. Denn im Zweifel ist das, was gerade die Wissenschaftler:innen kommunizieren, und ich hoffe auch wir als öffentlich geförderte Institution, immer noch mehr überprüft als so vieles, was in der lauten und schrillen Social-Media-Bubble passiert. Aber es ist eine Herausforderung, das glaube ich ganz bestimmt.
[00:33:28.640] - Alexander Balow
Das, die andere Seite der Medaille, neben den Herausforderungen sind natürlich auch so Chancen. Also siehst du irgendwo noch Potenzial, was ihr aktuell noch nicht gehoben habt, wo du gerade aus Sicht der Kommunikatorin vielleicht auch Potenzial siehst, Reichweiten zu vergrößern, Sichtbarkeit zu erhöhen, Nachfrage zum Beispiel auf Studierendenseite vielleicht so ein bisschen zu forcieren? Gibt es da noch so irgendwo einzelne Dinge?
[00:33:54.650] - Katrin Greve
Also unbedingt. Ich glaube, das, was wir eben schon in unseren Organisationsstrukturen und auch in der Kultur des Miteinanders wirklich tagtäglich umsetzen, das würde ich gerne auch noch in der Kommunikation stärker verankern. Das heißt wirklich die Öffnung auch unserer Kommunikationskanäle und Formate für alle. Also für alle ist jetzt wahrscheinlich ein bisschen zu viel, aber zumindest sozusagen für die, die wirklich als Stakeholder und als eine Art Influencer eben auch für ihre Themen stehen und das eben noch stärker zu versuchen, den Personen wirklich eine Stimme zu geben. Ich meine, der Change ist längst da. Es ist nicht mehr die Kommunikationsabteilung, die kommuniziert, es ist jede Wissenschaftlerin, jeder Wissenschaftler selbst. Aber es sollten auch verstärkt eben wirklich Studierende sein, Lehrende sein, die eben wirklich dazu auch etwas beitragen können und die noch stärker in den Vordergrund zu rücken und ihnen die Möglichkeiten, die Reichweite zu bieten. Ich glaube, da können wir auf jeden Fall noch einen Schritt weitergehen.
[00:34:50.130] - Alexander Balow
Okay, ich habe eine letzte Frage, weil ich glaube, das ist für viele, die uns zuhören, ein wichtiger Punkt, weil nicht alle so weit sind, wie ihr das vielleicht seid. Und übrigens wollte ich noch unbedingt darauf hinweisen: uni-hamburg.de/nachhaltigkeit ist eine super Anlaufstelle, um dort halt auch noch mal zu sehen, wie ihr das Thema kommuniziert. Aber was wäre denn dein Tipp an andere Kommunikator:innen, die mit diesem Thema vielleicht jetzt erst starten oder stärker oder mehr damit machen wollen. Was würdest du denen empfehlen? Was würdest du denen mitgeben?
[00:35:23.990] - Katrin Greve
Ich würde nicht mit der Kampagne starten. Startet mit der Kultur, startet bottom-up mit dem Zuhören, mit dem Dialog, mit dem Austausch. Und ich glaube, dann entstehen wirklich auch die besten Ideen, gerade wenn man intern eben es in der DNA stärker verankern möchte. Und dann entstehen auch wirklich die Ideen für die Reichweite da draußen, für das Thema sichtbar zu machen und auch eine starke Stimme zu erheben. Aber fangt erst intern an.
[00:35:49.530] - Ina Teloudis
Das gilt ja eigentlich bei allen Transformationsprozessen. Also das ist ja das goldene Gesetzbuch der Transformation. Mach es nicht top-down, frag, sprich.
[00:35:59.390] - Katrin Greve
Das ist richtig. Und trotzdem möchte man ja innerhalb von 3 Wochen Ergebnisse sehen. Also denkt jeder im Sinne der Kampagne. Und manchmal braucht es einen längeren Atem. Und ich glaube auch da ganz entscheidend, Sich kleine Seeds, wirklich kleine Seeds setzen und die oben setzen, dass es greifbar ist und dann den langen Atem und Durchhaltevermögen beweisen. Denn das ist am Ende auch ein Marathon.
[00:36:21.060] - Alexander Balow
Ein sehr guter Freund von mir pflegt den Satz: Groß denken, klein anfangen.
[00:36:25.610] - Ina Teloudis
Ja, so viel, was alles auf die Zitate Kacheln kann nachher. Mensch, Leute. Ja, Mensch, danke, Katrin, dass du so ein bisschen uns hast gucken lassen und so ein bisschen erzählt hast von deinem Weg, von eurem Weg, vom Weg der Uni Hamburg. Und du weißt, wir haben euch ganz genau im Blick.
[00:36:43.120] - Katrin Greve
Ja, vielen Dank. Ich hoffe, dass es nachhaltig wirkt.
[00:36:45.590] - Alexander Balow
Vielen Dank, Katrin.
[00:36:46.870] - Katrin Greve
Danke euch für das schöne Gespräch.
[00:36:48.630] - Ina Teloudis
Ja, dann lass uns mal gucken, was nehmen wir mit aus dieser Folge? Alexander, magst du mal sagen, was so deine 2, 3, 4, 5, wie viel auch immer, wichtigsten Takeaways sind?
[00:36:58.570] - Alexander Balow
Mal gucken, wie viele es werden. Ja. Also ich finde das vorweg ziemlich spannend, wie dieses Thema in dem Team von Katrin, aber an der Universität Hamburg tatsächlich aufgestellt ist. Ich finde, und es ist immer gut, wenn wir tatsächlich uns auch an Leuchttürmen letztlich orientieren können. Und das hilft viel. Und damit bin ich auch gleich bei meinem ersten Learning, was für mich jetzt nicht neu ist, aber was noch mal eine Bestätigung ist für den Aspekt, auch den Prozess schon zu kommunizieren. Und das, was wir mit Kathrin eben erlebt haben, ist ja auch letztlich eine Beschreibung dieses Prozesses. Es bietet Orientierung, es bietet auch eine Nähe und ein Verständnis für diese Themen. Ich möchte das noch mal wiederholen, ich habe es ja auch schon in dem Gespräch gesagt, ich bin ein großer Freund von Offenheit und Transparenz in der Kommunikation und würde da das Thema Fails und Konflikte, die gehören einfach dazu und die können auch kommuniziert werden, das bekommt man hin, das bekommt man auch gut hin, das bekommt man auch wirkungsvoll hin, als mein erstes Learning noch mal anführen. Learning 2 ist für mich tatsächlich so ein bisschen auch dieses Vokabular, was Katrin verwendet hat.
Also nicht nur den Fußabdruck, also den Footprint und den Handprint, die natürlich geläufig sind, sondern auch noch mal der Brainprint und der Heartprint. Und am Ende aber mit dem Schlüssel Kultur, Organisationskultur. Und das hat Katrin ja auch noch mal sehr gut aufgezeigt, wie wichtig das ist, dieses Thema auch in die Organisation zu bekommen, in der Organisation zu verankern und als letztlich Prinzip in dieser Organisation zu implementieren. Und darin liegt auf jeden Fall der Schlüssel auch für den Erfolg in Transformationsprojekten jeglicher Art. Das ist ja kein Thema für Nachhaltigkeitskommunikation, sondern tatsächlich dieses von unten heraus es wachsen zu lassen. Das war auch Ihr Tipp am Ende oder Ihre Empfehlung zu sagen: Fang unten an und lass es dann wachsen und am Ende vielleicht eine Kampagne und nicht umgekehrt.
[00:38:58.640] - Ina Teloudis
Nicht andersrum.
[00:38:59.760] - Alexander Balow
Genau, das ist mein Punkt 2 gewesen. Der dritte Punkt ist tatsächlich die Art, wie Sie die Nachhaltigkeitskommunikation in Ihre ganzen Themen mit einsortiert, um um letztlich die Themen organisch auch miteinander zu verweben. Nicht zu sagen, ich mache jetzt hier etwas zum Thema Nachhaltigkeitskommunikation, sondern es kommt mehr und mehr in die Kommunikations-DNA der Universität Hamburg. Es schwingt bei diesen Themen immer mit, es wird immer berücksichtigt, es ist immer präsent. Und genau diese organische Verbindung dieser Themen ist für mich so mein drittes Learning.
[00:39:39.350] - Ina Teloudis
Okay, eine ganze Menge.
[00:39:40.560] - Alexander Balow
Siehste, 3 sind es geworden.
[00:39:41.850] - Ina Teloudis
3, wir haben nachgezählt. Sehr schön. Vielen, vielen Dank, Alexander, dass du dir auch Zeit genommen hast, uns so ein bisschen zu plaudern und zu erzählen, was deine Erfahrungen sind, und vor allem natürlich auch vielen Dank für die Einladung. Das machen wir gerne mal wieder. Das war sie, Folge 18. Wir sind durch. Inside Hochschulkommunikation von Expert:innen für Expert:innen rund um Kommunikation, PR, Marketing und Digitalisierung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Powered by Bundesverband Hochschulkommunikation und Mandarin Edu.