Über 500 Hochschulkommunikator:innen trafen sich zur Jahrestagung des Bundesverbands Hochschulkommunikation in Innsbruck. Wir sind mit unserem Podcast-Studio angereist und sprechen mit zwei Mitgestaltern der Jahrestagung: Fabio Bergamin (ETH Zürich) und Hendrik Schneider (ZALF, Leibniz-Gemeinschaft).
Beide geben einen Workshop zu „KI-Leitlinien in der redaktionellen Praxis" — und berichten aus ihrer Praxis: Wie entstehen KI-Guidelines? Bottom-up oder top-down? Fabio und Hendrik zeigen, wie sie ihre Einrichtungen durch die echten Spannungsfelder navigiert haben: Justiz möchte regulieren, Forschung möchte experimentieren, Kommunikation will authentisch bleiben. Wie findet man den Mittelweg?
Wir sprechen über praktische Fragen: Was darf man, was nicht? Sollen wir KI-generierte Bilder nutzen, obwohl wir dürfen? Wie halten wir Guidelines dynamisch, wenn sich Technologie und Gesetzgebung ständig ändern?
Eine Folge über partizipative Prozesse, Ermöglichungskultur und die zentrale Frage: Nicht nur, was dürfen wir? Sondern vor allem auch: Was wollen wir mit KI machen?
Ina Teloudis
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Inside H Komm, dem Podcast rund um Hochschulkommunikation. Ich bin Ina Teloudis und ihr hört uns heute in einem etwas anderen Setup noch mal. Wir sind nämlich unterwegs gewesen bei der Jahrestagung des Bundesverbandes Hochschulkommunikation an der Uni Innsbruck. Lieben Dank an die Uni für den Support in Sachen Räumlichkeiten, vor allem an Melanie Bartosch, die uns hier geholfen hat, das Setup so schön hinzustellen. Dankeschön! Und Dankeschön auch an meine beiden Gäste, die hier mit mir ins Studio gekommen sind, um zu berichten. Ihr seid ja nicht nur Besucher der Jahrestagung, sondern auch Mitgestalter der Jahrestagung. Das ist einmal Fabio Bergamin von der Hallo.
Fabio Bergamin
Hallo. Hallo, Ina. Danke, dass ich hier sein darf.
Ina Teloudis
Und Hendrik Schneider ist da vom ZALF von der Leibniz-Gemeinschaft.
Hendrik Schneider
Hi. Moin.
Ina Teloudis
Ja, schön, dass ihr euch ein bisschen Zeit nehmt. Macht es mir doch noch mal einfach. Sagt doch einmal selber ganz kurz, wer seid ihr? Was macht ihr im Tagesgeschäft? Und wenn ihr nicht gerade hier in Innsbruck zur Jahrestagung seid, wer will anfangen?
Fabio Bergamin
Fabio Bergamin. Ich bin Mitarbeiter der Hochschulkommunikation der ETH Zürich. Ich schreibe über Forschungsthemen. Und bin auch mitverantwortlich für unseren Onlinekanal. Und ich habe mich in den letzten Jahren auch mit KI befasst, vor allem mit praktischen Fragen, wie man KI in unserem Kommunikationsalltag einsetzen kann, und habe da auch mitgearbeitet, mitgestaltet, maßgeblich an einem KI-Leitfaden unserer Hochschule.
Ina Teloudis
Okay, danke. Hendrik?
Hendrik Schneider
Ja, Hendrik Schneider. Ich bin Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am— jetzt wird es sperrig— Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung.
Ina Teloudis
Gut, dass du das gesagt hast. Ich hätte die Abkürzungen genutzt.
Hendrik Schneider
Das ist ZALF. Genau, wir sitzen in Brandenburg vor den Toren Berlins. Landwirtschaft der Zukunft ist unser Forschungsgegenstand. Ich bin da ja Leiter der Pressestelle, habe ein kleines Team und würde mich als Power-User von KI bezeichnen. Wir haben schon ganz früh angefangen als Abteilung, schon im November 2022, als ChatGPT auf den Markt gekommen ist, haben wir uns die Tools angeschaut, waren dann eine der ersten Einrichtungen in der Leibniz-Gemeinschaft, die eine eigene KI-Guideline auf die Beine gestellt hat. Und ab diesem Zeitpunkt stand mein Telefon nicht mehr still, weil wir mit einer der ersten waren, die das gemacht haben, und alle wollten wissen: Was habt ihr reingeschrieben?
Ina Teloudis
Warum? Kannst du das zeitlich einmal einordnen?
Hendrik Schneider
Das war dann so Mitte 2023, haben wir angefangen, daran zu arbeiten, und die Guideline fertig hatten wir dann so 2024. Wir haben eine kleine Arbeitsgruppe gegründet, und seitdem habe ich auch so ein bisschen die organisatorische Brille auf. Also, ich bin jetzt KI-Beauftragter meiner Einrichtung. Ja, man hat das gleich genutzt, sozusagen. Ach, da ist jemand, der interessiert sich, bringt sich ein. Und dann habe ich mich auch in der Leibniz-Gemeinschaft da weiterentwickelt, einen kleinen Arbeitskreis auf die Beine gestellt und habe in den letzten anderthalb Jahren auch ungefähr 250 Einrichtungen begleitet, mit als Coach und als Berater. Und wir haben KI-Guidelines implementiert an Hochschulen, und wir haben viel Kompetenzaufbau gemacht in Wissenschaftskommunikation.
Ina Teloudis
Das schließt ja auch gleich schon an euer Workshop-Thema an. Mögt ihr mal sagen, ihr macht ja auch einen Workshop hier auf der Jahrestagung. Wie heißt der Workshop? Vielleicht fangen wir so an.
Fabio Bergamin
Der Workshop heißt KI-Leitlinien in der redaktionellen Praxis. Genau, wir stellen da verschiedene Leitlinien vor. Also da werden die Leitlinien des Bundesverbands vorgestellt, der hat ja eigene Leitlinien, und Hendrik und ich werden unsere jeweiligen Leitlinien vorstellen, werden da mit dem Plenum auch diskutieren, was sie wichtig finden und wozu es Leitlinien braucht.
Ina Teloudis
Welche Überschneidungen gibt es? Da könnt ihr schon ein bisschen gucken lassen, was da so besprochen werden wird.
Fabio Bergamin
Ja, ich denke, es ist vor allem auch interessant dann zu sehen, die verschiedenen Leitlinien, die es gibt, verschiedenartige Leitlinien. Also ich denke, der Bundesverband, der ist auf einer höheren Flughöhe, eher so, was ist gesetzlich überhaupt notwendig, hat dann aber auch ganz gute Praxisanleitungen, so eine Checkliste am Ende, die finde ich ganz gut. Und wir bei uns konzentrieren uns dann, also bei unseren Hochschulleitlinien, und die sind wirklich nur für die Hochschule, für unsere Hochschule geschrieben, die konzentrieren sich dann auf praktische Fragen. Das ist wirklich so ein bisschen eine andere Flughöhe. Also wahrscheinlich ist es auch sinnvoll, wenn es beides gibt. Aber diese Fragen werden wir sicher dann auch diskutieren heute in unserem Workshop.
Hendrik Schneider
Genau, das Ziel ist schon so, sich aus unterschiedlichen Flughöhen diesem Thema zu nähern. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass vor allem die Hochschulen früh begonnen haben, Guidelines für die Forschenden insbesondere auf die Beine zu stellen. Wie regulieren wir KI-Einsatz in der Forschungspraxis? Und da wurden auch viele andere Zielgruppen an den Hochschulen meiner Meinung nach auch ein bisschen vergessen. Viele Verwaltungsangestellte, haben sich da so ein bisschen, na, was ist jetzt mit uns sozusagen? Und deswegen unterscheidet sich zum Beispiel die Guideline jetzt, die ich vorstellen werde, die ZALF-Guideline, auch von der von Fabio insofern, als dass unsere Guideline die ganze Einrichtung adressiert. Also, wir haben den Anspruch gehabt, wir schreiben eine Guideline, die Forschende, Verwaltungsmitarbeitende, Wissenschaftskommunikation einschließt und ein Regelset vorgibt, das für alle gilt. Und dann differenzieren wir das im Haus dann über Schulungen. Sozusagen aus. Wir machen noch mal differenzierte Schulungen. Also die Forschung kriegt eine andere Schulung als die Verwaltung. Und wir in der Wisskomm haben dann natürlich auch noch mal so ein bisschen ausdifferenziert im Feinen und sind dann auf dem Level von Fabio dann für uns als Abteilung.
Ina Teloudis
Wie sind diese Leitlinien entstanden bei euch konkret?
Hendrik Schneider
Ganz spannend. Tatsächlich sind die entstanden aus der Wissenschaftskommunikation heraus. Also wir waren so ein bisschen der Treiber in unserer Einrichtung, weil wir im besagten Dezember 2022, erinnere ich mich noch, im November kam ChatGPT auf den Markt, und zwar überall in den Medien, und man konnte das Tool endlich nutzen. Und dieser Aha-Effekt war natürlich unglaublich beeindruckend. Und ich weiß noch, wir haben mit der Abteilung eine Weihnachtsfeier gemacht. Wir machen mal Weihnachtsfeier und sitzen zusammen bei Plätzchen und Punsch. Und dann habe ich einfach dem Team gesagt, jeder macht mal so einen 5-Minuten-Vortrag, wie er sich vorstellen könnte, wie sein konkreter Arbeitsbereich durch KI sich verändern könnte, wie wir es nutzen könnten. So, da kam der Designer und die Grafikerin und die Social-Media-Kollegin und die Pressekollegin. Und wir fanden das alle als Team so beeindruckend mit dem, was damals schon so am Horizont stand, dass wir gesagt haben, wir müssen eigentlich zu unserem Verwaltungsdirektor gehen und müssen sagen, das müssen wir regulieren, weil wir natürlich auch gesehen haben, dass es nicht nur Chancen bietet, sondern auch ganz große Risiken mit sich bringt.
Ina Teloudis
Rechtsrisiken auch.
Hendrik Schneider
Genau. Und dann haben wir gesagt, wir müssen es als Einrichtung für uns eigentlich regulieren. Dann haben wir geschaut, es gibt noch gar nicht so viele Guidelines. Da haben wir festgestellt, okay, die Europäische Union hatte so ein paar Guidelines, aber auch eher für Forschung. Die DFG hatte schon so ein kleines Papier geschrieben. Aber dann haben wir einen Arbeitskreis gegründet, haben geguckt, wer ist im Institut relevant. Wir haben knapp 500 Mitarbeitende bei uns. Und dann war uns wichtig, das partizipativ zu machen. Also, wir haben den Betriebsrat mit an den Tisch genommen, wir haben Forschungsgruppen, die mit KI arbeiten, mit reingenommen. Wir haben natürlich unsere Justiz, unsere Compliance-Abteilung so mit reingenommen, Verwaltungsdirektor mit dabei und die Kommunikation saß am Tisch. Und wir haben auf einem weißen Blatt Papier angefangen und haben erst mal ein ganz langes Dokument geschrieben, 50 Seiten, und das dann eingekürzt auf zehn am Ende. Und das war wahnsinnig spannend und eine sehr, sehr, sehr interessante Diskussion so zwischen dem Spannungsfeld, ich sage mal, Justiz auf der einen Seite, wir müssen eigentlich alles verbieten, Einfallstore, Risiken überall. Und Forschung auf der anderen Seite möchte mich eigentlich gar nicht reinreden lassen in meinen Forschungsprozessen und eigentlich gerne alles nutzen, was es da so gibt.
Und da war es wichtig, einen Mittelweg zu finden.
Ina Teloudis
Wie war das bei euch, Fabio?
Fabio Bergamin
Es war bei uns eigentlich im Prinzip ähnlich, dass wir natürlich schon früh angefangen haben, als ChatGPT aufgekommen ist. Alle haben da ausprobiert, gesehen, was gemacht werden kann. Und in der Lehre, also gerade bei Masterarbeiten, bei Doktorarbeiten, da wurde es schon früh reguliert. Muss ja auch, oder was? Und das war aber wirklich parallel. Und wir in der Kommunikation haben einfach KI benutzt. Und das war aber nicht reguliert. Und das war dann aber wirklich von uns heraus, dass wir uns gesagt haben, wir müssen das selbst regulieren. Also es war wirklich dann bottom-up, also es war nicht top-down. Und wir haben dann wirklich ähnlich wie ihr mit Leuten gesprochen, haben Workshops gemacht. Ich arbeite in der zentralen Kommunikation. Wir haben mit den Leuten, die dezentral in Fakultäten arbeiten, gesprochen. Was braucht ihr? Hättet ihr gerne überhaupt Leitlinien? Was sollen die leisten? Wie dynamisch sollen sie sein? Wie verpflichtend sollen sie sein? Und haben das wirklich abgeholt in einer Umfrage, in den zwei Workshops, und haben dann basierend darauf Leitlinien verfasst. Auch schon, also die Leitlinien des Bundesverbands gab es ja dann noch gar nicht. Die sind jetzt, glaube ich, dieses Frühjahr sind die veröffentlicht worden. Wir waren letztes Jahr dran, 2025.
Da gab es nicht viel, aber es gab ein bisschen was. Also wir haben auch rum geschaut, was es gibt. Also haben auch die im angelsächsischen Raum, also vor allem die Uni Oxford hatte schon gute Guidelines für die Kommunikation. Da haben wir ein bisschen drauf geschaut und mal mit Leuten gesprochen, was, was gibt's, und haben dann wirklich etwas zusammengestellt, das für uns passt.
Ina Teloudis
Das ist ja jetzt schon eine Weile her. Die Leitlinien sind ja nicht in Stein gemeißelt, ne? Wie läuft das bei euch mit Reflexion mit der Weiterentwicklung der Leitlinien?
Fabio Bergamin
Wir haben das im Prinzip von Anfang an gesagt: KI ist ein dermaßen dynamisches Feld. Auch die Guidelines müssen dynamisch sein, mindestens unsere Guidelines, die so praxisorientiert sind. Ich denke, wenn andere Guidelines, die vielleicht eher halt die rechtlichen Grundlagen runterbrechen, also die KI-Verordnung wird jetzt noch ein paar Jahre so bleiben, also da wird man wahrscheinlich nicht so dynamisch sein müssen, würde ich erwarten. Aber wenn man das praxisorientiert macht, dann muss man das. Wir haben sogar bei unseren Guidelines reingeschrieben, dass man, dass das regelmäßig auch überprüft wird. Und das machen wir auch. Wir haben jetzt dann im Anschluss dann in den nächsten Wochen geplant, da wirklich wieder mal systematisch drüber zu gehen, ob sie noch passen, wo man Anpassungen machen muss. Und kleinere Sachen bei den Empfehlungen haben wir bereits schon gemacht. Also wir haben jetzt auch bewusst uns gegen ein PDF-Dokument entschieden. Unsere Guidelines sind nicht ein PDF, sondern sind eine Webseite, die man natürlich dann schnell anpassen kann. Und das werden wir auch tun.
Ina Teloudis
Es ist ja auch so, dass sich die Rahmenbedingungen ja doch auch verändern, ne? Wenn wir jetzt auf die ganze Kennzeichnungspflicht mal gucken, wie haltet ihr da Schritt?
Hendrik Schneider
Ja, genau. Ähnlich wie Fabio, für uns war es auch total wichtig, dass eine KI-Guideline kein PDF ist, was im Intranet liegt und von niemandem angeguckt wird, sondern dass man sich auch in der Einrichtung bemüht, dass man die Inhalte auch auf dynamische Art und Weise zugänglich macht und veränderbar hält und auch attraktiv hält. Also auch da Interesse weckt, da ab und zu mal reinzuschauen. Und genau, es gibt ja auf der einen Seite gesetzliche Veränderungen, die notwendig machen, dass man sich das anguckt. Wir haben bei uns unseren Arbeitskreis KI, also den wir damals gegründet haben, den gibt es auch immer noch.
Also wir treffen uns regelmäßig. Und gucken, was müssen wir anpassen. Und genau, Transparenzpflicht haben wir jetzt natürlich umgesetzt. Die hatten wir vorher auch schon drin. Also wir waren da schon sehr nah dran an dem Standard, der jetzt gesetzt wurde, sogar ein bisschen drüber, was die Pflichten angeht, so, dass wir da nicht so viel anpassen mussten. Aber es kommen auch immer wieder so Themen aus der Belegschaft, weil wir auch zum Beispiel eine KI-Sprechstunde anbieten, die ich als KI-Beauftragter mache, wo Leute vielleicht Tools ausprobieren wollen. Und da kam zum Beispiel das Thema Energie noch mal rein als zusätzliches Thema. Das hat man am Anfang gar nicht so auf dem Schirm, was natürlich nahe liegt. Aber die Belegschaft hat gesagt, ja, macht ihr euch auch Gedanken über Kompensationsmaßnahmen? Früher hatten wir in der E-Mail manchmal so ein Passus drinstehen: Please consider the environment before printing. Die E-Mail, macht man sich dann vielleicht auch Gedanken, musst du jetzt jede Aufgabe wirklich in deine KI reinpacken, oder muss man da auch so ein bisschen sensibel sein zu gucken, dass da auch immer ein Energieeinsatz dran ist? Und dann haben wir das mitgenommen in unser Umweltteam und uns Gedanken gemacht, wie kann man da eine Kompensation und sowas wird dann auch aufgegriffen. Also es muss dynamisch sein, definitiv, weil auch ganz viel passiert, auch technologisch ganz viel passiert.
Ina Teloudis
Ich würde gerne jetzt noch mal rübergrätschen in Richtung neuer Kennzeichnungsstandard, weil ich glaube, das ist auch super spannend eigentlich für alle, die sich mit der Kennzeichnungspflicht vielleicht auch irgendwie beschäftigen. Und wenn es da vielleicht schon das eine oder andere in der Schublade gibt, wo man sich vielleicht auch ein bisschen daran orientieren kann. Was sind denn so für euch, also neben natürlich der stetigen Aktualisierung der Leitlinie, was sind für euch so die Kernthemen, die euch im Hinblick auf KI beschäftigen jetzt in der nächsten Zeit?
Fabio Bergamin
Ja, also ich denke eben, was man darf und was man nicht darf, das ist schon recht gut vorgegeben, auch von der KI-Verordnung. Die muss man natürlich runterbrechen. Was heißt das ganz konkret für uns? Wie kennzeichnen wir? Aber daneben gibt es sicher auch noch Fragen. Möchten wir, also ähnlich wie du jetzt gesagt hast, mit dem Umweltaspekt, also möchten wir KI überall dort einsetzen, wo wir überall können und wo wir überall dürfen? Weil man darf ja relativ viel. Also im Zweifelsfall benutzt man sie und macht ein Label drauf. Aber wir haben uns schon auch gefragt, möchten wir das überhaupt? Passt das überhaupt zu unserer Hochschule? Möchten wir überhaupt, was passiert mit der Bildwelt? Also wir haben uns bewusst jetzt auch entschieden, dass wir wirklich auch auf authentische Bilder setzen. Das macht mir immer schon aber, dass es einen Wert hat, dass wir dabei bleiben möchten. Und im Zweifelsfall, das haben wir auch so reingeschrieben, dass wir auch fotografieren. Also alles, was fotografiert werden kann, soll auch fotografiert werden und nicht einfach, weil es gerade praktisch ist, weil man kein Fotoshooting organisieren muss, prompte ich jetzt bei der KI. Also ich denke, diese Diskussionen, die hatten wir schon und die werden wir weiterführen.
Also was man darf, was man nicht darf, ist relativ einfach. Aber was wollen wir letztlich? Also diese Fragen werden wir sicher diskutieren oder haben schon diskutiert. Es gibt sicher auch Sachen, wo wir weniger weit gehen, als wir dürfen, zum Beispiel im Bereich Audio und Video. Also Stimmimitation könnte man natürlich, und dann macht man ein Label drauf, möchten wir aber nicht. Oder auch, es gibt ganz coole Tools, wo man ganze Podcasts dann aufnehmen kann. Ich weiß nicht, ob du das schon ausprobiert hast, wahrscheinlich schon. Also die KI hätte da irgendwie Hosts erfunden und Gäste erfunden, und das haben wir uns auch angeschaut und gesagt, man darf es, aber wir möchten das nicht für uns, weil wir möchten authentisch bleiben. Wir nehmen das ernst, dass man das Publikum nicht täuschen soll, und ich denke, gerade bei solchen Formaten wäre das Täuschungsrisiko relativ hoch. Selbst wenn man es deklariert.
Ina Teloudis
Total wichtiger Punkt.
Hendrik Schneider
Ja, und ich würde vielleicht noch mal, weil es die Hörerinnen und Hörer bestimmt interessiert, noch mal kurz skizzieren, was jetzt aktuell gilt. Transparenzpflicht seit Anfang August jetzt aus der EU-KI-Verordnung uns allen ins Stammbuch geschrieben. Im Prinzip sind, glaube ich, zwei Dinge wichtig, die uns in der Redaktion, Content-Kreation betreffen. Das ist einmal, dass man sogenannte Deepfakes kennzeichnen muss, also Bilder, die täuschend echt wirken, müssen sozusagen in der ersten Berührungsstufe, also das Bild wird aufgerufen, es muss sofort ersichtlich sein, okay, hier handelt es sich um ein KI-generiertes Bild. Da hat die EU auch ein eigenes grafisches Label zur Verfügung gestellt, das man nutzen kann. Und dann gibt es auch noch mal eine Kennzeichnungspflicht für redaktionelle Texte, die von öffentlichem Interesse sind, aber die nicht menschlich geprüft sind. Beispiel: Der studentische Mitarbeiter macht kurz vor Dienstschluss noch schnell einen Newsletterbeitrag mit der KI. Da guckt niemand fachlich drüber, die wird auf die Webseite gestellt. Das muss als KI-generiert gekennzeichnet werden, wenn keiner eine redaktionelle Verantwortung übernimmt und keine menschliche Prüfung da ist. So, es gibt noch ein paar mehr Regeln, die dann so für Anbieter von KI-Systemen gelten, wie ChatGPT. Die müssen also ihre Bilder, ihre Medien maschinenlesbar machen. Also die müssen sozusagen die Info, dass das Bild jetzt KI-generiert ist, auch mitgeben in der Datei. Das ist das, was gilt. Und dann, wie Fabio schon gesagt hat, das ist relativ klar umrissen. Wir machen uns wirklich Gedanken: Was wollen wir eigentlich? Für uns gilt auch, dass wir so wenig wie möglich mit KI-generierten Bildern machen. Und da höre ich auch in ganz vielen Workshops als Feedback: Ja, wollen wir uns nicht als Wissenschaftskommunikation auch dazu bekennen, dass wir das einfach nicht machen, dass wir keine Deepfakes erstellen, so als Prinzip? Und dann bin ich aber auch an vielen sozialwissenschaftlichen Einrichtungen unterwegs, wo man dann irgendwie KI-Wisskomm-Schulungen macht. Und die sagen dann: Ich kann nicht das x-te Bild von meinem Wissenschaftler vor einer Bücherwand nutzen, um jetzt dieses Thema zu illustrieren. Ich brauche auch mal, wenn ich einen Forecast mache, wo ich ein Zukunftsbild entwickeln möchte, 20, 30 Jahre in die Zukunft blicken möchte, einen Forschungsgegenstand verbildlichen, dann möchte ich gerne KI nutzen. Das verstehe ich dann auch so, und das ist das Spannungsfeld. Aber die wichtigsten Treiber, die ich gerade sehe in dem Bereich, ist im Prinzip Kompetenzaufbau. Also, wir müssen, glaube ich, alle dazu in der Lage sein, perfekt mit diesen Tools umzugehen.
Ich sehe das selber, wenn wir jetzt Leute einstellen bei uns. Für mich ist das inzwischen auch ein Thema, über das ich mich auch in Einstellungsgesprächen unterhalte. Wie seid ihr in der KI-Nutzung? Es ist einfach ein Skill, der dazugehört, glaube ich, zum Berufsbild der Zukunft. Und da müssen wir, glaube ich, wegkommen davon, KI-Systeme als so was wie bessere Suchmaschinen zu benutzen, weil die können viel mehr. Agentisierung ist so das Trendthema gerade, also wegkommen davon, immer wieder einzelne Aufgaben zu prompten, sondern sich mal Agenten zu bauen, die repetitive Aufgaben in einer guten Qualität erledigen. Das ist, glaube ich, total wichtig. Das ist für mich das eine wichtige Thema. Das zweite wichtige Thema ist datenschutzkonforme Zugänge zu KI-Tools und vor allem an Hochschulen ist das eine super wichtige und spannende Entwicklung, also allgemein in der Forschung, aber auch für uns als außeruniversitäre. Und da bin ich immer noch sehr, ja, ein bisschen enttäuscht, dass wir es noch nicht hinbekommen haben, in Europa da ein Modell aufzusetzen, was gemeinnützig ist, was datenschutzkonform ist, was eine gute Performance bietet. Das würde ich mir wünschen. Das ist wirklich, würde viele Probleme lösen, die wir aktuell haben.
Fabio Bergamin
Es ist natürlich eine Abwägung, oder? Also wir haben jetzt bisher vor allem über Risiken gesprochen, das, was man nicht machen darf, dass die Risiken, die sind da. Gleichzeitig ist aber KI ein wunderbares, tolles Tool, das man für gute Sachen nutzen kann, also das mir jetzt schon jeden Tag hilft und dass es auch, ja, dass wir auch nutzen sollen, gerade in technologieaffinen Bereichen, wie wir ja sind an Hochschulen. Und deswegen, wir haben wirklich auch ganz explizit als Erstes steht in unseren Hochschulguidelines, wir sehen KI als Chance. Also wir möchten KI nutzen. Ich habe vorhin gesagt, wofür wir es nicht nutzen möchten, aber wir möchten natürlich auch im Bereich Bild, gibt es gute Anwendungen, also dass man wirklich etwas, was man halt eben nicht fotografieren kann, Bereich Illustrationen kann natürlich KI ganz viel bieten und das möchten wir auch nutzen. Wir möchten da nicht den Leuten, die an der Front sind, dann irgendwas verbieten und ihnen das Leben schwer machen. Und das ist ein Spannungsfeld, das wir auch in der Erarbeitung unserer Leitlinien gemerkt haben, dass wir weiterhin so damit umgehen müssen.
Hendrik Schneider
Total wichtiger Punkt, finde ich auch. Ermöglichungskultur, auch Barrierefreiheit mitdenken bei den Guidelines. Auch daran denken, dass man in Kommunikationsabteilungen auch Kolleginnen und Kollegen hat, die vielleicht ein bisschen älter sind, die nicht so technologieaffin sind, die vielleicht eine Behinderung haben, dass man da keine Barrieren baut, sondern dass man sich auch überlegt, wie kann man diese Technologie allen zugänglich machen, ne, da Wege bauen und die Leute abholen sozusagen, und viel über Chancen reden, definitiv.
Ina Teloudis
Ja, ihr stellt ja bestimmt auch fest, ne, dass da die Nutzung auch total unterschiedlich auch ist, ne, auch bei den einzelnen Mitarbeitern, auch wenn die von Anfang an mitgenommen wurden. Es gibt halt immer die, die dann eine Affinität zu haben, die probieren wollen, die auch einen kreativen Drive haben. Und ich finde es gut, wenn du sagst, auch wenn jemand mit einem neuen Tool kommt, das gucken wir uns immer alles erstmal an, wir sagen nicht gleich nein, es wird immer erstmal geguckt und wir versuchen auch wirklich alle mit einzubeziehen und mitzunehmen auch, ne. Okay, ich bin gespannt auf den Workshop nachher, was da auch so für Feedback kommt aus der Teilnehmendenschaft, wie die das so sehen, was denen vielleicht fehlt, wie unterschiedlich vielleicht auch der Status quo so ist an den unterschiedlichen Einrichtungen. Ja, spannend.
Hendrik Schneider
Ja, ich möchte noch eine kleine Werbetrommel rühren, wenn ich das darf. Ich habe nämlich noch einen zweiten Workshop neben dem hier, und da geht es um die Kennzeichnung. Und wir werden einen eigenen, heute sozusagen Weltpremiere feiern, werden einen eigenen Kennzeichnungsstandard vorstellen. Bin ja auch schon ganz gespannt auf das Feedback von der Community. Was du gerade schon erzählt hast, ne? Genau, wir haben ungefähr jetzt ein halbes Jahr in einer kleinen Arbeitsgruppe, die aus dieser Factory Wisskomm, das ist ja sicherlich ein Begriff, von dem FTR hervorgegangen ist, haben wir uns dann ein halbes Jahr lang mit ganz unterschiedlichen Einrichtungen überlegt, wie können wir eigentlich einen Standard bauen, der noch besser ist als der EU-Standard? Also unserer kleinen Gruppe geht dieser Standard nicht weit genug, weil der eben auch ganz viele Lücken lässt. Ich hatte ja vorhin gesagt, was gekennzeichnet werden muss. Wenn es kein Deepfake ist, muss es nicht gekennzeichnet werden. Ist das wirklich gute Praxis in der Wissenschaftskommunikation? Sollten wir damit rausgehen auf die sozialen Medien? Verspielen wir damit nicht Vertrauen? Und da bin ich auch ganz gespannt aufs Feedback.
Ina Teloudis
Da müssen wir auf jeden Fall in die Shownotes auch den Link stellen. Ja, das machen wir.
Hendrik Schneider
Kann ich auch gleich mal machen. Die Seite ist nämlich online: ai-labels.org. Label.science. Ist noch mit Passwort geschützt, aber das Passwort ist Transparenz2026. Und wir sind nämlich aktuell in einer Kommentierungsphase. Also wir wollen heute das Label vorstellen, wir wollen es aber nicht dogmatisch setzen nach dem Friss-oder-stirb-Prinzip, sondern wir wollen schon Feedback von der Community noch haben. Was findet ihr gut, was findet ihr schlecht? Und wollen jetzt noch eine Iterationsphase machen von zwei, drei Monaten und das Label dann Ende des Jahres verabschieden und teilen. Also gerne mitmachen, gerne vorbeischauen und Feedback einreichen auf der Website.
Fabio Bergamin
Bin ich gespannt. Schaue ich da gerne mal drauf.
Hendrik Schneider
Genau, Fabio.
Ina Teloudis
zwei, drei Monate hast du gesagt, dann müssen wir uns ja dieses Jahr noch mal hören zum Label.
Hendrik Schneider
Sehr gern.
Ina Teloudis
Ich danke euch, dass ihr euch Zeit genommen habt. Früh am Morgen, kann ich ja mal spoilern, noch vorm Frühstück fast. Und ich wünsche euch ganz viel Erfolg mit eurem Workshop und viel Spaß natürlich auf der Jahrestagung.
Fabio Bergamin
Dankeschön.
Hendrik Schneider
Vielen Dank.
Ina Teloudis
Ja, dankeschön. Das war Folge 29 aus Innsbruck von Inside Hochschulkommunikation von Expert:innen für Expert:innen rund um Kommunikation, PR, Marketing und Digitalisierung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Powered by Bundesverband Hochschulkommunikation und Mandarin Edu. Wenn euch die Folge weitergebracht hat, teilt sie gerne in eurem Netzwerk, lasst uns eine Bewertung da bei Spotify und schreibt uns gerne auf LinkedIn euer Feedback. Danke fürs Zuhören und bis in 14 Tagen.