Folge 15: Zwischen KI-Guide und Plattform-Check: Live-Impulse vom Barcamp 2026
Inside HKomm - Der Podcast
KI-Chatbots auf der Website, automatisierte Studienberatung und das ständige Stühle-Rücken auf den Social-Media-Plattformen: Die digitale Hochschulkommunikation bewegt sich schneller denn je. Aber wie viel Automatisierung verträgt die persönliche Beratung? Und auf welchen Kanälen müssen wir 2026 wirklich noch präsent sein?
In Teil 2 unserer Live-Aufnahme vom Hochschul-Barcamp in Essen blicken wir hinter die Kulissen zweier intensiver Sessions. Zuerst diskutieren wir mit Simone Jawor-Jussen (Uni Düsseldorf), warum KI in der Studienberatung kein Ersatz für den Menschen ist, sondern eine Chance, die "Basic-Fragen" endlich effizient zu klären. Wir sprechen darüber, wie ein KI-gestützter Leitfaden für Studieninteressierte helfen kann und warum die individuelle Beziehungsarbeit gerade durch die Technik an Wert gewinnt.
Im zweiten Teil der Folge macht Benjamin Gottstein (FH Dortmund) mit uns den großen Kassensturz der Social-Media-Kanäle. Von der unverzichtbaren Rolle von Instagram über die überraschende Relevanz von Facebook im internationalen Marketing bis hin zum Potenzial des Fediverse. Eine Folge über Ressourcen, Relevanz und den Mut, Kanäle auch mal bewusst zu ignorieren.
[00:00] Ina Teloudis: Willkommen zurück bei Inside Hochschulkommunikation. Das hier ist Teil 2 unserer Live-Aufnahme vom Hochschul-Barcamp 2026 in Essen. Wenn ihr den ersten Teil noch nicht gehört habt: Einmal zurückspulen, springt zurück und hört euch noch mal die vorherige Folge an. Es lohnt sich. Ich bin Ina Teloudis und auch wenn das Hochschul-Barcamp 2026 in Essen inzwischen ein kleines bisschen her ist, wirken die Gespräche, die Impulse und Ideen immer noch kräftig nach. Es waren wirklich intensive Tage mit vielen Sessions, Diskussionen und ganz viel Geschnacker rund um Social Media, um Content und natürlich die großen Fragen der Hochschulkommunikation. Und genau daran knüpfen wir jetzt in Teil 2 an. Simone von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat nach ihrer Session auch den Weg zu uns ins Podcast-Studio gefunden. Schön, dass du da bist. Erzähl mal: Wer bist du, woher kommst du, was machst du und was war das Thema deiner Session?
[01:03] Simone Jawor-Jussen: Ja, hallo, danke für die Möglichkeit, hier ein bisschen zu erzählen, was ich auf den Hochschul-Barcamps auch erlebt habe schon. Ich bin Simone Jawor-Jussen von der Uni Düsseldorf, bin dort seit vielen, vielen Jahren hauptsächlich in der Studienberatung, allerdings in den letzten Jahren schwerpunktmäßig im NRW-Talentscouting tätig. Und habe es mir, eigentlich schon seit Beginn meiner Tätigkeit dort immer zur Aufgaben gemacht, wir sagten auch gerne mal ganz basic: Alles, was mit Strom läuft. Egal, ob es um irgendwelche Warte-Aufrufanlagen ging oder irgendwelche E-Mail-Supportsysteme oder Wikis – Wiki-Entwicklung, Wissensmanagement – und Social-Media-Aufbau. Genau, das haben wir dann da innerhalb unserer Abteilung auch eigenhändig, auch teilweise ja als Starter angefangen vor vielen Jahren schon und ja.
[02:02] Ina Teloudis: Das ist natürlich eine große Zeitspanne, von der wir jetzt reden. Da hat sich ja wahrscheinlich wahnsinnig viel entwickelt. Bist du auch schon so lange hier am Barcamp mit dabei?
[02:12] Simone Jawor-Jussen: Genau, ich bin eine der Teilnehmerinnen der ersten Stunde quasi. Ich war bei dem ersten Hochschul-Barcamp dabei, hatte davon mitbekommen, weil ich einen der Organisatoren vorher schon über einen anderen Fachverband, die Tagung, kennengelernt habe und wir da eben diese Gemeinsamkeit mit den digitalen Themen hatten. Und ja, wir waren dazu eben viel im Kontakt und ich habe in diesem Fachverband dann auch einen Arbeitskreis zum Thema Studienberatung mit digitalen Themen gegründet und das habe ich damals mit dem Philipp noch zusammen gemacht. Ja, so ist es dann gekommen und von quasi vom ersten Barcamp an war ich immer begeistert dabei, weil hier bekommt man immer mit, was hautnah passiert an Hochschulen in der Kommunikation, in der digitalen Kommunikation. Und man bekommt auch die ganzen Trends mit und die ganzen Themen: Was funktioniert, was funktioniert nicht? Was kann man nachsteuern? Wie kann man Kommunikation auch am besten mit den Zielgruppen, die die jeweiligen Bereiche von Hochschulen oder Abteilungen von Hochschulen eben betrifft, wie kann man das eben auch optimieren und verbessern?
[03:22] Ina Teloudis: Und du hattest eine Session gestern. Ich weiß nicht, ob du heute auch noch eine hast, aber du hattest gestern eine Session. Magst du mal erzählen: Was war der Titel und worüber habt ihr gesprochen?
[03:32] Simone Jawor-Jussen: Ja, es war auch nicht das erste Mal, dass ich eine Session mit angeboten habe. Ich habe auch schon mal vor einigen Jahren mit einer Kollegin eine Session angeboten. Es geht schon auch immer um das Thema, mit Studieninteressierten in Kommunikation zu sein und – sei es dann Online-Beratung oder eben Social-Media-Kanäle – wie man die Studieninteressierten oder die Zielgruppen erreicht, auch mit den Studierenden die Kommunikation optimiert eben, was die Studienberatungsthemen anbelangt. Ja, also wir haben da, sind mit unserer Hochschule auch eng im Austausch und im Kontakt, was eben das Studierendenmarketing anbetrifft und auch die normale Öffentlichkeitsarbeit. Und haben da auch eine gute Regelung gefunden, an welcher Stelle das eben eher unser Thema ist und an welcher Stelle das eben ein Hochschulthema ist. Ja, und ein gemeinsames Schnittstellenthema ist natürlich jetzt das Thema KI, was nicht nur unseren Arbeitsalltag betrifft – da sind wir natürlich auch mit unserer Hochschulverwaltung im Grunde genommen da im engen Austausch und auch in der Entwicklung – aber vor allem spielt das auch eine Rolle in der Beratung, in der Studienberatung. Studierende oder Studieninteressierte arbeiten mit KI. Sie tun es nicht nur im Schulalltag, sondern auch im privaten Leben. Und deswegen hat uns das halt ja schon umgetrieben, auch schon ein bisschen länger. Und es ist auch Thema in unserem Arbeitskreis Studienberatung Digital. Und mich hat halt hier noch mal interessiert, weil es ja schon ein Nischenthema ist im Barcamp mit dem Studienberatungsfokus: Wer hat denn noch Interesse daran zu erfahren oder weiß, was sind so die Entwicklungen im Austausch zum Thema Studienorientierung?
[05:32] Ina Teloudis: Wir reden jetzt nicht nur von "Oh ja, wir haben KI-Chatbot", sondern auch ChatGPT, Gemini als potenzielle Suchmaschine, richtig? Oder in welche Richtung geht das?
[05:43] Simone Jawor-Jussen: Genau, es gibt verschiedene Aspekte. Der eine Aspekt ist natürlich der: Es wäre optimal, wenn wir Kommunikation mit den Ratsuchenden mit den Fragestellungen so optimieren könnten, dass wir die ganzen Basic-Fragen schon vorab geklärt haben mit Hilfe von KI. Also das, was als simple Anfrage mit "Welche Fristen herrschen denn hier?" und "Wo finde ich denn das?", dass das schon irgendwie geregelt wird. Deswegen ist das auch gestern großes Thema gewesen im Austausch: Wie kann man das verbessern? Ein Chatbot auf der Webseite mit KI oder gibt es andere Lösungen, andere Möglichkeiten? Und da bestehen schon auch noch ein paar Fragen: Wie kann man das umsetzen und wie lange ist denn die Entwicklung? Es gibt auch ein Produkt in NRW, was entwickelt wurde in Kooperation mit der Fernuni Hagen, das einen Chatbot mit KI-Assistant bereitstellt, und das soll auch dieses Jahr an den Start gehen. Es gibt eine mehrjährige Testphase, die gelaufen ist, und dieser Chatbot ist optimiert eben darauf, dass Studierende und Studieninteressierte im Grunde genommen mit ihren Fragestellungen dort gut aufgefangen werden. Und da haben wir gestern ein bisschen ausführlicher drüber gesprochen. Ich bin natürlich jetzt keiner von den Entwicklern, ich habe das allerdings auch mitbekommen die letzten Jahre und ist auf jeden Fall eine interessante Lösung.
[07:12] Ina Teloudis: Was läuft denn schon aktuell an Hochschulen in Sachen KI und Studienberatung? Habt ihr da so einen Abriss machen können?
[07:19] Simone Jawor-Jussen: Also hier waren wir jetzt nicht so eine große Gruppe. Wir waren jetzt acht oder neun Leute. Auch nicht nur außer Studienberatung, wir waren glaube ich nur zu dritt von Studienberatung und alle anderen waren aus dem Studierendenmarketing und anderen Stellen. Und wir beobachten aber, dass der Stand, wie Hochschulen KI-Anwendungen bereitstellen, sehr unterschiedlich aufgestellt ist. Das nimmt aber gerade Fahrt auf und dass eben die Frage hier besteht: Wie kann man das denn in den Arbeitsalltag einfügen, sodass es Studienberatungen dabei unterstützt, zeitgemäß und anfragengemäß zu bearbeiten? Weil der Workload natürlich in allen Bereichen überall steigt mit dem hohen Pensum und der Geschwindigkeit. Was auch jetzt alles möglich ist, wird es ja immer mehr.
[08:14] Ina Teloudis: Mehr Kanäle.
[08:15] Simone Jawor-Jussen: Richtig. Ja, ja, das ist also ein Rattenschwanz ohne Ende. Und auch so eine KI, die musst du ja auch erst mal anlernen und dich damit auseinandersetzen. Gab es Überraschungen gestern für dich in der Session, wo du sagst: "Okay, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet" oder wie lief das ab?
[08:35] Simone Jawor-Jussen: Also alle, die da waren, waren auf jeden Fall schon mal gut aufgestellt. Die stehen genauso vor der Frage: Wie kann ich den Ratsuchenden, gerade den – also es ist eigentlich egal, welche Altersgruppe – wie kann ich denen denn erklären, dass ein ChatGPT, dass das ein Sprachmodell ist und kein Recherche-Tool? Auch wenn natürlich die Fähigkeiten hier auch sich rasant verbessert haben in den letzten Monaten, ist es dennoch so, dass es ja eigentlich eher für eine Reflexion, für einen Ideengeber oder sonst was gut funktionieren könnte. Und uns scheint gleichermaßen alle umzutreiben, dass es gut wäre, vielleicht eine Art Studienberatungsleitfaden zu entwickeln für einen gescheiten Prompt. Man muss auch immer davon ausgehen, dass das, was bereitgestellt wird, selbst wenn ich einen Muster-Prompt für mich anpasse für meine individuellen Belange – und das war auch unser Tenor gestern –, dass wir immer wieder festgestellt haben, wie wichtig und gerade heutzutage... es war schon vorher, ne, wenn ich in eine Einzelberatung gegangen bin, ging es natürlich um mich, um meine individuellen Bedürfnisse und Belange und Ziele und Werte. Aber dass das gerade in der Recherche jetzt auch viel wichtiger geworden ist. Vorher wollte ich nur wissen: Was gibt es wo? Jetzt habe ich ganz anderen Anspruch als Ratsuchender, möchte wissen: Was gibt es wo, was zu mir passt?
[10:10] Ina Teloudis: Was passt ganz genau auf meine Bedürfnisse, von denen ich vielleicht auch noch gar nicht richtig weiß, dass ich sie habe. Das kommt ja noch dazu.
[10:17] Simone Jawor-Jussen: Richtig. Und wo ich noch nicht mal weiß, welche Fragen ich stellen muss. Denn weiß ich, dass ich vorher erst mal dem Chatbot sagen muss oder dem Tool sagen muss: "Hallo, ich habe ein Vollabitur" oder "Ich habe kein Vollabitur", "Ich habe den und den Schulabschluss"? Also das sind so Voraussetzungen, die ich als Ratsuchender ja erst mal nicht weiß, wo ich aber als Professional sagen kann: "Ja, so und so."
[10:43] Ina Teloudis: Das klärst du ganz schnell nebenbei ab, ne?
[10:45] Simone Jawor-Jussen: Genau, richtig. Und das wäre natürlich die charmante Lösung dann, wenn man das bereitstellt, wenn sich jemand auf ein Studienberatungsgespräch vorbereiten möchte oder noch nicht weiß, in welche Richtung man sich orientieren möchte, dass ich aber vielleicht schon mal meine Vorbereitung mit Hilfe eines Sprachmodells irgendwie abwickeln kann. Und das ist auf jeden Fall etwas, was auch einen Vorzug bieten kann. Und hier jetzt da in die Entwicklung zu gehen und auch eine Testphase zu haben und sich klarzumachen: Wenn jemand Claude oder ChatGPT Mini oder eine Pro-Version verwendet, dass die Ergebnisse auch unterschiedlich ausfallen können.
[11:30] Ina Teloudis: Wahrscheinlich kann ich mir die Frage auch fast selber beantworten, nachdem wir jetzt kurz gesprochen haben, aber so ganz ohne Mensch wird es natürlich nicht gehen, ne?
[11:40] Simone Jawor-Jussen: Und das ist das Schöne dabei, ne? Wenn wir jetzt immer diese Fragestellung hören: "Ja, KI löst uns ab und braucht man meinen Beruf noch?" Nein! Wir dürfen uns mit der Vorstellung einfach vertraut machen, dass wir ohne KI alle nicht mehr arbeiten werden. Unser Leben damit auch durchsetzt sein wird. Aber es wird den Menschen nicht ersetzen. Ich habe schon ganz oft von Ratsuchenden gehört oder von meinen – wir reden im Talentscouting von Talenten – "Ja, ich habe schon mal ein bisschen mit ChatGPT gequatscht, aber jetzt wollte ich doch mal mit einem Menschen reden." So. Und das ist auch am Ende das, was wir sehr oft in unseren Fragestellungen erleben. Also die Hochschulen haben ja Studierenden-Services, wo man anrufen kann, wo man Mails hinschreiben kann. Und ganz oft ist es so: "Ja, kann ich nicht doch noch mal in die Sprechstunde kommen? Ich habe zwar jetzt ein paar Fachfragen, aber so richtig..."
[12:44] Ina Teloudis: Und Studienberatung hört ja auch nicht auf, wenn ich mich für einen Studiengang entschieden habe und dann studiere.
[12:50] Simone Jawor-Jussen: Genau, weil dann kommen oft die anderen Fragen nämlich: wenn die Studienorganisation an irgendwelchen Stellen hapert. Weil wir sind ja nicht nur Student, wir sind ja auch noch Tochter oder Freund oder was auch immer und müssen unseren Lebensunterhalt bestreiten oder es gibt so viele Fragen und so viele Herausforderungen, die dann zu stemmen sind, und da kommt Studienberatung auch immer wieder ins Spiel.
[13:16] Ina Teloudis: Ja, das ist doch ein schöner Abschluss. Also ganz ohne uns und euch wird es nicht gehen.
[13:21] Simone Jawor-Jussen: Richtig.
[13:22] Ina Teloudis: Simone, das war es schon. Vielen, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.
[13:26] Simone Jawor-Jussen: Sehr gerne.
[13:27] Ina Teloudis: Und ab in die nächste Session.
[13:28] Simone Jawor-Jussen: Vielen Dank. Tschüss, euch noch einen schönen Tag!
[13:32] Ina Teloudis: Unser nächster Gast ist Ben, Ben Gottstein. Viele, viele Sessions hat er gemacht. Dem ein oder anderen Barcamp-Teilnehmer dürfte er aber auch als Showmaster des Pub-Quizes am Samstagabend in Erinnerung sein – das ist eine schöne Tradition hier auf dem Barcamp. Ben, erzähl mal: Du hattest eine Session zum Thema Social-Media-Kanäle. Magst du noch mal erzählen, was genau der Name deiner Session war und was du eigentlich im normalen Leben wo so machst?
[14:02] Benjamin Gottstein: Ja gerne. Ich bin Ben, ich bin Social Media Manager an der Fachhochschule in Dortmund zusammen mit einer Kollegin zusammen. Und mache das jetzt seit über zehn Jahren bei uns an der FH, habe die Kanäle dort komplett aufgebaut und natürlich auch das Kommen und Gehen der einen oder anderen Plattform mitgemacht. Und für uns stellt sich natürlich immer wieder die Frage: Auf welchen Plattformen müssen wir unbedingt vertreten sein, auf welchen sollten wir sein, auf welchen können wir sein und welche können wir eigentlich komplett streichen oder ignorieren? Und man ist ja immer so in seinem eigenen Süppchen so ein bisschen, sage ich mal, und da war natürlich die Überlegung zu sagen: Komm, lass uns mal das Barcamp-Format nutzen und da einfach mit allen anderen oder mit denen, die interessiert sind, diskutieren, ob wir ja auf der einen oder anderen Plattform noch vertreten sein müssen, auf welche Plattformen wir gehen sollten oder auf welcher wir sein könnten. Deswegen hieß meine Session auch "Social Media – Place to be".
[15:06] Ina Teloudis: Okay. Ich würde gerne gleich einmal von dir wissen, was so die Quintessenz war, aber erst mal: Gab es Überraschungen? Gab es Menschen, die reinkamen und sagten: "Leute, der heißeste Scheiß ist Pinterest"? Wie lief das ab? Oder habt ihr erst mal nur gesammelt?
[15:23] Benjamin Gottstein: Tatsächlich hatte ich natürlich ein bisschen was vorbereitet und hatte mal alle möglichen Netzwerke, die mir so eingefallen sind, schon mal abgespeichert und dann haben wir einfach in einer PowerPoint, die gemeinsam gestaltet... hatten vier Spalten: eine hieß "Place to be" – also wo sollen wir sein? –, "Should be" – wir sollten dort sein –, "Could be" – wo wäre es vielleicht ganz gut zu sein, könnte man sein – und einmal auch "Maybe not" – also wir sollten da auf gar keinen Fall sein, das hat sich erledigt für uns aus verschiedenen Gründen. Und interessant war eben, dass die Meinung da zumindest teilweise tatsächlich auseinandergingen und teilweise auch sehr stark auseinandergingen, ob jetzt zum Beispiel eine Plattform ein "Place to be" ist oder ob wir da vielleicht nur sein könnten, aber gar nicht so wichtig ist. Und manche Sachen eben auch so ja, für den einen Bereich ja, für den Ads-Bereich sollten wir dort sein, für den anderen könnten wir dort sein. Ja, das ist dann also ein bisschen unterschiedlich gewesen. Und im Großen und Ganzen, glaube ich, haben wir uns dann ganz gut verständigt und auch auf ein paar Punkte geeinigt. Es gab die eine oder andere Person, die ein bisschen vehementer, ein bisschen lauter vielleicht war und für das eine Netzwerk mehr geworben hat und dann weniger Gegenstimmen oder weniger laute Gegenstimmen gefunden hat. Aber am Ende muss das sowieso jeder und jeder für sich selbst entscheiden und für die eigene Hochschule entscheiden, welche Plattform denn da für sie selbst relevant ist und welche sie auch bedienen können. Das hängt ja nicht nur immer nur mit der Relevanz ab, sondern auch mit den Ressourcen.
[16:59] Ina Teloudis: Ressourcen. Genau. Da ist es wieder, das gute alte Ressourcen-Thema.
[17:03] Benjamin Gottstein: Es ist einfach so.
[17:05] Ina Teloudis: Ja, das ist ein Dauerbrenner-Thema. Wir reden ja auch von verschiedenen Zielgruppen dieser Social-Kanäle. Und jetzt gibt es so einen Kanal für alle. Was war da so der absolute Must-be?
[17:18] Benjamin Gottstein: Also es gibt keinen Kanal für alle, das muss man ganz klar sagen. Klar, Instagram – ich glaube, da gab es gar keine Diskussion, da kommen wir nicht drumherum, da müssen wir alle unterwegs sein, das ist wirklich der absolute "Place to be". Natürlich auch dort gibt es Wissenschaftskommunikation, auch dort gibt es Studierendengewinnung sowieso. Unsere Studierenden erreichen wir darüber sowieso gut. Das ist natürlich der Platz, wo wir auf jeden Fall sein sollten. Was so ein bisschen überraschend war, wo ich auch vorher gar nicht drüber nachgedacht hatte so richtig... wir sind dort zwar, aber dass zum Beispiel Google Places auch – oder beziehungsweise Google Business – man vertreten sein sollte. Klar, um die Uhrzeiten alleine einzustellen von Öffnungszeiten, wann sich das ändert, um da auch Bewertungen auch mitzubekommen und so weiter und so fort, ist das glaube ich schon sinnvoll, vor allen Dingen, weil es da ja dann in der Regel nicht nur einen "Place" gibt, sondern für jeden Fachbereich einen, für die Studienberatung einen, für die Bibliothek drei Standorte und so weiter. Und die muss man natürlich auch irgendwo im Blick haben. Hatte ich so für dieses Ranking nicht so im Blick, aber war trotzdem spannend.
[18:31] Ina Teloudis: Was ist mit Facebook? Habt ihr überhaupt über Facebook noch gesprochen?
[18:37] Benjamin Gottstein: Ja, gibt es das noch? Nein, aber also tatsächlich haben wir darüber gesprochen. Wir hatten dann auch gesagt, dass Facebook "Should be" – sollte man noch sein. Warum? Es geht für Gruppen oder auch für regionalen Content kann das spannend sein. Aber – und das fand ich dann auch wieder eine ganz spannende Erkenntnis – ist bei uns ja Thema Internationalisierung bei uns natürlich auch relevant, aber wir haben jetzt nicht so extrem viele internationale Studiengänge im Bachelor. Sind eigentlich alle deutschsprachig, dementsprechend ist das bei uns ein bisschen ja eingeschränkter. Aber gerade für internationale Anfragen ist Facebook eine ganz große Nummer, weil das in anderen Ländern noch deutlich stärker genutzt wird als bei uns ist, gerade auch in der Zielgruppe der Studieninteressierten und auch im Thema Personalgewinnung kann das natürlich auch relevant sein. Definitiv. Also ist noch nicht ganz tot, auch wenn es bei uns ein bisschen aussieht.
[19:35] Ina Teloudis: Ja, man neigt dazu, das zu vernachlässigen, ne? Und vielleicht einfach nur zu spiegeln und zu sagen: "Ach komm, das lassen wir so mitlaufen." LinkedIn ist wahrscheinlich auch ganz klar ein "Place to be".
[19:47] Benjamin Gottstein: Absolut, LinkedIn "Place to be", gerade was Wissenschaftskommunikation angeht, Employer Branding oder auch Alumni-Management oder Kontakt bleiben mit Alumni. Ja, und ein Hinweis, den hatte ich in dem Moment auch nicht... hätte ich jetzt nicht als Argument gebracht, sage ich mal so, aber dass es als Quelle für ChatGPT dienen kann oder dient, ist natürlich auch noch mal so ein Faktor, den man eventuell auch noch mal nutzen kann, gerade weil Studieninteressierte ja aktuell Chatty auch ganz gerne nutzen, um sich zu informieren. Und dann ist das vielleicht auch gar nicht schlecht. Also klar, "Place to be" gehört das auch mit dazu. Genauso wie Google Ads für Ads-Schaltung oder auch TikTok auf jeden Fall für Ads muss auf jeden Fall auch ein "Place to be" sein. Eigentlich auch so – dann sind wir wieder beim Ressourcen-Thema –, deswegen eigentlich "Should be" eher, was den organischen Content angeht. Eher ein "Should be", weil da muss man noch mal unterscheiden: Was ist wichtiger, Instagram oder TikTok? Aktuell eher Instagram. Deshalb Instagram "Place to be", TikTok eher "Should be" für organischen Content, aber auf jeden Fall für Ads ein "Place to be".
[21:04] Ina Teloudis: Haben wir noch mehr "Should-bes"?
[21:06] Benjamin Gottstein: "Should-bes", klar. Wir hatten ja so Übergangsbereiche, wo wir so zwischendrin so ein bisschen geschwankt sind zwischen "Place to be" und "Should be" – ist so YouTube. Also einige machen ja auch YouTube Shorts, aber für organischen YouTube-Content im Querformat, klassisch Video, ist natürlich dann wieder das Ressourcen-Thema – sorry, dass ich das so oft aufgreife, aber es ist halt so. Dafür ist es halt dann gut, auch für internationale Studieninteressierte. Wo es gut funktioniert ist für wenn man anschauliche Vorlesungen hat, die dort zu teilen, da ist der Aufwand dann auch relativ gering. Ja, die Herausforderung ist einfach passende Inhalte dazu zu finden, deswegen so ein bisschen dazwischen. Dann hatten wir noch ja für Wissenschaftskommunikation, für Lehrende, Pressemeldungen – also die Zielgruppen – hatten wir noch BlueSky, das so "Should be" mit leichter Tendenz zu "Place to be" ist. Auch wenn dort natürlich ja – also es ist eine sehr spitze Zielgruppe – so ein bisschen der X- oder Twitter-Ersatz, den man da hat, weil es halt ja vom Twitter-Gründer auch gegründet wurde und dementsprechend natürlich sehr ähnlich funktioniert wie das frühere Twitter, das wir alle noch geliebt haben.
[22:25] Ina Teloudis: Ja, lang, lang ist es her.
[22:27] Benjamin Gottstein: Damals, genau. Und ein Punkt, der sich auch ein bisschen während des ganzen Barcamps für mich so rauskristallisiert hat, ist Mastodon, einfach um unabhängige und datenschutzkonforme Kommunikation zu gewährleisten. Ist das einfach... wir haben es jetzt auch zwischen "Place to be" und "Should be" gestellt, aber die einen sagen auf jeden Fall der wichtigste...
[22:49] Ina Teloudis: Ein bisschen State of the Art so, ne?
[22:51] Benjamin Gottstein: Ja, genau so. Und deshalb so ein bisschen da mit reingestellt, das sind so die Sachen. Und je nachdem, welche Zielgruppe man auch hat, ist so "Should be", "Could be"-Bereich war Twitch. Also gerade wenn man so Gaming-Studiengänge hat, dann ist das natürlich da auch sinnvoll dort unterwegs zu sein, weil da natürlich die Gaming-Community sich auf Twitch tummelt. Nicht nur die, aber auch die, genau. Und Reddit ist auch noch so ein Thema gewesen, was wir hatten, ja.
[23:19] Ina Teloudis: Was ist mit solchen Dingen wie – wenn ich jetzt mal an das Handy meines Sohnes denke, der noch nicht ganz Zielgruppe ist, aber ja dahinwächst mit Schuhgröße 44 – Snapchat? Solche Dinge. Habt ihr über WhatsApp gesprochen?
[23:33] Benjamin Gottstein: Ja, wir haben über WhatsApp gesprochen. Als Kanal auf jeden Fall ein "Could be"-Bereich angesiedelt für den Großteil der Teilnehmenden aus der Session. Allerdings halt eben nicht zur Kommunikation untereinander – also mit den Studieninteressierten oder Studierenden –, alleine wegen Datenschutzthema, ne? Handynummer ist doch noch mal sehr sensibel auch. Aber als Kanal, dass man Infos dort reinschickt für Studieninteressierte, für Studierende, manchmal für Erstis und so weiter gibt es unterschiedliche Hochschulen, die Unterschiedlichstes dort machen. Bei uns selbst auch haben wir zwei Kanäle, einmal für Studierende, einen für Studieninteressierte. Und das ist durchaus was, wo man unterwegs sein könnte. Snapchat allerdings eher nicht. Warum? Es ist doch noch mal... also manche sagen: "Ja, früher war das anders." Für mich war es schon immer reiner Kommunikationsnetzwerk – also kein soziales Netzwerk im eigentlichen Sinne, sondern rein für Kommunikation –, und das ist es glaube ich. Du kannst es vielleicht sogar noch besser beurteilen als ich wegen deinem Sohn, aber das ist natürlich...
[24:37] Ina Teloudis: Ich gucke regelmäßig rein, ja.
[24:39] Benjamin Gottstein: Ja, und das ist ja reine Kommunikation. Die ganzen Stories und alles, was dort passiert, ist ja auch eher fragwürdig, was dann da teilweise ausgespielt wird. Richtig. Und es interessiert die meisten aber auch gar nicht, sondern denen ist wichtig, dass sie ihre Beziehungen – auch die Flammen, die Filter nutzen und so weiter – am Laufen halten und so. Und da kommen wir natürlich schwer rein. Klar, man kann Ads schalten, aber es ist dann doch doch schwierig. Deswegen haben wir gesagt "Maybe not" – also eher eher nicht. Lasst sie irgendwo noch mal einen privaten Bereich. Wir sind in so vielen Bereichen schon dort. Genau.
[25:17] Ina Teloudis: Hast du irgendwas für dich selber mitgenommen aus der Session, wo du sagst: "Oh, da müssen wir jetzt aber ran"?
[25:22] Benjamin Gottstein: Ja, also schon das Thema Fediverse, also offene Netzwerke wie Mastodon oder auch PixelFed, dass wir da auch noch mal verstärkt an das Thema rangehen. Das hatte ich aber vorher auch schon auf dem Schirm, weil wir die letzten Wochen selbst dort intern auch drüber diskutiert haben. Also es sind schon so Sachen, wo wir sagen: "Ja, da könnten wir aktiv sein oder zumindest das auf dem Schirm haben." Thema Discord auch so eine Sache gerade für MINT-Studierende, aber da kommst du auch nicht rein, ne? Das ist natürlich auch so ein abgeschlossenes Thema. Aber das so ein bisschen auf dem Schirm haben. Jodel habe ich sehr, sehr gerne genutzt früher und das ist tatsächlich auch noch ein Thema tatsächlich an der einen oder anderen Stelle, gerade wenn es ums Monitoring geht oder auch um die Ads-Schaltung. Genau. Und ansonsten ja, je nachdem, was man da halt hat, wenn man eine asiatische Zielgruppe hat, weil die Studiengänge oder vielleicht auch die Stadt oder die Hochschule dazu passt, dann WeChat oder sowas könnte man noch überlegen, aber alles andere... ja, Pinterest vielleicht für die Ads-Schaltung, gerade wenn die Zielgruppe sehr weiblich ist. Solche Sachen waren noch, aber am Ende ja für uns selbst habe ich mitgenommen: Okay, wir müssen Richtung Fediverse noch ein bisschen mehr denken und da vielleicht noch ein bisschen aktiver werden und sei es nur um zu zeigen, dass wir diese tech-unabhängigen Netzwerke auch supporten und um das Angebot zu schaffen für diejenigen, die das nutzen wollen. Gar nicht mal, weil wir da jetzt so die große Zielgruppe erst mal aktuell haben.
[27:01] Ina Teloudis: Vielleicht können wir in einem Jahr, wenn wieder Hochschul-Barcamp ist, mal ein bisschen mit exotischen Kampagnen um die Ecke kommen. Also ich rede von so exotischen Kanälen wie Reddit oder vielleicht auch mal Spotify. Das ist ja auch... also alles, was so ein bisschen rausbewegt aus dem Google-Ads-Kosmos, dass man sagt: Welche Erfahrung habt ihr gemacht, Pinterest-Ads und so weiter und so fort. Wäre auch noch mal spannend, ne?
[27:24] Benjamin Gottstein: Ja, gut, dass du sagst. Also Spotify und Apple Podcast war natürlich auch der "Place to be", wenn man einen Podcast hat und eben gegebenenfalls für Ads dann auch relevant. Und deswegen da der "Place to be" durchaus ja.
[27:40] Ina Teloudis: Ja. Okay. Vielen Dank, Ben, dass du noch mal ein bisschen zusammengefasst hast, worüber ihr gesprochen habt.
[27:45] Benjamin Gottstein: Sehr gerne. Ja, vielen Dank, dass ihr mich da mit dazu genommen habt.
[27:49] Ina Teloudis: Das war sie, Teil 2 der Sonderfolge vom Hochschul-Barcamp 2026 hier bei Inside H-Komm. In 14 Tagen hören wir uns wieder mit einer regulären Folge. Bis dahin folgt uns gerne auf unseren Social-Media-Kanälen und abonniert den Podcast. Feedback wie immer auch gerne über die Kontaktmöglichkeiten in den Shownotes. Bis in 14 Tagen.