Folge 27 – Internationalisierung an Hochschulen - Weit mehr als nur Englisch
Internationalisierung steht bei fast allen Hochschulen ziemlich weit oben auf der Agenda. Wie holen wir internationale Studierende an unsere Hochschule? Und viel wichtiger noch: Wie machen wir sie zufrieden und erfolgreich, wenn sie erst mal da sind?
Oft verfallen wir in schnellen Aktionismus und übersetzen einfach alles ins Englische. Doch das greift viel zu kurz. In Folge 27 von Inside Hochschulkommunikation blicken wir hinter die Kulissen erfolgreichen internationalen Marketings und internationaler Hochschulkommunikation und zeigen, warum die Gießkanne hier endgültig ausgedient hat.
Unsere Gäste Lina Hörügel (Universität Leipzig) und Marco Krinowski (Hochschule Fulda) diskutieren mit den Hosts Katja Bär (Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation und CCO an der Uni Jena) und Ina Teloudis (MANDARIN EDU), was eine durchdachte Kommunikations-Matrix leisten kann. Wir sprechen darüber, wie auch kleine Teams mit knappen Ressourcen durch smarte, technische Lösungen echten Impact erzeugen und warum das lokale Stadtmarketing plötzlich zu eurem besten Verbündeten im internationalen Recruiting wird.
Eine Folge für alle, die Hochschulkommunikation strategisch weiterdenken wollen, zwischen globalem Anspruch, lokalen Gegebenheiten und Ressourcenfragen.
Ina Teloudis
Ja, herzlich willkommen zu Folge 27 mittlerweile bei Inside HKomm, der Podcast für alle, die Hochschul- und Wissenschaftskommunikation, Marketing und PR gestalten, weiterdenken und vor allem sich auch gerne vernetzen wollen. Wir werfen gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen. Was läuft gut? Wo hakt es? Was bewegt die Branche? Und unser Thema heute steht, würde ich mal behaupten, das wissen meine Gäste ganz genau, bei fast allen Hochschulen ziemlich weit oben auf der Agenda: Internationalisierung. Wie holen wir internationale Studierende an unsere Hochschule? Wie machen wir die happy, wenn sie erst mal da sind? Wie binden wir vielleicht auch Fachkräfte? Ist ein Riesenfeld, bei dem man schnell den Überblick verlieren kann. Kann, und wir versuchen heute ein bisschen Struktur reinzubringen. Als Co-Hostin an meiner Seite zum wiederholten Male, Wiederholungstäterin, Katja Bär, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation und CCO an der Uni Jena. Super schön, dass du dir Zeit nimmst, Katja, mitzumischen hier heute.
Katja Bär
Ja, hallo Ina, schön, wieder hier zu sein.
Ina Teloudis
Und wir haben natürlich auch Gäste eingeladen, die in diesem großen Feld jeden Tag unterwegs sind. Das ist einmal Marco Krinowski von der Hochschule Fulda. Hallo Marco!
Marco Krinowski
Guten Tag.
Ina Teloudis
Und Lina, jetzt bin ich gespannt, ob ich deinen Nachnamen richtig ausspreche, sonst müssen wir das noch 5-mal machen. Lina Hörügel.
Lina Hörügel
Fast Höhrügel.
Ina Teloudis
Sehr gut. Lina Höhrügel von der Uni Leipzig. Schön, dass du da bist.
Lina Hörügel
Ja, danke für die Einladung.
Ina Teloudis
Okay, dann holt mal bitte einmal unsere Hörerinnen und Hörer zum Start ab. Wer seid ihr? Was genau ist euer Job an der Hochschule und was ist eure Berührung mit dem Thema? Ladies first, sagt Marco. Lina, fang mal an.
Lina Hörügel
Sehr gerne. Genau. Also ich bin Referentin für internationale Universitätskommunikation, habe das relativ zeitnah nach dem Studium begonnen, 2016. Also bin jetzt schon 10 Jahre dabei und im Prinzip ja für internationale Kommunikation eigentlich all around zuständig. Also von Pressearbeit über die Konzeption Social Media. Wir haben Erfahrungsberichte-Plattform aufgebaut. Also ja, alles in allem das große Feld sozusagen. Richtig.
Ina Teloudis
Okay, Marco?
Marco Krinowski
Ja, und ich bin ebenfalls Referent, in meinem Falle für internationales Hochschulmarketing und Gewinnung internationaler Studierender, jetzt seit 7 Jahren an der Hochschule in Fulda, davor Europa-Uni Viadrina Frankfurt , und in dem früheren Leben habe ich mal in der Studienberatung gearbeitet, und das unterstützt mich aber noch ganz gut in dem Feld heute.
Ina Teloudis
Hast einen ganz breiten Blick auf die Thematik. Katja, bei dir ist es ja wahrscheinlich nur ein kleiner Teilbereich, ne, dich da tangiert.
Katja Bär
Ja, die strategische Ableitung aus der Internationalisierungsstrategie ist natürlich eine Gesamte Abteilung, Aufgabe der Abteilung Hochschulkommunikation, der wir dann in den verschiedenen Bereichen dann auch nachkommen. Und ich finde das sehr spannend, dass wir jetzt schon gerade gleich zwei Gesprächspartner:innen haben, die mit verschiedenen Blicken auf Internationalisierung und ihre Strategien schauen. Aber kennen tut ihr euch auch aus dem DAAD, und das fände ich super spannend, wenn ihr damit mal eröffnet, was das für eine AG ist und was die so macht.
Marco Krinowski
Ja, der Deutsche Akademische Austauschdienst, der DAAD, hat, wenn man das so salopp sagen kann, einen Marketing Arm. Und das ist Gate Germany. Und Gate Germany unterstützt im Prinzip die Mitgliedshochschulen dabei, sich international zu vermarkten. Das würde ich einfach mal so ausdrücken. Und Gate Germany hat zudem noch eine Arbeitsgemeinschaft, an der neben DAAD-Mitarbeitenden auch Hochschul- Vertreterinnen und Vertreter teilnehmen, da wir quasi so am Puls arbeiten, mitbekommen, wie ist so das Geschäft, was brauchen wir an den Hochschulen, wie ist die Entwicklung. Und da können wir im Prinzip in der Arbeitsgemeinschaft Marketing den DAAD-Kollegen Gate Germany mitteilen, wo soll es in den nächsten Jahren hingehen? Oder aber Gate Germany sagt uns: Hey, wir überlegen, die nächste Konferenz steht an. Was könnte da thematisch irgendwo eine Rolle spielen? Kennt ihr jemanden, den wir einladen können? Was braucht ihr? Und in dieser Gemengelage entwickelt sich im Prinzip Gate Germany und das Marketing Angebot vom DAAD immer weiter.
Ina Teloudis
Kannst du ergänzen, Lina?
Lina Hörügel
Also ich fand, das war eigentlich schon perfekt, einmal alles zusammengefasst. Das ist wirklich ein sehr, sehr schöner Raum. Wo man eben mit seinen Kolleginnen von anderen Universitäten sich gut austauschen kann, nicht nur zum Thema Internationales, sondern auch so zu vielleicht Krisenthemen oder so was. Also, das ist wirklich sehr schön, wenn wir uns da einmal im Jahr in Präsenz sehen und dann ja auch auf jeden Fall immer zum Marketingkongress des DAAD.
Katja Bär
Jetzt habt ihr ja sehr unterschiedliche Aufgaben auch und blickt da mit sehr unterschiedlichen Perspektiven auch auf Internationalisierung. Gina, du hast schon gesagt, also die ganze Bandbreite der Hochschulkommunikation. Was heißt das denn? An so einem Arbeitstag?
Lina Hörügel
Es ist so, wir haben ganz konzeptuell, wie du das vorhin auch schon erwähnt hattest, gestartet mit einem Konzept für internationale Universitätskommunikation, abgeleitet eben aus der Internationalisierungsstrategie. Und wenn man das tut, dann merkt man relativ schnell, oha, das sind wirklich einige Zielgruppen, über die wir hier sprechen. Und wenn man jetzt zum Beispiel mal nur sich die Zielgruppe der internationalen Studierenden anguckt, dann gehen wir da in einzelne Zielgruppen rein. Die Leute, die gerade angefangen haben, die, die sich vielleicht für die Uni interessieren, die, die vielleicht eine Nominierung bekommen haben, aber sich unsicher sind, ob sie wirklich Leipzig auswählen sollen. Und im Tagesgeschäft entstehen so viele kleine Aufgaben, sozusagen, die spezifisch auf diese Zielgruppen heruntergebrochen werden können. Das geht dann los vom, weiß ich nicht, Flyer über das Willkommensheft für die neuen Studierenden bis hin zum Artikel über internationale Alumni, die jetzt im sächsischen Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben und die wir begleiten und die wir befragen zu ihren Tipps für wiederum Studierende, die vielleicht den Weg in den Arbeitsmarkt gerade finden wollen. Und so sind wir über verschiedene Medienkanäle eigentlich mit ganz vielen verschiedenen Zielgruppen täglich unterwegs und jeder Tag bringt damit auch irgendwas Neues. Und das macht diesen Job wirklich sehr abwechslungsreich und schön, manchmal auch herausfordernd, aber positiv gemeint.
Katja Bär
Marco, wie sieht das bei dir aus?
Marco Krinowski
Ja, angefangen von natürlich einer Internationalisierungsstrategie als Teil des Hochschulentwicklungsplans, in der dann ein strategisches oder konkretes Ziel ist, den Anteil internationaler Studierender an der Hochschule Fulda zu erhöhen. Das könnte man so als Anlass oder als Ausgangspunkt bezeichnen, und ich im International Office muss mir dann quasi als zentrale Abteilung, als zentraler Akteur für die Hochschule Fulda überlegen, wie machen wir das? Welche Studiengänge haben Bedarfe? Wer sind die Zielgruppen für diese Studiengänge? Welche Mittel Setzen wir für was ein? Geht es um Einschreibezahlen, Bewerbungszahlen? Was sind so die KPIs? Um jetzt schon irgendwie die ersten Begriffe durch den Raum zu werfen. Aber es ist auch ganz praktisch. Also ich fahre an Schulen, ich fahre auf Bildungsmessen, dafür brauche ich Materialien. Webseiten müssen gepflegt werden, es werden Imagefilme für Studiengänge gedreht, dafür muss man Protagonisten finden und interviewen. Manchmal frage ich mich, was ich den ganzen Tag gemacht habe, und weil das irgendwie so viel ist. Aber die einzelnen Puzzleteile ergeben dann doch ein großes Ganzes.
Katja Bär
Es gibt ja oft so ein bisschen den Gedanken noch, dass Internationalisierung vor allem bedeutet, zweisprachig zu sein, alles nochmal auf Englisch auch anzubieten. Wie ist das, Marco?
Marco Krinowski
Jein, also Zweisprachigkeit spielt eine große Rolle. Wir haben uns vor einer Weile, wenn ich das sagen darf, entschieden, eine DeepL-Integration in unserem CMS vorzunehmen. Das heißt, mit dem Relaunch unserer Webseite 2024 fiel auch die Entscheidung: Alle Webseiten gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Und eben mit der DeepL-Integration haben wir uns einfach für eine technische Lösung entschieden, um auch das Personal, CMS-Redakteure entsprechend zu entlasten und auch quasi daran zu erinnern, die Glocke zu läuten: Hey, drück doch den Umschaltknopf, lokalisiere doch noch mal den Inhalt der Meldung bitte auch auf Englisch. Erst mal unerheblich, ob die, was denke ich mir jetzt aus, die Zielgruppe für eine Pressemitteilung gar kein Deutsch spricht oder so was. Aber es ist ja irgendwie nett, dass das vielleicht doch auf Englisch zur Verfügung steht. Heutzutage würde ich sagen, gar nicht schlecht, weil vielleicht, wir werden an KI nicht vorbeikommen in so einer Unterhaltung, auch so Large Language Models, KIs natürlich irgendwie sich ihre Informationen aus dem Netz zusammenziehen. Und wenn dann einfach viel verfügbar ist, Schlagworte verfügbar sind, bei SEO haben wir früher auch drüber gesprochen, dann ist das vielleicht keine schlechte Idee, da einfach auch was anzubieten. Flyer werden übersetzt ins Englische, gerade für die internationale Zielgruppe.
Marco Krinowski
Klar haben wir auch die Diskussion, warum einen Flyer für einen deutschen Studiengang ins Englische übersetzen? Schließlich muss die Zielgruppe ja irgendwann Deutsch können. Oder muss vielleicht beim Bewerbungsprozess schon ein gewisses Deutsch Niveau nachweisen. Das stimmt, aber die Studienorientierung beginnt so früh, dass man vielleicht sprachlich noch gar nicht da ist. Es gibt andere Multiplikatoren und Entscheidungsträger, die ja nicht zum Studium kommen, die aber ganz wichtig bei der Entscheidungsfindung sind: Eltern, Lehrkräfte, Studien- Berufsberater, Großeltern, Geschwister. Die wollen vielleicht auch mitreden und da sind einfach englischsprachige Medien, englischsprachige Quellen durchaus praktisch. Was sich alle ein Bild machen können.
Katja Bär
Steckt in deiner Antwort eigentlich schon drin. Das Englisch macht die Kommunikation zugänglich, aber es macht natürlich die Kommunikation noch nicht international. Lina, wenn du da an Zielgruppen denkst, worauf muss man denn da achten in der internationalen Kommunikation?
Lina Hörügel
Also das stimmt, eine nur englischsprachige Nachricht ist noch nicht international, das gehe ich absolut mit. Wenn ich das jetzt auf die Zielgruppe runterbreche, wäre es vielleicht in dem Moment wichtig zu wissen, dass im Vergleich zu Marco, der sich ja sehr stark auf das Studierendenmarketing konzentriert, es bei uns sehr stark darum geht, sozusagen die internationalen Studierenden, die wir hier haben, zu sehen, sichtbar zu machen und deren Studienerfolg auch auf eine gewisse Weise mit zu sichern, sage ich jetzt mal. Ist eine sehr große Aufgabe für Kommunikation, ne? Aber das bedeutet, wir haben einen internationalen Instagram-Account ins Leben gerufen vor 2 Jahren, der sozusagen genau an diesem Punkt ansetzt. Also wir können ja nicht nur sagen, okay, wir übersetzen alle Meldungen, die für alle Studierenden wichtig sind, auf Englisch, sondern wir müssen überlegen, mit wem reden wir denn eigentlich? Also wenn wollen wir denn da erreichen? Und sind es vielleicht genau Studierende, die Informationen benötigen, die die nationalen UL-Studierenden gar nicht brauchen oder gar nicht drüber nachdenken? Da geht es los bei beispielsweise, am Sonntag haben übrigens in Leipzig und in Deutschland sehr viele Supermärkte einfach geschlossen. Also, das sind so ganz kleine Sachen und wir versuchen sozusagen über diesen Kanal sehr service-lastig zu arbeiten und Unterstützung zu bieten.
Wir achten auch auf die Bedürfnisse der Zielgruppe im Hinblick auf die Vernetzung und die Unterstützung, also geben dort auch konkrete Tipps, wo sie im Prinzip eben neue, vielleicht auch internationale, andere Studierende treffen können, und versuchen in diesem Zusammenhang quasi auch kulturelle Herkünfte mit zu beachten, beziehungsweise eben einfach darauf einzugehen, dass da ganz andere Bedürfnisse da sind, wenn man aus dem Ausland zu uns hier in die deutsche Hochschullandschaft eintritt.
Katja Bär
Du hast es gerade angesprochen, ihr habt einen internationalen Instagram-Kanal. Das ist ja an vielen Hochschulen auch eine Diskussion. Nutzt man für die Ansprache der internationalen, den zentralen Kanal in den sozialen Medien, oder macht man einen extra auf? Was würdest du denn den Kolleginnen und Kollegen raten, die darüber nachdenken, einen aufzumachen? Was muss denn da für Voraussetzungen gegeben sein, damit der gut wird?
Lina Hörügel
Also wir sind natürlich wieder konzeptuell gestartet, logisch. Wir haben uns eben die internationalen Studierenden angeguckt, wobei ich sagen muss, wir haben uns diese Zielgruppe angeguckt, aber wir sprechen über unseren internationalen Instagram-Account auch die Uni-Leipzig-Studierenden an, die Lust haben, Erfahrung im Ausland zu sammeln. Das bedeutet also, Also, es geht wirklich konkret um das gesamte Thema Internationalität in beide Richtungen, könnte man so sagen. Wir haben uns dann logischerweise Redaktionspläne überlegt und auch vorher geschaut, okay, was sind denn für Inhalte da, die wir transportieren wollen, und inwiefern unterscheiden sie sich zum Hauptkanal? Weil, wir wollen ja nicht einfach nur einen Kanal schaffen, der sozusagen dann dieselben Meldungen veröffentlicht, nur auf Englisch sozusagen. Und da kommt wieder das Thema von vorhin rein. Also, eins der Ziele ist, die Internationalität des Campus abzubilden, zu zeigen, hier sind wirklich von unseren über 30.000 Studierenden ungefähr 3.600 internationale Studierende an der Uni Leipzig einfach da. Und die sieht man auch. Also die vernetzen sich, die nehmen Unterstützungsangebote wahr, die sind auf dem Campus einfach integriert auch. Auch das ist ein wichtiges Thema. Und ja, was braucht man für so einen internationalen Instagram-Account? Wir übersetzen all unsere Meldungen. Das bedeutet also, jedes unserer Postings ist immer zweisprachig gestaltet.
Wir setzen die Übersetzung, weil der Feed-Post wird ja sonst sehr lang, meistens in den ersten Kommentar eines Postings. Das ist so ganz operativ, wie man das sozusagen gut lösen könnte, und haben jemanden eingestellt, der für 20 Stunden eben für diesen Instagram-Kanal auch zuständig ist. Aktuell gibt es Überlegungen, diesen Kanal ganz normal mit in den sogenannten Newsroom zu integrieren im Bereich Medienkommunikation, dass man also ein Thema bekommt und dann im Prinzip überlegt, für welche Kanäle eignet sich das Thema? Also, da ist gerade einiges im Umbruch, aber ich würde sagen, Mut und Lust sollte da sein und aber natürlich auch Men- bzw. Womenpower auf jeden Fall.
Katja Bär
Die Ressourcenfrage wird uns bestimmt noch ein bisschen beschäftigen. Es wird ja auch oft die Internationalisierung als so eine Querschnittsaufgabe für alle angesehen und dann aber oft nicht mitgedacht, dass dafür auch extra Ressourcen notwendig sind. Wie ist das bei dir, Marco? Du bist ja die zentrale Person, die bei euch internationale Studierendengewinnung macht. Wie blickst du da drauf?
Marco Krinowski
Genau, ich bin die zentrale Person für internationales Marketing, internationale Studierendengewinnung, habe aber den Schlüssel zum Instagram-Account nicht. Das kennen vielleicht einige Zuhörerinnen und Zuhörer auch, einfach in den Hochschulen so unterschiedlich gelöst. Gehört man zur Hochschulkommunikation? Ich sitze jetzt im International Office, ich gehöre eben nicht zur Hochschulkommunikation. Ich sag mal, man hätte vielleicht vor 7 Jahren auch eine Münze werfen können und bei Zahl wäre ich eben dort gelandet. Wir nutzen Instagram vornehmlich auch für Studieninteressierte, verlassen uns allerdings so in dieser Sprachenfrage jetzt, auf die wir auch gerade kamen, auf technische Lösungen, die es mittlerweile gibt. Also ich glaube, wir haben vor Jahren noch drüber gesprochen, übersetzen wir Posts? Wenn ja, wohin kommt der englische Text? Englisch zuerst, Deutsch zuerst? Und dadurch, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt, sich die Posts übersetzen zu lassen, wenn, ich sag mal, die Sprache im Telefon schon anders eingestellt ist, da gibt es so viele Plugins, Untertitel werden je nach Kanal oder Plattform schon automatisch erstellt. Da gibt es also tolle Möglichkeiten. Das heißt, selbst wenn die Ressourcen nicht da sind, wenn jetzt keine, ich glaube, 20 Stunden hast du gerade gesagt, eine Person jetzt Zeit hätte, das noch nachzupflegen, können, glaube ich, auch Häuser mit kleinen Teams da durchaus Angebote machen, weil es einfach technisch da ist.
Vielleicht: Einen Tod muss man sterben, dann ist es mal nicht perfekt übersetzt oder die Untertitel sitzen eben nicht so an Ort und Stelle, wo man sie sich wünscht. Aber ich glaube, es ist besser als nichts. Was ich aber auch sehe im Gespräch mit Studierenden, für jeden Kanal, den wir vielleicht noch anbieten, fehlt uns dann trotzdem einer. Also wir benutzen auch eine App, um mit Studierenden zum Beispiel zu kommunizieren, und trotzdem treffe ich Erasmus-Studis, die hätten dann gerne irgendwie WhatsApp, oder Studis aus Afrika, die hätten gerne einen Telegram-Kanal, oder ich fange jetzt gar nicht mit Weibo und WeChat oder irgendwie sowas an, oder was gibt es alles für Kontakte, Ordnung, Klassennicke, also alle möglichen Plattformen, Facebook sogar noch irgendwo, Südasien, wo man eigentlich auch mit Gruppen super arbeiten könnte. Das ist echt unterschiedlich und da haben wir uns eben so entschieden, wie wir uns entschieden haben, was man auch leisten kann. Und es ist dann App, Instagram und auch immer mehr LinkedIn. Auch gerade international wird das sehr spannend.
Katja Bär
Und Marco, bei euch, ihr habt ja einen sehr hohen Anteil an Internationals, die sind aber nicht alle unbedingt englischsprachig, ne?
Marco Krinowski
Ja, das ist gut, dass du es noch mal sagst. Also den wichtigen Satz habe ich tatsächlich vorhin vergessen. Von wegen international und englischsprachig. Also international heißt nicht automatisch englischsprachig. Also es gibt genauso viele, aktuell erleben wir wieder einen Aufschwung, jahrelang war es ein bisschen ruhiger, von Studierenden aus Kamerun, besonders aus dem frankophonen Teil. Die kommen besonders gerne nach Deutschland, weil deren Sekundarschulabschluss hier anerkannt ist, also einen direkten Hochschulzugang bedeutet. Und auch Deutsch ist nach wie vor eine beliebte Fremdsprache dort. Ich habe Studierende auf dem Campus aus Mexiko oder aus südamerikanischen Ländern, deren Englisch ist gar nicht so gut. Die haben Deutsch gelernt in der Schule und die studieren ja auch was auf Deutsch. Das heißt, du würdest auch Leute verlieren, wenn du im Prinzip deine Inhalte, ich nehme an, Lina wird das ähnlich sehen, wenn du deine Inhalte, deine Ausflugstipps oder sowas fürs Wochenende für die Region Leipzig, um an den See zu fahren, nur auf Englisch kommunizierst, verlierst du im Prinzip auch nicht nur die deutsche Zielgruppe, die sich vielleicht für so Themen interessiert, aber eben auch die internationale Zielgruppe, die vielleicht nicht firm ist im Englischen.
Katja Bär
Marco, ich würde gern bei dir noch mal eintauchen, wie du rekrutierst. Du hast vorhin auch gesagt, du fährst in die Schulen. Ich habe mir eben gerade vorgestellt, wie du an die deutschsprachige Schule nach Mexiko fährst. Habe ich ein falsches Bild?
Marco Krinowski
Nee, das kann man sich so vorstellen.
Ina Teloudis
Ja, wie schrecklich.
Marco Krinowski
Ja, das ist total hart, der Job. Also ich war früher in Ecuador und Kolumbien und jetzt stehen eben für Herbst/Winter noch mal Mexiko und Costa Rica auf der Agenda. Ich würde ganz kurz Pause lassen, um einfach all den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, kurz zu weinen. Und das ist natürlich toll, aber witzigerweise muss ich dazu sagen, dass ich in der glücklichen Lage bin, dass ich auch Spanisch spreche und da dann tatsächlich in den Schulen auch die Präsentation auf Spanisch mache. Gerade wenn Eltern auch dann am Stand sind. Die Schulen haben gerne so kleine Messeteile dann auch, wie so einen Markt aufgebaut und stellen den Hochschulvertretern dann auch Fragen. Und das mache ich dann auch auf Spanisch. Was ich nicht habe, ist, ich übersetze meine Materialien nicht noch mal auf Spanisch. Also vielleicht so einen kleinen Aufsteller oder irgendwas, aber jetzt noch mal meine Batterie an Studiengangsflyern oder so was, da tun mir die Bäume einfach auch zu sehr leid, das jetzt noch mal zu übersetzen. Meine PowerPoint-Präsentation ist dann auf Spanisch.
Katja Bär
Kamerun, Mexiko, Osteuropa— wie kommt ihr auf diese Zielgruppen? Wie identifizierst du diese Märkte?
Marco Krinowski
Auch ein weites Feld. Kann man kurz Werbung machen auch für GATE, riesiges Thema Zielmarktrecherche. Gibt es Fortbildungen, gibt es zu jeder Seminare beim DAAD auch, ne. Also woher weiß man das eigentlich? Es sind Erfahrungswerte. Man muss irgendwie einen Blick natürlich auch haben und so ein bisschen in der Medienlandschaft verfolgen: Wie entwickeln sich so Länder? Was passiert da gerade? Stürzen irgendwie Währungen ab? Gibt es irgendwie Einreisebeschränkungen? Sind Botschaften geschlossen? Da passiert ja leider viel zu viel auf der Welt, was das eigentlich erschwert. Und ansonsten sind es wissenschaftliche Herangehensweisen. Also man recherchiert, man recherchiert Informationen. Wo besteht eine Visumpflicht? Das ist irgendwie vielleicht noch relativ leicht. Welche Sekundarschulabschlüsse sind in Deutschland anerkannt? Welche Unis sind in Deutschland anerkannt? Welche Studienfelder sind in welchen Ländern besonders beliebt? Wie ist so die Kaufkraft in verschiedenen Regionen? Wie steht es ums Fremdsprachenlernen in verschiedenen Regionen? Und da gibt es ganz viele Quellen, also so die standardisierten Englischtestanbieter, die ich jetzt nicht nenne, veröffentlichen aber zum Beispiel Daten, in welchen Regionen, in welchen Testzentren welche durchschnittlichen Testergebnisse erzielt werden. Das heißt, ich könnte jetzt durchgucken, wenn ich sage, mein Masterstudiengang für— was gibt es bei uns nicht— Architektur ist auf Englisch, braucht ein C1 Englisch.
Ja, dann gehe ich los und gucke, wo sprechen die Leute besonders gut Englisch? Und ich kann auch bei Duolingo rausfinden, die erwähne ich jetzt mal, weil es irgendwie so besonders ist und der DAAD sie jetzt neuerdings auch akzeptiert für ihre Stipendienbewerbungen. Die veröffentlichen auch Infos, wo zum Beispiel welche Fremdsprache besonders beliebt ist. Da weißt du dann, dass irgendwie in Kroatien gerne Deutsch auf Duolingo geprobt wird oder geübt wird. Und wenn ich jetzt überlege, ich will ein Land, wo es anerkannte Sekundarschulabschlüsse gibt, wo vielleicht keine Visapflicht für Deutschland besteht, wo in Deutschland Interesse besteht, wo Deutsch gelernt wird, was vielleicht auch nicht so weit ist, um meine Reisekosten zu schonen, könnte man überlegen, ob man mal nach Kroatien fährt. So nähert man sich dem dann so langsam an.
Katja Bär
Lina, ihr seid jetzt ein sehr bekannter und beliebter Studienstandort und auch als alte Volluniversität sehr bekannt. Habt ihr auch so Schwerpunktländer, aus denen eure Internationals kommen?
Lina Hörügel
Studierendenmarketing, hatte ich ja vorhin schon erwähnt, machen wir nicht gezielt für bestimmte Regionen oder bestimmte Länder. Das, was wir machen, ist, beziehungsweise generell in Sachsen wird ja mit den sogenannten Sex and Science Liaison Offices zusammengearbeitet. Das sind also diese internationalen Wissenschaftsbüros, die zum Beispiel in Vietnam durch die Universität Leipzig betreut werden und die dafür sorgen, dass sozusagen vor Ort die Gewinnung von Fachkräften für Sachsen aktiv unterstützt wird, indem quasi der akademische Austausch gefördert wird. Also diese Verbindungsbüros bilden schon so Schwerpunktregionen. An sich sind wir aber offen und ich möchte da auch ganz offen sein. Warum machen wir kein Studierendenmarketing? Weil wir es bislang eigentlich nicht wirklich nötig hatten, sage ich jetzt mal, auch wenn das nicht arrogant klingen soll, weil wie du gerade richtig formuliert hast, wir sind als Standort sehr attraktiv für internationale Studierende, erhalten jedes Jahr wirklich unendlich viele Bewerbungen und ich bin sehr gespannt, wie sich das aber in Zukunft gestalten wird. Also, wir reden über demografischen Wandel. Wir sind trotzdem eine Hochschule, die im Osten von Deutschland platziert ist, und ich denke, dass wir da vielleicht in den kommenden Jahren die Schwerpunkte stärker setzen müssen, als wir es vielleicht bisher getan haben.
Das kann gut sein, ja.
Katja Bär
Und Marco, habt ihr auch Kampagnen, die ihr macht?
Marco Krinowski
Ich würde mal sagen, jein. Also, kleinere Kampagnen vielleicht für irgendwie Social-Media-Auftritte, dass wir da ein paar Flights ausspielen, wo Budget auch dann unterfüttert drinsteckt. Würde ich spontan sagen, ja, machen wir für unser Studienvorbereitungsprogramm. Also wir haben nicht so wie Leipzig ein Studienkolleg, das ist irgendwie auch in Hessen anders geregelt. Da gibt es eine Pilot Novellierung des Hochschulgesetzes damals. Also wir machen unsere eigene Vorbereitung und da lohnt es sich dann vielleicht auch mal, eine kleine Kampagne fertig zu machen. Aber ich finde es ein bisschen schwierig, irgendwie große Kampagnen zu stricken, weil dafür einfach das Budget nicht ausreichen würde, glaube ich, um entsprechend zu platzieren und auch die Zielgruppen viel zu unterschiedlich sind. Also ich sag mal, wenn ich wüsste, okay, es sind Bachelorstudiengänge in der Region um Fulda, 100 Kilometer oder in den angrenzenden Bundesländern, und ich wähle irgendwie so ein, zwei Social-Media-Kanäle irgendwie aus, dann geht es vielleicht. Und dann kann ich irgendwie auch so mit den Botschaften und in der Wort-Bild-Sprache irgendwie da was Schönes zusammenstellen. Aber die Zielgruppen sind da einfach homogener. Also sprachlich, kulturell, du hattest es vorhin angesprochen. Also wir haben auch, witzige kleine Anekdote, wir haben auch schon auf Materialien von einem Fotoshooting einen Rock in Photoshop verlängert, weil wir das irgendwie nicht angemessen fanden für bestimmte Regionen.
Und dann gibt es eben Regionen, die finden Stahl und Beton ansprechender für Unis, weil das so Moderne und irgendwie Zukunftsträchtigkeit oder Ausstattung und sowas irgendwie,ausdrückt und jemand anders findet halt Fachwerk und Efeu und Biergärten oder so ansprechend. Und da muss ich aber auch gucken, mit welchen Bildern ich wo reingehe. Und es wird dann schwer, da eine große Kampagne zu machen.
Ina Teloudis
Erinnert mich so ein bisschen an Standortmarketing, was du auch gerade erzählst. Ist das ein Thema?
Marco Krinowski
Absolut. Vielleicht hören Sie ja zu, aber ich würde total gerne noch viel enger auch mit der Stadt Fulda, Region Fulda, Wer so alles dazugehört, das ist ja auch ein bisschen unterschiedlich, ne? Also Stadtentwicklung, City-Marketing, zusammenarbeiten, sich abstimmen, weil das natürlich ein Studienort ist, immer auch ein Lebensort, und die Leute sind für den Master mindestens 2 Jahre hier. Die Stadt kriegt Neubürger, kriegt Akteure, die sich engagieren in Sport, in der Freizeit, die Konsumenten sind. Über einen kommunalen Finanzausgleich gibt es vielleicht sogar ein bisschen mehr Geld für mehr Einwohner. Also man hat ja auch was davon als Stadt. Und vielleicht kann man da so einen Deal machen. Dann muss ich nicht in der Tourismusinformation irgendwie Goodies besorgen, die ich dann mit auf meine Messen nehme, sondern krieg vielleicht eine Kiste mal zur Verfügung gestellt.
Lina Hörügel
Vielleicht kann ich da anschließen, weil ich hatte ja vorhin die kleine Zielgruppe erwähnt der nominierten internationalen Studierenden, die dann vielleicht aber ihre Nominierung in der Hand halten, aber sich für eine andere Universität entscheiden. Und genau an dem Punkt setzen auch wir, man kann es Stadtmarketing nennen, mit ein, indem wir sozusagen genau an diese Studierenden E-Mails rausschicken mit Mensch, Du bist ja angenommen hier oder hast eine Nominierung erhalten. Setz dich doch noch ein bisschen mehr auseinander mit der Universität und der Stadt und überleg dir, ob es vielleicht eigentlich eine gute Wahl wäre herzukommen. Und da setzen wir auch aktiv sozusagen auf all das, was Leipzig zu bieten hat, die Umgebung, aber auch generell, ich meine, Studentenstadt, was es alles für Möglichkeiten gibt, auch für Vernetzungen und so weiter und so fort. Und das Gleiche versuchen wir tatsächlich auch über, ich nenne es manchmal so gerne weiches Marketing. Also wir setzen sehr stark Porträts ein von unseren internationalen Studierenden. Das bedeutet, wir interviewen die wirklich klassisch auf dem Campus zu ihren Erfahrungen in Leipzig, Follow-me-arounds, alles so was in der Richtung, damit sozusagen die Zielgruppe für die Zielgruppe kommuniziert. Das funktioniert ja auch über den DAAD mit Studieren weltweit quasi in die Outgoing-Richtung, aber in die Incoming-Richtung versuchen wir das sozusagen zu machen und dann auf Instagram auch die Universitäten zu taggen, die Studierenden wiederum zu taggen, die mit uns ihre Erfahrungen teilen. Und auch da haben wir ja Stadtmarketing auf eine Art mit drin, mit den Tipps und Tricks und den Geheim-Orten, die Studierende dann sozusagen der Zielgruppe offenbaren. Funktioniert aus unserer Sicht ganz gut.
Marco Krinowski
Fällt mir einfach spontan ein, ich hoffe, dafür ist gerade Platz. Ich habe unser Bürgeramt ein paar Jahre in Folge belöffelt und genervt, dass sie doch bitte dieses Antragsverfahren für den Studenteneuro, das ist so, wenn du dich hier zum ersten Mal meldest mit deinem Wohnsitz, gibt es irgendwie 100 Euro von der Stadt. Die gibt es natürlich auch für deutsche Studis. Dann habe ich die irgendwie 2, 3 Jahre in Folge belöffelt, warum wir da dieses Antragsformular auf der Webseite nicht auch auf Englisch anbieten. Wir hätten halt so viele Studis, die kein Deutsch sprechen. Das wäre ja irgendwie nett. Und das gibt es jetzt auch auf Englisch. Also das hat natürlich irgendwie dann mit Marketing nichts mehr zu tun, aber es ist irgendwie netter, gesehen zu werden. Ich finde es ganz schön, wie du es gesagt hast, Lina, gesehen zu werden. Und spricht sich dann irgendwie auch rum, Mensch, die geben mir sogar 100 Euro, wenn ich da jetzt hingezogen bin. Ist ja irgendwie nett. Und what goes around comes around.
Katja Bär
Da entstehen in einigen Städten, wo es das noch nicht gibt, inzwischen auch Initiativen. Aber ich finde einen ganz wichtigen Punkt noch mal. Also, ihr habt das jetzt beide noch mal deutlich gemacht, wer international kommuniziert, muss deswegen nicht weniger lokal werden, sondern gerade dieses lokale Gesicht muss sichtbar gemacht werden. Sowohl die Hochschule Fulda als auch die Uni Leipzig haben ja Partner in der Initiative Europäische Hochschulen. Ihr seid da beide in Allianzen integriert. Und vielleicht zoomen wir da noch mal rein, was das für eure Kommunikation, euer Studierendenmarketing bedeutet, wie ihr das nutzen könnt, wie es das unterstützt.
Lina Hörügel
Ich kann gerne anfangen. Bei uns heißt die Europäische Hochschulallianz ARCUS, in der wir zusammenarbeiten. Und ich hatte vorhin schon gesagt, wir haben jemanden, der sich bislang mit dem internationalen Social-Media-Thema auseinandergesetzt hat. Und eben diese Person ist bei uns auch für die ARCUS-Kommunikation an der Universität Leipzig zuständig. Das bedeutet also innerhalb der Allianz in bestimmten Kommunikations- AGs integriert und auch dafür zuständig, eben die Mobilitäten beziehungsweise die Aktivitäten, die die Europäische Hochschulallianz bietet, unter den Uni-Leipzig-Angehörigen zu kommunizieren beziehungsweise darauf aufmerksam zu machen. Das bedeutet, auch da setzen wir wieder Porträts ein. Wir porträtieren also unsere Angehörigen, die über ARCUS im Ausland sind, also vor allen Dingen Studierende natürlich, aber genauso gut auch Gruppen, die mit Lehrkräften zusammen zum Beispiel im Rahmen der Allianz Sachen umsetzen. Und auch Studierende, die von den ARKUS-Partnerhochschulen bei uns hier Aufenthalte erleben. Und so zeigen wir sozusagen, wie stark die Vernetzung innerhalb der Allianz ist und welche Mobilitätsmöglichkeiten es gibt.
Marco Krinowski
Bei uns ist es UDRIS, 9 Hochschulen, meistens Hochschulen für angewandte Wissenschaften abseits der großen Städte. Das vereint uns auch. Und thematisch widmet sich die Allianz dann eben auch klar so Nachhaltigkeitsthemen, aber auch wie reagieren im Prinzip Städte auf Strukturwandel, demografischen Wandel, wie können wir gemeinsam Lösungen entwickeln. Und ich sitze in einem Arbeitspaket auch für die Allianz, für die Hochschule Fulda im Bereich Kommunikation. Das hat einfach irgendwie Sinn gemacht, ne. Die Allianz brauchen wir eine Webseite im Baum der Hochschule Fulda, die Allianz brauchen Flyer, die Allianz muss wissen, wie man Sticker druckt oder wo unser Grafikdesigner irgendwo sitzt. Und da hat das irgendwie Sinn gemacht, da so das mit ans Laufen zu bringen. Läuft aber sehr gut von alleine jetzt. Tolles Team auch dort. Und fürs Marketing, ich sag mal, es ist vielleicht noch Luft nach oben, aber wir machen schon schöne Sachen, weil es kommen einfach Studierende von diesen Partnerunis zu uns. Die sind oft im Bachelor, die sind dann für 2 Tage mal für einen Hackathon da, für ein Kurzprogramm, sehen dann, was für eine schöne Stadt Fulda ist. Also wer noch nicht da war, steigt ruhig mal aus dem ICE aus und guckt es euch mal an. Und merken dann eben, das ist ja total toll. Und Mensch, in Fulda gibt es irgendwie 8 englischsprachige Master, wenn ich mich nicht täusche, sowas in der Größenordnung. Da könnte ich ja eigentlich auch nach meinem Bachelor in meinem Heimatland Portugal, Niederlande, Finnland ja auch wiederkommen. Ich kenne schon Leute in Fulda und das sind so tolle Zuführungen dann auch, ne. Also da bin ich als Marketingreferent natürlich irgendwie scharf drauf, die Leute dann wiederzusehen und anzusprechen. Aber es ist vielseitig, also da ist auch Citizen Science mit drin. Wir gucken, dass wir Mitarbeitende ins Ausland kriegen, dass wir unsere Forschenden ins Ausland kriegen, Da entstehen Mehrfachabschlüsse oder so Joint Degrees, ne, die sind dann wieder sehr, sehr attraktiv, um sie international zu vermarkten. Und jemand, der vielleicht in Anführungsstrichen nicht nur an die Hochschule Fulda gekommen wäre oder an die Hochschule Fulda oder an die Hochschule sonst wo für einen Master, kann sich ja überzeugen lassen, weil es jetzt plötzlich 2 Abschlüsse in einem Master sind. Und dann wird man doch wieder attraktiv. Und da steckt so viel Potenzial drin, da freue ich mich. Wenn wir in Zukunft, geht ja bald weiter, auch mit den neuen Runden, dann, dass wir da noch ein paar Schätze heben.
Ina Teloudis
Lina, Marco, von euch als, ja, alten Hasen und schon lange im internationalen Geschäft, was würdet ihr denn Kolleginnen und Kollegen raten an Hochschulen, die das vielleicht gerade erst aufbauen, da noch gar keine Stelle für haben, die da jetzt erst langsam einsteigen?
Marco Krinowski
Was mir auffällt, auch jetzt so in den letzten Konferenzen, wo ich gesprochen habe, oder mal beim DAAD, auch so in der, ich sag mal, in der Jahrestagung, wir sind dann so in einer Blase drin, ne. Das ist noch ein neues Thema. Also nicht jede Hochschule in Deutschland hat einfach eine Referentin für internationale Öffentlichkeitsarbeit oder einen Referenten für internationales Marketing. Und ganz oft entsteht so dieses, oh, hätte ich gerne, gibt's bei uns nicht, können wir nicht und so. Also es entsteht ganz oft zu dieser, irgendwie habe ich das Gefühl, so ein Druck, die Leute müssten jetzt irgendwie mal ganz schnell liefern und Stellen besetzen, weil die kommen sonst hintertreffen. Und ich würde da immer gern so ein bisschen den Druck rausnehmen und sagen, hey, auch kleine Teams können was machen. Man kann irgendwo anfangen. Als Lina damals, ich weiß noch, so der erste große Auftritt mal bei einem Marketingkongress, ist schon ein paar Jahre her, diese fette Matrix, diese Übersicht mit Zielgruppe, Kommunikationsanlass und so, das hat alle irgendwie geflasht. Aber das hat ja auch erst mal eine Person sich überlegt. Wen wollen wir erreichen? Was sind Themen? Welche Kanäle gibt es und so? Also diese Inventarisierung, was haben wir denn schon?
Ist ja nichts für einen luftleeren Raum. Was haben wir denn schon? Was sind denn die Ziele? Was steht denn wirklich in den Strategien drin? Was muss ich denn machen? Steht da drin mehr Studierende? Was heißt denn mehr Studierende? Mehr internationale Studierende? Muss ich mich jetzt im Marketing verrückt machen? Hole ich mit Marketing vielleicht nur Bewerbungen rein? Werden aus Bewerbungen automatisch Einschreibungen oder ist da vielleicht noch jemand anders dran beteiligt? Ist die Studierendenzahl, um die es ja geht bei mehr Studierenden, am Ende vielleicht auch eine erfolgreiche Rückmeldezahl? Also geht es auch um Studienzufriedenheit, Studienerfolg und so was? Was heißt denn das? Und das ist mir dann immer auch wichtig, dass die Leute den Auftrag gut klären. Was wollen wir erreichen? Was ist der Zeithorizont? Wie ist die Ressourcenausstattung? Du hast jetzt One-Man-Show gesagt. Ich habe natürlich Leute an den Fachbereichen, die mich unterstützen, die mal für mich eine Laborführung machen, wenn es eine Schulklasse besuchen kommt. Die mit mir zusammen irgendwie dann Flyer gestalten oder Profile pflegen. Also ganz, ganz alleine schaffe ich das eben auch nicht mit einer vollen Stelle, was ich immer den Eindruck habe oder die Angst habe, es entsteht so eine Art Druck, so, also wir machen das, jetzt müsst ihr das aber auch machen, und davor habe ich so ein bisschen Bedenken.
Ina Teloudis
Naja, der Job hört ja auch nicht auf, wenn du deinen gemacht hast, ne, dann sind die ja auch da, und was dann, ne.
Katja Bär
Die internationale Marke entsteht halt aus dieser gesamten Hochschulerfahrung oder aus der Erfahrung mit der gesamten Hochschule, Ja, und auch nicht nur am Anfang vom Student Lifecycle, ne. Ja, Lina, hast du noch so einen Tipp für Hochschulen, die sich auf den Weg machen?
Lina Hörügel
Also im Prinzip das, was Marco gesagt hat, von dieser Matrix, von der er sprach, das war tatsächlich sozusagen die Grundlage für unser Konzept, wie man mit internationalen Zielgruppen gut kommunizieren kann und vor allen Dingen, und das ist ja immer das Wichtigste, zielgerichtet. Also wirklich, wenn eine Hochschule anfängt, sich mit internationaler Kommunikation jetzt auseinanderzusetzen, wäre mein erster Tipp, bitte mal einen Blick in die Internationalisierungsstrategie und davon dann wirklich minutiös quasi für jede von diesen Zielgruppen ableiten, was ist denn überhaupt das Ziel, was ich erreichen möchte, und wie kann ich das mit Kommunikation vielleicht unterstützen, die Zielerreichung. Und eben bei den Zielgruppen auch wirklich nicht nur an, okay, wir haben internationale Studierende, wir haben nationale Studierende und dasselbe noch mal Wissenschaftlerinnen und Mitarbeitende, sondern eben wirklich sich Zeit nehmen, in diese Zielgruppen wirklich einzutauchen. Du redest gerade vom Student Lifecycle, den haben wir bei den internationalen Studierenden habe es vorhin gesagt, extrem natürlich. Die kommen zu uns oder die sind interessiert, die kommen an, die sind ganz frisch, dann sind sie im Studium, dann wollen sie einen Studienerfolg, dann überlegen sie, ob sie vielleicht hier bleiben. Das ist ein ganz wichtiger Punkt für uns, wenn wir über internationale Fachkräftegewinnung reden.
Und dann sind sie irgendwann Alumni und dann können wir sie wieder als Multiplikator:innen nutzen. Und man sollte es auf jeden Fall im Blick behalten, eben dass diese gesamte aufgesplitterte Zielgruppe sozusagen super wichtig ist und für verschiedene Sachen eingesetzt werden kann. Und genauso haben wir das auch bei den nationalen Studierenden, weil internationale Kommunikation bedeutet natürlich auch genauso zu schauen, dass die nationalen Studierenden Auslandserfahrungen sammeln können und sich international aufstellen sozusagen für ihre Karriere. Und auch da kann man reingehen und sagen, okay, wir haben Leute, die wissen überhaupt nicht, ob sie ins Ausland gehen wollen. Dann haben wir Leute, die stehen direkt vor ihrem Aufenthalt. Wir haben Leute, die sind jetzt im Ausland und gerade zurückgekommen. Und auch da eröffnen sich wieder ganz verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten, ne. Und sich dafür wirklich Zeit zu nehmen, ich weiß, dass das im Alltag sehr schwierig ist und man meistens eben auch personell nicht so besetzt ist, dass man die Zeit hat. Aber die ist super wichtig am Anfang, um eine Grundlage zu schaffen, um dann wirklich zu sagen, okay, und jetzt konzentrieren wir uns auf ganz bestimmte Zielgruppen und ganz wichtige Ziele sozusagen und überlegen eben, wie wir zielgerichtet kommunizieren können und nicht einfach drauflos.
Das wäre so mein größtes Anliegen. Nicht einfach drauflos, sondern kurz noch mal überlegen, was wollen wir eigentlich erreichen und wie machen wir das?
Ina Teloudis
Weg mit der Gießkanne. Exakt. Okay, vielen, vielen Dank, dass ihr euch so lange Zeit genommen habt, um mal ein bisschen zu erzählen und uns ein bisschen gucken zu lassen in euren Arbeitsalltag und eure Erfahrungen. Sehr, sehr spannend. Dankeschön.
Lina Hörügel
Sehr gern.
Marco Krinowski
Sehr gern.
Ina Teloudis
Ja, das war jetzt ein echter Deep Dive. Und bevor wir jetzt den Deckel drauf machen, Katja, du hast ja so die Insiderbrille auf heute. Was sind so deine 2, 3 Main Takeaways? Was nimmst du so mit aus der Folge heute?
Katja Bär
Also ich habe mir aufgeschrieben, noch mal ganz, das ganz zentral und am Anfang die Strategie stehen sollte und dass das internationale Hochschulmarketing die Internationalisierungsstrategie unterstützen kann, aber es kann sie nicht ersetzen. Und da haben wir an den Hochschulen sehr unterschiedliche Strategie-Tiefen. Es lohnt sich, glaube ich, dann für alle in der internationalen Kommunikation, im internationalen Hochschulmarketing, noch mal zu schauen, reicht mir die oder muss ich mir da noch mal strategische Überlegungen auch einfordern oder abholen. Und was mir auch noch mal ganz deutlich geworden ist, gerade auch noch mal mit dem, was wir jetzt aus Leipzig gehört haben, ist, dass die internationale Marke eben aus diesem gesamten Blick auf die Hochschule eben auch sich ergibt und entsteht und deswegen auch ganz wichtig ist, Internationale sichtbar zu machen, wenn sie dann auf dem Campus sind, und nicht bei der Rekrutierung dann eben zu Ende. Ein ganz wichtiger Punkt wäre auch noch mal, es ist mehrmals gesagt worden, es gibt nicht die internationale Zielgruppe. Und wie wir jetzt gelernt haben, ist es nicht mal so, dass die internationale Zielgruppen alle englischsprachig sind, sondern dass man da auch noch mal drauf aufpassen muss. Viele sind deutschsprachig oder haben noch mal eine andere Grundsprache, mit der sie dann zu uns kommen.
Und das wird im Alltag wirklich oft zu schnell vergessen.
Ina Teloudis
Fand ich auch sehr spannend tatsächlich. Dann haben wir es rund. Ja, dankeschön, Katja, dass auch du dir Zeit genommen hast und das auch jetzt zum Ende noch mal so gut auf den Punkt gebracht hast. Vielen, vielen Dank.
Katja Bär
Ja, vielen Dank Ihnen auch, dass ihr das Thema so angeregt habt. Sehr schön.
Ina Teloudis
Und das war sie, Folge 27 von Inside Hochschulkommunikation. Und wenn euch die Folge weitergebracht hat, wenn euch da auch die eine oder andere Erkenntnis gekommen ist, teilt sie gerne in eurem Netzwerk, lasst uns eine Bewertung da bei Spotify und schreibt uns auch gerne auf LinkedIn euer Feedback. Wir hören uns wieder in 14 Tagen. Tschüss, bis zum nächsten Mal!