Folge 25 – Das Volontariat 2.0: Welche Skills braucht der Nachwuchs in der Hochschulkommunikation wirklich?
Früher. Junge Volontär:innen lernen Pressemitteilungen schreiben, ein paar Kanäle bedienen, interne Prozesse verstehen. Fertig.
Heute? Ein Volontär:in muss gleichzeitig Content für fünf Plattformen anpassen, KI-Tools bedienen, ohne die Kontrolle abzugeben, in Echtzeit reagieren und trotzdem wissen, wie man eine Pressekonferenz moderiert. Das klassische Handwerk zählt natürlich noch, aber es reicht längst nicht mehr.
Gleichzeitig fragen sich Ausbildende: Worauf konzentrieren wir uns? Was müssen Anfänger:innen überhaupt noch lernen und was eignet man sich on the go an? Und wo entstehen die größten Lücken, bei Technik, bei Prozessdenken oder bei der Resilienz?
In Folge 25 sprechen drei Hochschulkommunikatoren:innen offen über genau das: Was bleibt Standard, was ist neu erforderlich, und wie bildet man Nachwuchs aus, der zukunftsfähig ist? Und welche Rolle können Hochschulnetzwerke und interne Leitlinien spielen? Die Stimmen der Folge 25: Constanze Schölch (Referentin für Hochschulkommunikation, Hochschule München), Florian Klebs (Leiter der Stabsstelle für Pressearbeit, interne Kommunikation und Social Media, Uni Hohenheim) und Karin Bauer-Leppin (Leiterin Kommunikation und Marketing, FU Berlin).
Ina Teloudis
Ina Teloudis
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Inside H-Komm. Ich bin Ina Teloudis und wir drehen heute die Hochschul- und Campus Kommunikation mal wieder gemeinsam eine kleine Runde weiter. Und es dreht sich ja so einiges, wenn wir uns ganz konkret heute Berufsbilder im Bereich Hochschulkommunikation anschauen. Die Einstiege kommen schneller, die Kanäle verändern sich rasant und das klassische Berufsbild von vor 5 oder 10 Jahren greift an vielen Stellen einfach überhaupt nicht mehr. Und ja, man muss schon sehr flexibel bleiben, um bei diesem Tempo mitzuhalten. Was bedeutet das eigentlich für den Nachwuchs, den wir gerade in unseren Abteilungen ausbilden? Was müssen die heute zwingend lernen und was können wir uns vielleicht auch schenken? Genau darum geht es heute. Unter anderem ein ganz, ganz ungeschminkter Blick auf den Weg vom ersten Tag im Volontariat bis hin zum Ausgelernt mit Zukunfts Skills. Da reden wir drüber, und zwar mit Constance Schölch von der Hochschule München. Hallo Constance.
Constance Schölch
Hallo Ina.
Ina Teloudis
Mit Florian Klebs von der Uni Hohenheim. Hi Florian.
Florian Klebs
Hallo.
Ina Teloudis
Und Karin Bauer-Leppin von der FU Berlin ist dabei. Hallo Karin, schön, dass du als Wiederholungstäterin schon dabei bist.
Karin Bauer-Leppin
Hallo, danke.
Ina Teloudis
Ja, ihr seid zumindest digital alle da. Macht es uns, mir, doch ein bisschen einfach und stellt euch gerne einmal selber vor. Wer seid ihr? Was macht ihr im Tagesgeschäft und was ist euer Bezug zum Thema? Karin, magst du gleich anfangen?
Karin Bauer-Leppin
Ich bin Karin Bauer-Leppin. Ich leite Kommunikation und Marketing an der FU Berlin seit einigen Jahren und war vorher aber viele Jahre auch in der Privatwirtschaft tätig und habe so viele Jahre jetzt auf dem Buckel, dass ich insgesamt auf die Ausbildung von bestimmt 15 oder 20 Volontär:innen zurückblicken kann, die mir meinen Weg gekreuzt haben, denen ich helfen durfte, ins Berufsleben zu kommen. Mein eigenes Volontariat liegt schon so lange zurück. Es war Mitte der 90er in einer Tageszeitung und insofern ist das auch mein Bezug zum Thema. Was von damals hilft mir heute noch und was nicht? Darüber freue ich mich gleich zu sprechen.
Ina Teloudis
Okay, danke schön. Constance?
Constance Schölch
Ja, ich habe 2022 mit dem Volontariat an der Hochschule München begonnen und bin also noch nicht ganz so lange dabei. Hatte dann das Glück, nach dem Volontariat nach 2 Jahren weiterzumachen als Referentin für Hochschulkommunikation, und da ist mein Aufgabengebiet immer noch recht breit gefächert, von klassischer Pressearbeit, Social Media, aber auch das Hochschulmagazin, was bei uns zweimal im Jahr erscheint. Das koordiniere ich und ja, bin jetzt auch seit September letzten Jahres Teil des Vorstands mit Karin zusammen des Bundesverbands.
Ina Teloudis
Breitgefächerte Aufgaben.
Constance Schölch
Ja, auf jeden Fall.
Ina Teloudis
Florian, du bitte auch noch einmal den Rundumschlag.
Florian Klebs
Ich bin zu meiner eigenen Überraschung jetzt seit über 20 Jahren an der Uni Hohenheim und leite zusammen mit einer Kollegin die Stabsstelle für Pressearbeit, interne Kommunikation und Social Media. Ist ein langer Titel, hat aber den Vorteil, dass er eigentlich alles schon beinhaltet. Angefangen habe ich ähnlich wie Karin, freie Mitarbeit bei der Zeitung, Zeitungsvolontariat, dann Magazinproduktion und Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Pressesprecher. Danach wollte ich eigentlich mit einem Freund zusammen ein Redaktionsbüro eröffnen und habe dann kurz die Uni Hohenheim zwischengeschoben. So ist es dann halt gekommen. Ich habe vom ersten Tag an Praktikantinnen und Praktikanten gehabt. Mehr Geld hatte ich nicht. Und als sich dann die allererste Chance bot, das ist jetzt auch 2008, den ersten Volontär einzustellen, seitdem haben wir durchgehend Volontärinnen und Volontäre gehabt. Und Die bereichern uns stark.
Ina Teloudis
Okay, ihr seid unterschiedlich weit vorgedrungen jetzt im Bereich, auch unterschiedliche Zielgruppen. Also Constance, du hast selber gesagt, dein Einstieg ist noch gar nicht so lange her, 2022, obwohl in der digitalen Zeit ist das ja eine Ewigkeit. Mit welchen Erwartungen bist du damals gestartet in den Job? Hast du dir vorstellen können, dass du jetzt ja diese Bandbreite bedienen musst, von Digitalmarketing, Social natürlich mit rein, bis hin zu Website, Print, eigentlich ja krass breit gefächert bist?
Constance Schölch
Also ich muss wirklich ganz ehrlich sagen, dass ich mir am Anfang nicht allzu viel unter diesem Berufsbild vorstellen konnte, weil dieser Beruf Hochschulkommunikatorin mir vorher auch gar nicht so bekannt war. Also das war kein Job, der auf dem Radar war, obwohl ich thematisch eigentlich schon im Studium in die Richtung gegangen bin von meiner Ausbildung her. Was ich mir am ehesten darunter vorstellen konnte, war dieser Bereich Wissenschaftskommunikation. Also wir haben irgendwie Forschungsergebnisse, die wollen wir erzählen, spannend aufbereiten. Aber dass Hochschulkommunikation natürlich so viel mehr ist und darüber hinausgeht, das war mir so gar nicht bewusst. Und was sich jetzt eben in diesen paar Jahren, seitdem ich ja in diesem Beruf tätig bin, verändert hat, ist schon echt ein Wahnsinn. Also das habe ich so auf jeden Fall auch nicht erwartet.
Karin Bauer-Leppin
Vielleicht kann man da auch ergänzen, dass die letzten Jahre in der Kommunikation sich stark verändert haben, aber das ging auch schon ein gutes Stück vorher los, dass das ganze Leben der früheren Pressestellen, die zum Teil heute gar nicht mehr so heißen, auf den Kopf gestellt wurde. Und in vielen Universitäten hat man sich schon eigentlich seit Beginn der 2010er dann die Augen gerieben und mit etwas Erstaunen auf das Erstarken von Social Media geschaut und auch einen Umgang damit gefunden und auch zum Teil einen sehr, sehr professionellen Umgang damit gefunden. Und zum Teil muss man ihn mit neuen Kanälen auch immer noch finden. Also daher hat sich spätestens da wirklich massiv die Arbeit verändert. Und du bist dann, Constance, zu einer Zeit gekommen, als noch noch mal viele Änderungen stattfanden, weil natürlich die Nach-Corona-Zeit auch noch mal vieles ganz neu auf uns zugebracht hat, was wir vorher gar nicht ahnten.
Constance Schölch
Ja, also ich glaube, gerade im Bereich Social Media habe ich den Eindruck, dass sich da immer schneller auch Entwicklungen abzeichnen. Ich weiß nicht, wie oft sich der Algorithmus in den 4 Jahren, seitdem ich dabei bin, schon geändert hat. Also wir haben irgendwann aufgehört zu zählen, und das ist wirklich eine Aufgabe, ja, herauszufinden, welche Algorithmen jetzt gerade funktionieren, denn die Content-Strategie dementsprechend anzupassen. Dann natürlich auch, wie sich die Plattformen verändert haben. Also wir hatten die Übernahme von Twitter durch Elon Musk, der damit den Faschisten freie Bahn gegeben hat, weshalb es ja auch zu Recht diesen Exit gab vieler Hochschulen und dann zu Blue Sky gewechselt sind. Mittlerweile ist der Hype auch schon wieder weg. Also es ist so wahnsinnig schnelllebig und man muss da wirklich ja immer am Ball bleiben und schauen und sich immer wieder auch anpassen.
Karin Bauer-Leppin
Und die andere Seite, Ina, das hast du ja schon gesagt, die Zielgruppenseite ist ja auch völlig anders. Also die Frage, wie werden eigentlich unsere Nachrichten aufgenommen oder unsere Botschaften empfangen und wer möchte sie hören? Und wie viel kann man den Hörer*innen oder den Leser*innen zumuten? Inzwischen schon, schaffen die mehr als 30 Sekunden Aufmerksamkeit? Schaffen sie vielleicht nicht mal mehr so viel? Und insofern kommt noch auf der Empfängerseite, also nicht nur auf unserer Senderseite, eine ganz krasse Veränderung dazu und auch so eine Anspruchshaltung. Die Informationen sind Wert zu bekommen, mundgerecht, und die einfach nur noch so konsumieren zu müssen. Also auch da hat sich massiv was verändert.
Florian Klebs
Ich denke, da zersplittern sich die Zielgruppen. Deswegen haben wir auch die vielen verschiedenen Kanäle. Ich glaube, die Anspruchshaltung, die Informationen von uns als Kommunikatorinnen und Kommunikatoren so zu bekommen, wie man sie am besten aufnehmen kann, die haben auch vor 20 Jahren schon Journalisten gehabt, und das trägt sich jetzt in die Gesellschaft und in die verschiedenen Gruppen rein. Und deswegen ist ja auch, wie es Constance macht, eine Plattformstrategie wichtig, dass ich weiß, wer steckt hinter welcher Plattform, was ist für diese Zielgruppe relevant und wie gehe ich mit der um.
Ina Teloudis
Wenn wir jetzt mal ganz vereinfacht das darstellen, also am Anfang, also wenn die alten Hasen von früher berichten aus den Pressestellen, da ging es eher wahrscheinlich darum, regelmäßig zu Uhrzeit X ein Fax zu verschicken. Also ganz simpel. Und da gab es dann eine Pressemitteilung, dann gab es vielleicht noch irgendwie Bilder irgendwie hinten dran und fertig war's. Und heute, sagt er selber, sind ja, ich weiß gar nicht, wie viele Plattformen man bedient, wie viele unterschiedliche welche Zielgruppen man bedient, schlägt sich das dann auch in der Personaldichte nieder? Man braucht ja im Grunde, brauchst du ja, Constance sagt es gerade, allein der Algorithmus, du brauchst ja für alles eine Expertin und einen Experten eigentlich.
Florian Klebs
Das kommt jetzt so ein bisschen von der Negativseite. Als ich beim Vorgespräch überlegt habe, was hat sich alles geändert, hätte ich mal unterm Strich gesagt, vieles, vieles, vieles zum Besseren, sodass der Beruf eigentlich viel mehr Spaß macht. Und eins davon ist die Teamarbeit. Man kommt also raus aus diesem alleine am Schreibtisch oder vielleicht gerade noch mit einer Praktikantin, sondern in ein Team rein. Und klar, da brauchst Spezialwissen, gleichzeitig brauchst auch Universalwissen. Wir haben es im Team so gelöst, jeder muss praktisch alles können im Notfall, aber also jeder hat auch sein Spezialgebiet und kann es auf jeden Fall besser. Unsere Social-Media-Managerin, der kann ich das Wasser nicht reichen, ganz klar. Aber wenn sie Urlaub hat oder krank wird, dann kann ich einspringen und ihre Arbeit auch anständig machen.
Karin Bauer-Leppin
Ich glaube, das ist auch wichtig zu sagen. Die Grundfertigkeiten haben sich gar nicht so stark verändert. Das heißt, man muss nach wie vor das, was auch schon in meinem Volontariat in den 90er Jahren das Thema war, man muss nach wie vor ein Thema erkennen, man muss Relevanz erkennen, man muss nach wie vor in der Lage sein, überhaupt die Perspektive zu wechseln und sich zu überlegen, wie kommt etwas, was ich mitteilen will, bei jemand anderem an und wie kann ich es ihm begreiflich oder schön oder unterhaltsam machen, sodass es auch wirklich ankommt? Und mein Ziel erreicht. Und das sind ganz klare Fertigkeiten und auch Denkweisen, die sich in dem Sinne nicht stark verändert haben. Und die funktionieren in den Kanälen genauso wie bei einer klassischen Pressemitteilung. Wenn ich nicht in der Lage bin, mir zu überlegen, für wen ist das Thema relevant und wie mache ich es so, dass es relevant ist, und wie bereite ich etwas auf, damit es bei der richtigen Zielgruppe ankommt, dann kann ich eigentlich auch die neueren Kanäle schlecht bedienen. Und ich glaube, insofern ist das die gute Nachricht für alle, die schon etwas älter sind, dass man das, was man mal gelernt hat, durchaus auch, und das höre ich auch bei dir raus, Florian, auch immer noch anwenden kann, weil es ist eine andere Sprache und es ist eine andere Form des Ausdrucks, aber es ist nicht eine andere Grundhaltung.
Florian Klebs
Unbedingt. Was vielleicht ganz stark dazu gekommen ist, ist einmal die Bedeutung von interner Kommunikation. Die war, auch wenn man mit dem Blick von außen reinkommt an eine Hochschule, habe ich anfangs unterschätzt, aber sie ist auch in ihrer Bedeutung unheimlich gewachsen und seit Corona noch mal um Potenzen höher geworden. Und der Beratungs- und Coaching-Anteil: Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler kommunizieren mehr selbst, brauchen dabei Unterstützung, brauchen auch Unterstützung, wenn es brennt. Also in der Kommunikation es schiefgegangen ist, gar nicht unbedingt, weil jemand auf der Wissenschaftsseite was falsch gemacht hat. Das ist ein ganz großer Block, der bei uns mehr geworden ist. Und es schlägt sich auch ein Stück weit in der Ausbildung nieder. Anfangs haben wir unsere Volontärinnen und Volontäre zu den Bonitäts Kursen von Zeitung geschickt, weil wir dachten, das ist so die Hauptzielgruppe. Wir finden es spannend, vielleicht kennen sie schon den einen oder anderen danach. Da gibt es gleich ein Netzwerk und die sollten wissen, wie Journalistinnen und Journalisten denken. Heute ist das ein Ausschnitt geworden auf der Arbeit und auch die Anbieter haben sich professionalisiert. Es gibt gute Angebote für PR-Volontariat und wann nutzen wir die? Also da hat sich richtig was geändert.
Constance Schölch
Während meines Volontariats hatte ich Fortbildungen bei der Akademie der Bayerischen Presse und das waren Kurse zu Textsorten, zum Interview führen. Also es waren sehr breit gefächerte Kurse, wo man sich intensiv mit Storytelling auseinandergesetzt hat und eben auch da noch mal so diese grundlegenden Skills mitbekommen hat, Wie kann ich eine Geschichte erzählen für verschiedene Zielgruppen? Wie kann ich das aufbereiten in verschiedene Textsorten? Und ich glaube, dass das auch etwas ist, was immer noch absolut relevant ist, weil wir können natürlich jetzt mit KI uns alle möglichen Texte ausgeben lassen, aber es ist immer noch in unserer Verantwortung, die Qualitätskontrolle sicherzustellen. Und das kannst du nur, wenn du weißt, ob dieser Text auch eben den Qualitätskriterien entspricht. Also das glaube ich, ist weiterhin wirklich ja ein wichtiger Teil der Ausbildung.
Karin Bauer-Leppin
Und die Fähigkeiten, die du für Social Media brauchtest, hast du dir die selbst angeeignet oder hast du da auch Kurse besuchen können?
Constance Schölch
Teils, teils. Also ich glaube schon, dass Social Media definitiv viel mit Ausprobieren zu tun hat. Und das ist ja auch vielleicht das Schöne an dem Beruf, dass man ja ohne schlechtes Gewissen auf Instagram surfen kann oder auf den anderen Plattformen, weil das einfach super wichtig ist für Recherche. Ja, also ich muss wissen, welche Trends gibt es gerade aktuell, welche Welche Reels gehen gerade viral? Welche Content-Ideen sind da so im Umlauf? Und dann nimmt man sich das natürlich zur Inspiration und schaut, ob man das irgendwie umsetzen kann für die eigene Institution. Also da ist schon viel Ausprobieren und auch sich kreativ austoben. So technische Sachen wie, wie schneide ich das, klar, kann man natürlich dann lernen, aber der Rest würde ich sagen, ist wirklich ja Ausprobieren.
Ina Teloudis
Und wie du ja auch schon gesagt hattest, es ist ja auch das, was gestern gut war, kann morgen alter Hut sein. Es ist extrem schnell, verändert sich ja die Landschaft da auch in dem Bereich. Und das ist, glaube ich, was, was sich definitiv zu früh geändert hat, dass man immer öfter da sitzt und sagt, wir wissen, dass wir nichts wissen und lass uns mal gucken, lass uns mal probieren. Aber wie bildet man so was aus? Ist das eine Form von: Bleib einfach offen und flexibel? Und es gibt ja auch viele Menschen, die mögen das überhaupt gar nicht, sich ständig auf neue Rahmenbedingungen irgendwie einstellen zu müssen. Ist das was, Was man im Volontariat schon übt oder lernt? Einfach zu sagen: Komm!
Florian Klebs
Auf jeden Fall. Wir haben ja beides. Wir haben gewisse Konstanten und jeder Mensch braucht wahrscheinlich ein gewisses Gerüst, an dem er oder sie sich festhalten kann. Und das hat Karin auch schon ausgeführt. Also die Neugier festzustellen, ist was ein Thema oder ist es kein Thema? Die Fähigkeit, mich in andere reinzuversetzen, der Perspektivwechsel und die Empathie, das sind das Wichtige. Auch die Fähigkeit, Sachverhalte erklären zu können. Oder worüber wir gar nicht gesprochen haben, so ein gewisses ethisches Grundgerüst und der Glaube, dass ein faktenbasierter Dialog das ist, auf dem unsere Gesellschaft fußt, mit dem wir sehr weit gekommen sind und dass das etwas ist, was man auch in Zukunft haben will. Ich glaube, das sind alles Konstanten, die bleiben. Wenn jemand sagt, ich will unbedingt schreiben und ich komme gar nicht mehr dazu, das wäre eine Konstanze, die ich nicht empfehlen kann. An sich muss man sagen, eigentlich Ich habe Interesse daran, Menschen zu Themen, die mir liegen, Wissenschaft, miteinander in Dialog zu bringen und die dabei zu unterstützen, dass sie sich möglichst gut verstehen. Und dazu gehört dann die Content-Produktion und das ist dann halt immer wieder anders. Aber wenn ich Sternekoch bin und sage, dann will ich jeden Abend, will ich den Leuten ein kulinarisches Erlebnis bieten, aber jeden Tag sitze ich morgens da und schaue nach, was gibt es auf dem Markt und mache es irgendwie anders.
Und das ist dann eigentlich finde ich das Spannende daran. Deswegen würde ich sagen, vor der Veränderung keine Angst haben, sondern sagen, das ist das Coole, das ist die Würze, dass ich mich da immer wieder neu erfinden und was neu ausprobieren und was lernen darf und auch Fehler machen darf. Ein Stück weit finde ich übrigens Ausdrücken gut, Constance, wie du das gesagt hast mit dem Mut. Ich darf auch daneben liegen mal und morgen mache ich es dann wieder anders. Und wenn man nicht mal daneben liegt, dann hat man auch kein Hate.
Constance Schölch
Ja, also ich glaube, es ist schon so, dass es hauptsächlich wahrscheinlich eine Typsache ist. Also bin ich Bin ich ein Typ, der ja gerne auch Veränderung hat? Macht mir das was aus? Sehe ich das eher als was Positives, als eine positive Herausforderung? Oder ist es vielleicht eher eine Belastung für mich? Aber klar ist, dieser Beruf Hochschulkommunikator*in ist nichts, was immer gleich bleiben wird, sondern wir sind so eng geknüpft an politische, gesellschaftliche Veränderungen, die ich auch immer im Blick haben muss. Also ich glaube auch so als Volo würde ich empfehlen, mir jeden Abend die Tagesschau anzuschauen oder irgendeine andere Nachrichtensendung, die ja faktenbasiert ist. Aber dass man da immer am Ball bleibt und ja wirklich Lust hat, auf diese Veränderungen, die da draußen stattfinden, einzugehen und sich anzupassen, also die ist schon Grundvoraussetzung, würde ich sagen.
Florian Klebs
Wir erleben das ja direkt vor unserer Bürotür eigentlich, den Hochschulen selber. Da laufen überall die Diskussionen, dass das Studium weg muss, los muss vom Faktenwissen, das braucht man auch, aber dass es in Richtung geht, Kompetenzen zu erwerben. Und so ist es überall und in diesem Beruf auch.
Karin Bauer-Leppin
Für größere Unis und Hochschulen, vielleicht gibt es da noch die Nischen. Also ich kann das bei mir sagen und ich sehe auch einige Hochschulen, wo es die Nische noch gibt, wo man auch als guter, als Edelfeder, wie man früher gesagt hat, noch seine Ecke findet und da sich auch in Wissenschaftstexten beruflich immer noch niederlassen kann. Aber die Nischen werden kleiner. Das würde ich genauso auch sehen. Also die Nischen, in denen man die Veränderungen vielleicht weniger spürt, sind heute nicht mehr so groß. Ich finde es aber auch interessant, weil das, also ich könnte gar nicht anders arbeiten. Mich würde das unheimlich langweilen, wenn es sich nicht verändern würde. Also, und ich glaube, Konstanze, dir geht es auch so. Das macht ja gerade die Schönheit auch dessen aus, dass wir an den Unis sind.
Constance Schölch
Ja, definitiv. Also für mich ist das auch das große Plus dieses Berufs, dass es einem nie langweilig wird. Also ich hatte wirklich noch nie den Punkt, Punkt, wo ich mir dachte, oh, jetzt wiederholt sich das schon wieder. Also die Themen sind immer anders, dann natürlich die Plattformen, die Art und Weise, wie man Geschichten erzählt, wo man Geschichten erzählt, welche Zielgruppen man wie erreicht. Das ist immer wieder eine neue Herausforderung und das macht es spannend. Ja, das ist was Schönes. Also ich sehe das als einen großen Pluspunkt.
Karin Bauer-Leppin
Und im Bundesverband ist uns wichtig, dass das Volontariat auch ausbildet für solche Fälle, aber auch, dass es vergleichbar ist mit den Volontariaten anderer Anbieter außerhalb der Universitäten, sodass unsere Volontär:innen auch in der Lage sind, wenn sie dann am Ende doch feststellen, die Uni ist es nicht für mich, dass sie in der Lage sind, auch die Medienform zu wechseln oder für andere Organisationen gut ausgebildet zu sein. Denn das ist unheimlich wichtig. Die Einstellungsmöglichkeiten oder Übernahmemöglichkeiten sind leider ja nicht immer gegeben. Da hattest du Glück, Constance. Aber es gibt natürlich eben auch leider viele sehr, sehr gute ausgebildete Volontär:innen, die man dann ziehen lassen muss, und dann mit einem guten Gefühl sagen zu können, ich habe dich gut ausgebildet, also nicht nur ich, sondern das Team. Alle haben was dazu beigetragen. Wir haben hier einen Menschen sozusagen ausgebildet, wo wir wirklich sagen können, der hat in den 2 Jahren einen Schritt gemacht. Da gab es eine steile Lernkurve, da gab es so viele Möglichkeiten, auch mal was alleine und völlig allein zu machen und manchmal aber auch im großen Team zu arbeiten. Und das ist sehr, sehr wichtig. Deshalb gibt es auch Leitlinien, wie man Volontär:innen ausbilden soll, aber auch, und das ist auch nicht unwichtig, wie man Volontär:innen bezahlen soll, damit es auch angemessen ist, damit die auch von ihrer Ausbildung leben können.
Karin Bauer-Leppin
Und auch eben angeglichen an andere Medien und andere Betriebe sozusagen nicht im Nachteil sind. Was das Schlimmste wäre, was ich mir vorstellen kann, ist, Volontär:innen als günstige Arbeitskräfte einzustellen. Und es gibt natürlich auch solche Fälle leider, aber in den meisten Hochschulen ist das nicht der Fall, sondern man erkennt, was du Ina auch am Anfang schon gesagt hast, man erkennt, dass man da auch einen Wert hat. Und auch Florian, du hast das gesagt, das sind bereichernde Kolleg:innen, die näher an der Zielgruppe sind, die ganz oft völlig neue Perspektiven mitbringen, auf die man gar nicht kommt. Und gleichzeitig ist es eben auch eine Frage auch unserer eigenen Zukunftsabsicherung, dass wir Menschen ausbilden, die unseren Job später machen können und die eben auch die ganze Bandbreite kennengelernt haben.
Ina Teloudis
Du hast gerade die Leitlinien angesprochen. Das würde mich mal interessieren, wie oft guckt ihr darauf oder wann stellt ihr fest, wir müssen daran, wir müssen was anpassen, wir müssen was ergänzen? Findet das regelmäßig statt oder wie läuft das?
Karin Bauer-Leppin
Tatsächlich im Groben schon. Die Leitlinien haben sich die Volontär:innen zusammen mit dem Bundesverband selbst gegeben und haben sie erarbeitet. Also einmal im Jahr gucken wir auf jeden Fall raus, weil wir dann auf unserer Jahrestagung die Volo-Preise oder Volo-Zertifikate verleihen und diejenigen Hochschulen auszeichnen, die eine gute Ausbildung anbieten. Das ist auch wichtig, weil die Hochschulen das mit in ihre Organisation zurücknehmen und sagen, guck mal, wir haben hier einen Preis dafür bekommen, dass wir eine gute Ausbildung machen. Die ist natürlich teurer als eine schlechte Ausbildung, und deshalb muss man das von Zeit zu Zeit den Unileitungen wieder oder auch den Personalleitungen oder wem auch immer unter die Nase halten und sagen, das muss leider sein, sonst müssen wir es lassen, sonst ist es nicht in Ordnung, wenn wir das so machen. Das heißt, einmal pro Jahr schauen wir drauf und es gibt gelegentlich Veränderungen in dem Ganzen, wo man dann sagt, also hier haben wir eine Veränderung oder eine bestimmte Sache noch nicht absehen können, da müssen wir vielleicht mal ran. Das passiert jetzt nicht sehr häufig. Das sind dann eher so Sachen bei der Preisverleihung, dass wir sagen, muss es unbedingt eine Hospitanz sein oder kann es eine andere Form von Praxiserfahrung sein?
Muss es unbedingt eine bestimmte Dauer sein? Oder kann auch ein etwas kürzeres oder ein verkürztes Volontariat trotzdem ein gutes Volontariat sein? Aber das sind sehr praktische Fragen, die die Mitglieder auch an uns herantragen und wo sie sagen, wir machen eigentlich alles richtig, nur diese eine Sache, die können wir nicht machen und muss die unbedingt sein? Gibt es da vielleicht Möglichkeiten?
Ina Teloudis
Gerade auch Hospitanzen oder auch Praktika, vielleicht irgendwo anders auch mal in der Redaktion, ist ja auch nicht für jeden Hochschulstandort immer gleich einfach zu organisieren, oder?
Karin Bauer-Leppin
Das ist in der Tat nicht immer einfach, aber es lohnt sich unheimlich, weil auch von solchen Hospitanzen kommen, die Volos in der Regel gestärkt zurück und haben ganz oft auch noch mal Inputs und manchmal auch, wie Florian schon sagte, Netzwerke aufgebaut, wo man auch von profitieren kann. Das ist natürlich hier in Berlin recht einfach, weil wir sehr viele Medien haben und ja aus dem Vollen schöpfen können. Aber in anderen Gegenden ist es sicherlich schwieriger. Und dazu kommt, dass das leider auch für manche Hochschulen sehr teuer ist, weil man natürlich, wenn man dann den Ort wechselt und eben nicht in der gleichen Stadt hospitieren kann, sondern woanders, eben auch die Frage ist, wer zahlt mir die Unterkunft, wer zahlt mir die Fahrtkosten zu diesem anderen Ort. Also das ist nicht für alle Hochschulen so leicht zu bewältigen, aber auch ein echter Wert, wenn man es denn hinbekommt, das möglich zu machen.
Florian Klebs
Das stimmt. Da sind wir gerade von deinen Gästen heute ein bisschen privilegiert, weil wir jeweils aus der Landeshauptstadt kommen. Aber wir haben auch schon einmal die Idee eingespeist, ob wir nicht interne Volo-Austausche machen, also sozusagen von einer Hochschule zur anderen. Hätte den großen Vorteil, man kann wirklich gleichzeitig über Kreuz zwei Volontärinnen und Volontäre tauschen. Das heißt, es ist Kontinuität da. Mir fehlt nicht plötzlich im Team jemanden. 4, 6 oder 8 Wochen werden die zwei sich vielleicht schon auf der Bundestagung kennengelernt haben und verstehen sich. Wäre vielleicht sogar drin, dass sie sich gegenseitig Zwischenmiete geben. Dann wäre das Unterkunfts Problem auch schon gelöst. Fände ich einen sehr, sehr spannenden Ansatz, weil auch wenn, Karin, gebe ich dir vollkommen recht, die Volontariate müssen vergleichbar sein. Trotzdem ist es immer an jeder Hochschule ein bisschen anders. Auch bei uns ist ein Volontariat nicht mit dem anderen vergleichbar, weil es ist ja Training on the job und mal gibt es dieses Großprojekt oder jene Besonderheit, wo dann immer was noch besonders gemacht wird. Aber diese Idee, dass wir intern auch mal so einen Pool aufbauen und sagen, oder es den Volontär:innen selbst überlassen, dass die sich anfreunden und sagen, Mensch, mit dir würde ich gerne mal tauschen, fände ich ein super spannendes Projekt.
Constance Schölch
Das finde ich auch eine super Idee, Florian. Da würde ich absolut mitgehen. War ja selbst von Anfang an Teil des Volo-Netzwerk des Bundesverbands und kann wirklich sagen, dass mir das wahnsinnig geholfen hat und das wirklich viel gebracht hat, sich untereinander auszutauschen, zu sehen auch, wie unterschiedlich natürlich manche Aufgabengebiete waren. Je nach Hochschule hat man da natürlich auch andere inhaltliche Schwerpunkte. Und dann hat es natürlich auch viel gebracht in Richtung Perspektive, also was passiert, wenn mein Volo vorbei ist, in welche Richtung kann ich gehen, sich da auch auszutauschen und zu hören, ja, wie hat man da den Absprung sozusagen geschafft. Also das Volo-Netzwerk, ja, ist wirklich wahnsinnig große Hilfe gewesen, auch in meinem Prozess.
Florian Klebs
Ich glaube, da haben wir auch was Besonderes. Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal zu vielen anderen Volontariaten. Ich glaube, das gibt es woanders so nicht. Können wir stolz sein. Danke, Constance und Karin.
Ina Teloudis
Also das ist jetzt auf jeden Fall ein wichtiger Rat für alle, die vielleicht mit dem Gedanken spielen oder schon angefangen haben mit ihrem Volontariat in dem Umfeld, absolut unbedingt in dieses Netzwerk rein. Gibt es irgendwas, was ihr anderen raten würdet, die jetzt vielleicht mit dem Gedanken spielen, im Bereich Hochschulkommunikation ein Volo zu machen? Constance würde sagen, auf jeden Fall, sehr sinnstiftend, sehr befriedigend. Ich habe mich noch keinen Tag gelangweilt.
Constance Schölch
Ja, also ich glaube, so aktuell wäre mein Rat, sich wirklich intensiv mit KI auseinanderzusetzen. Ich glaube, dass das wirklich wirklich gerade einfach super aktuell ist. Es gibt mittlerweile so viele Angebote, YouTube-Videos noch und nöcher, man kann selber so viel ausprobieren, aber dass man da einfach am Ball bleibt, diese Entwicklung beobachtet, selber auch immer wieder ausprobiert, und man muss jetzt kein KI-Crack sein, sondern es reicht, wenn man sich dann ein bisschen auskennt, aber dass man da wirklich dran bleibt, ich glaube, das ist für das Volo aktuell wirklich sehr wichtig.
Florian Klebs
Mein Tipp wäre: Traut euch, auch wenn ihr nicht Medienwissenschaft studiert habt, sondern irgendwas anderes. Ich finde, das Studium ist für mich ein Muss, leider. Weil bisschen was aus dem Wissenschaftsbetrieb zu kennen, Statistik kennen, wie werden Ergebnisse abgesichert, wie werden die überhaupt erlangt, was ist falsifizieren und was ist die Vorläufigkeit von Ergebnissen? Das ist alles Sachen, die muss man ein Stück weit mitbringen, weil das können wir im Volontariat nicht beibringen. Also so einen gewissen Einblick und auch schon mal eine Abschlussarbeit gemacht haben und eine Hochschule von innen gesehen haben. Das finde ich wichtig, aber ansonsten fachfremde Leute willkommen.
Constance Schölch
Und ich würde vielleicht auch noch ergänzen, ich würde also Leuten, die überlegen, was sie vielleicht beruflich mal machen, definitiv den Bereich Hochschulkommunikation empfehlen, weil es einfach was sehr Sinnstiftendes ist. Also wir leisten Demokratie stützende Arbeit, wir setzen uns dafür ein, dass ja der Dialog zwischen der Gesellschaft hergestellt wird. Wir bringen gesellschaftlich relevante Themen in die Gesellschaft. Wir haben da wirklich eine wichtige Aufgabe, die wir erfüllen, und ich glaube, dass das heutzutage auch immer wichtiger ist, ist zumindest mein Eindruck, dass man eine Arbeit macht, die einem irgendeinen Mehrwert bietet, der über die Bezahlung hinausgeht. Von daher kann ich das allein aus der Perspektive empfehlen. Zu empfehlen.
Karin Bauer-Leppin
Und auch das zu starten mit einem Volontariat tatsächlich, also mit einer nochmal formalen Ausbildung, die vielleicht auch noch nicht eine volle Stelle oder ein volles Gehalt bietet. Aber ich finde es gerade in der Zeit jetzt, Konstanze, du hast die KI hervorgehoben, auch wichtig, sich seiner eigenen Stärken auch bewusst zu werden und dann diese durch KI zu ergänzen. Denn das, was wir hier ausbilden, das sind keine Menschen, die man durch KI ersetzen kann. Und das, was wir an den Unis machen, auch nicht. Weil das, wovon es lebt, ist der Austausch mit den Wissenschaftler:innen, mit Studierenden mit anderen Menschen, und das kann uns die KI nicht abnehmen. Und das ist auch eine Fertigkeit, die man erst mal aufbauen muss. Und deshalb würde ich auch immer empfehlen, eine gute persönliche Haltung dazu zu entwickeln und zu sagen: Ich kann jetzt ein paar Aufgaben, die Zeit kosten und auch ein bisschen formal sind, die kann ich abkürzen, und ich kann auch Texte, auf die es nicht so ankommt, auch mal schreiben lassen. Aber der Job an sich ist durch KI in dem Sinne nicht ersetzbar. Ähnlich wie Lokaljournalismus würde ich sagen, es kommt am Ende darauf an, dass dass man mit Menschen sprechen muss, dass man den besonderen Spirit der Hochschule einfangen muss, dass man irgendwie begreifen muss, was ist hier eigentlich gerade los.
Karin Bauer-Leppin
Und gerade diese Frage, die Klärung, was ist relevant für die Zukunft, was interessiert meine Menschen, das kann einem die KI eben nicht abnehmen. Und deshalb ist mir sehr, sehr wichtig, das auch zu vermitteln, diese altmodischen Fähigkeiten, insofern das, als dass wir sie schon immer so gelernt haben, und das dann gut zu kombinieren dort, wo zeitfressende Aufgaben eben doch abgekürzt werden können mit einem Blick auf KI, finde ich dann eine super Kombination. Und das müssen wir natürlich eben auch als Hochschulen noch üben, das den Volontär:innen beizubringen. Zumal viele Hochschulen noch gar nicht so weit sind, dass sie einen guten Umgang mit KI hätten oder eine gute Leitlinie dafür hätten oder ein gutes Angebot, was man benutzen darf, sodass dieser ganze KI-Bereich momentan noch so ein kleines bisschen ein Graubereich ist, wo der Datenschutzbeauftragte zum Teil auch gar nicht so genau wissen möchte, was wir da eigentlich tun. Und gleichzeitig ist es wichtig für die bewusst damit zu beschäftigen. Und das ist einfach so eine Diskrepanz, an der ich sozusagen als ausbildende Einheit noch arbeite. Wie kann ich eigentlich etwas lehren, was für mich selbst neu ist und bei dem ich gar nicht so genau weiß, was darf und sollte ich da eigentlich machen?
Florian Klebs
Constance, ihr habt doch, glaube ich, zu dem Thema was Tolles bei euch eingeführt. Ihr habt so eine KI-Sprechstunde oder Peer-Tutor Stunde einmal die Woche.
Constance Schölch
Genau, wir haben uns überlegt, überlegt, dass wir einen Austausch herstellen wollen im Team zu KI und haben jetzt immer einmal im Monat uns einen festen Slot im Jour fixe dafür reserviert, wo wir uns gegenseitig immer auf den neuesten Stand bringen. Also wir bringen Beispiele mit rein, wo wir was ausprobiert haben, irgendein neues Tool. Das können aber auch manchmal Fails sein, ja, also wo man etwas mit KI gemacht hat, was nicht funktioniert hat. Aber so stellen wir sicher, dass wir alle von den Erfahrungen mitbekommen und letztendlich dann eben auch profitieren. Diskutieren und alle ungefähr auf dem gleichen Wissensstand sind. Und das hat wirklich sehr gut funktioniert bisher.
Florian Klebs
Ja, finde ich super. Ich glaube, als eine gemeinsame Reise. Wir haben einmal in der Woche die Kreativstunde, die wir mit dem gleichen Ziel eingeführt haben, uns gegenseitig was zu zeigen, auf den gleichen Stand zu bringen, nicht nur KI. Anscheinend sind wir nicht so kreativ, weil es geht immer mal wieder eine Woche rum, wo wir sagen: Ach, machen wir einfach normale Besprechung heute. Aber den Slot zu haben, der auch ein bisschen länger ist und die Idee, so Sachen weiterzugeben, das ist eine richtige Sache. Und da nehme ich von dir den Impuls mit, dass ich sage: Ja, sollten wir mal vielleicht auch wieder ein bisschen mehr Leben reinbringen.
Constance Schölch
Ich denke, KI wird sich einfach langfristig als Arbeits- oder Hilfsmittel etablieren. Also ich bin da auch voll bei Karin, das wird uns nicht komplett ersetzen. Dafür haben wir noch viel zu relevante Aufgaben und Qualitätskontrolle, Empathie, so was kann KI dann nicht übernehmen. Aber wir müssen schon am Ball bleiben, dass wir dieses Tool eben verstehen, dass wir es sinnvoll einsetzen können und uns in diesem Bereich einfach weiterbilden. Also ich glaube, das ist ganz wichtig.
Florian Klebs
Ich glaube in der Arbeit selbst aber, dass es in der Gesellschaft einen zunehmenden Hunger gibt nach realer Begegnung. Ich glaube, dass wir nicht alles digitalisieren können und damit auch nicht eben alles über KI laufen lassen können. Es gibt so eine Schwemme von digitalen Informationen und es wird für Nutzerinnen und Nutzer immer schwieriger zu unterscheiden, was ist real, was nicht, wie komme ich aus der Filterblase raus. Dass es da einen gewissen Hunger gibt, Mitwissenschaftlern auch direkt mündlich, die in einer Veranstaltung zu erleben, in Präsenz zu erleben, in Präsenz in Austausch gehen miteinander. Es gab da mal vor 2 Jahren das Programm, das speziell Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler organisiert hat, dass die in ihren Heimatdörfern, zwar mit Blick auf ländlichen Raum strikt, Heimatbesuche machen und im alten Verein vorstellen, was sie eigentlich machen. Und da kamen beide Seiten relativ begeistert zurück. Die Menschen aus der Wissenschaft haben gemerkt, sie sind gar nicht so weit gekommen, so im Detail zu erzählen, was sie eigentlich wissenschaftlich tun. Aber die Neugier Hier an diesen Menschen, den man als Kind kannte. Was macht er jetzt und wie funktioniert eigentlich dieser Wissenschaftsbetrieb? Und wie ist jemand, der gefühlt gestern geholfen hat, Trecker zu fahren, heute ein Professorentitel?
Florian Klebs
Das war recht bereichernd. Das Programm fand ich sehr toll und ich finde es schade, dass es eingestellt ist. Ich glaube, solche Begegnungen werden wir mehr brauchen und das wird auch der Gesellschaft guttun.
Karin Bauer-Leppin
Wichtig ist ein Punkt noch, den man vielleicht auch schon im Volontariat, vielleicht aber leider auch erst später lernt. Das ist die persönliche Resilienz auch in diesem wirklich sehr herausfordernden Beruf, dass man sich abgrenzt. Auch weil ich glaube, keine unserer Pressestellen oder keine unserer Kommunikationsabteilungen ist so aufgestellt, dass sie wirklich jedem Wunsch nach Kommunikation nachkommen kann. Man muss sehr oft Absagen erteilen, man muss sehr oft Menschen auch enttäuschen. Man hat Themen, das hatte Florian vorhin schon angesprochen, wo man plötzlich Angriffe erlebt auf Wissenschaftler:innen, denen man hilft, oder auf einen selbst und auch auf die Pressestellen selbst und wo man plötzlich in einem Sturm steht, auf den man auch vorbereitet sein muss. Und das ist ein Aspekt, der mir auch immer wichtig ist, dass man einen persönlichen Umgang damit hat und dabei nicht zerrieben wird in dieser Vielfalt der Aufgabe. Das ist natürlich was sehr Positives, aber es kann auch etwas sehr Aufreibendes und auch Kaputt-machendes sein. Das wäre mir irgendwie auch wichtig, dass das Menschen früh im Berufsleben begreifen und für sich selbst Strategien entwickeln, um eben nicht aufgerieben zu werden.
Florian Klebs
Da mache ich den kurzen Werbeblock. Wann immer wir von Angriffen auf Wissenschaftler:innen und Kommunikator:innen sprechen, muss man den Scicomm-Support empfehlen. Eine Organisation, die auch lose verknüpft ist mit dem Bundesverband und die genau in diesen Fällen hilft mit einer täglichen Sprechstunde von 8 bis tief in die Nacht, selbst an Weihnachten. Oder Organisationen wie HateAid, wenn wir wirklich auf dieses Terrain vorstoßen wollen und sagen: Ja, so was kommt auch vor, kann auch passieren. Da kann man sich als Profi noch mal professionelle Hilfe holen. Eine sehr gute Sache.
Ina Teloudis
Ich möchte den Werbeblock erweitern und sagen, in Folge 6 von Inside Hkomm haben wir genau dazu ein ganz, ganz tolles Gespräch mit Julia Wand geführt. Und auch für alle, die jetzt vielleicht das erste Mal davon hören, von Scicomm-Support, da haben wir einmal komplett ausgerollt, worum es geht, wie spezifisch das sein kann und wie hands-on auch der Support tatsächlich ist. Und wie du schon sagtest, Florian, 24/7 und auch Weihnachten glücklicherweise. Okay, ihr Lieben, ich denke, wir haben alles gestreift, was wir streifen wollten. Ich würde damit den Sack dann zu machen. Ein ganz, ganz großes Dankeschön an euch, dass ihr euch Zeit genommen habt, so ein bisschen zu plaudern aus dem Nähkästchen, ganz ehrlich auch berichtet habt, was euch widerfährt, wie ihr es seht und erlebt. Vielen, vielen Dank.
Constance Schölch
Vielen Dank für die Einladung.
Florian Klebs
Danke dir.
Karin Bauer-Leppin
Danke.
Ina Teloudis
So, Karin, das war jetzt einmal ein großer Rundumschlag in Sachen Volo-Ausbildung und Blick in die Kristallkugel, Blick in die Zukunft. Was würdest du sagen, was sind so aus dieser Folge so deine 2, 3, vielleicht sind es auch mehr Takeaways? Was nimmst du mit?
Karin Bauer-Leppin
Ich nehme eigentlich überwiegend positive Nachrichten mit. Einerseits die Nachricht, das, was wir alten Hasen gelernt haben, geht nicht verloren. Das ist nach wie vor relevant. Es kommen neue Fertigkeiten dazu, aber das ist auch kein Hexenwerk. Das schaffen wir. Das schaffen wir sowohl selber zu lernen, als auch unseren Volontär:innen beizubringen. Und ich glaube, was wir auch mitnehmen können, ist, eine gute Ausbildung bringt einen auch über so schwierige Fragen wie: Werde ich durch die KI ersetzt oder nicht. Das ist eine wirklich gute Grundlage und das gilt nach wie vor. Und insofern ist mein positives Fazit, dass wir von der Energie und den Ideen und der Power dieser jungen Kolleg:innen sehr, sehr viel profitieren können und dass wir gut beraten sind, viel zu investieren, damit die uns eines Tages sehr gut nachfolgen und dass die uns auch natürlich schon in ihrer derzeitigen Anwesenheit viel Freude bereiten, weil sie ganz neue Blickwinkel mit reinbringen und manchmal auch Fertigkeiten zeigen, die wir noch nicht so gut kennen und vielleicht eben auch nie so selbstverständlich anwenden werden.
Ina Teloudis
Ja, sehr schön, sehr schön rundes positives Fazit. Danke dir auch für deine Zeit, Karin, und dass du wieder dabei warst.
Karin Bauer-Leppin
Sehr gerne.
Ina Teloudis
Das war's, Folge 25 von Inside Hochschulkommunikation, von Expert:innen für Expert:innen, wie immer powered by Bundesverband Hochschulkommunikation und MANDARIN EDU. Wenn euch die Folge gefallen hat, gehalten, dann teilt sie sehr gerne in euren Netzwerken, auf LinkedIn, oder hinterlasst uns gerne eine Bewertung auf Spotify, Apple Podcast und wo es überall Podcast gibt. Wir hören uns in 14 Tagen.